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Malls an Flughäfen : Einkaufen und abheben

  • -Aktualisiert am

Sechs Prozent aller Luxuswaren werden weltweit an Flughäfen verkauft. Bild: McPHOTO / vario images, Montage F.A.S.

Flughäfen werden zunehmend zu Shopping-Malls. Für die vom Online-Handel gebeutelten Modehäuser ist das eine Chance. Denn die Kunden auf Achse haben nicht nur Geld, sondern unterwegs auch oft Zeit.

          Nach der Sicherheitskontrolle beginnt das, was Handelsexperten die „goldene Stunde“ nennen. Nachdem das Sicherheitspersonal streng geguckt hat, die Gürtel in die Hosen eingefädelt und die Smartphones wieder in der Hand sind, fällt von vielen Reisenden die Nervosität ab – und öffnet sich das Portemonnaie: Dann geben Passagiere an Flughäfen das meiste Geld aus. Das freut vor allem Modehändler. Denn während der Einzelhandel in Fußgängerzonen und Shopping-Malls zunehmend unter Umsatzrückgang leidet, der durch den Handel im Netz bedingt ist, steigen an den Flughäfen von Jahr zu Jahr die Passagierzahlen. Hier muss man nicht um Kunden buhlen – hier strömen sie millionenfach zu ihren Gates und somit direkt an den Läden vorbei.

          223 Millionen Passagiere sind laut Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen 2016 an deutschen Flughäfen in die Flieger ein- und ausgestiegen. Ein neuer Rekord. In den vergangenen Jahren seien die Umsätze im Einzelhandel an Flughäfen sogar stärker gestiegen als das Passagierwachstum. Für die Betreibergesellschaften eine freudige Entwicklung, denn sie verdienen in der Regel über Mieten, die nach der Umsatzhöhe bemessen werden, kräftig mit. Laut einer Studie des Kölner EHI Retail Institute – einer Organisation, zu deren Mitgliedern Handelsunternehmen und Branchenverbände zählen – sind Anbieter von Bekleidung die wichtigsten Mieter. „Der Handel sucht Standorte mit steigender Tendenz“, sagt Marco Atzberger vom EHI. „So werden Flughäfen auch für große Ketten mehr und mehr zu einem interessanten Standort. Jetzt kommen verstärkt Händler, die vorher noch nicht am Flughafen waren.“

          Geschäfte nutzen ihre Lage geschickt

          Die Lage zahlt sich aus, denn Flughäfen haben detaillierte Kenntnisse über den Kundenlauf sowie die Kaufgewohnheiten – und würden Reisende ganz geschickt steuern, sagt Atzberger. Teure Spirituosen und Parfums warten direkt nach der Sicherheitskontrolle, Luxusmarken positionieren sich vor allem an den internationalen Gates, wo asiatische, russische oder arabische Passagiere abfliegen. Aber auch deutsche Geschäftsreisende sind eine hochattraktive Zielgruppe. Wenn noch genügend Zeit bis zum Abflug ist, geraten sogar Männer in Shoppinglaune, kaufen sich neue Hemden, Schuhe oder sogar ganze Anzüge. Auch bei den Passagieren der Urlaubsflieger kommt Vorfreude und damit oft spontane Kauflaune auf. Das ist zwar verführerisch, aber ebenfalls tückisch, denn diese Impulskäufe setzen den Wettbewerbsvergleich außer Kraft. Eine spontan erworbene teure Marken-Sonnenbrille kann durchaus das Gleiche wie der online gebuchte Flug kosten.

          Für diese Verführung lassen sich Shop-Betreiber einige Servicedienste einfallen: Am Flughafen Frankfurt am Main, dem größten Verkehrsflughafen in Deutschland und mit knapp 300 Shops und Restaurants größte Shopping-Area, warten persönliche Berater auf zahlungskräftige Kundschaft. Modemarken wie Hugo Boss vereinbaren mit Stammkunden sogar gezielt Termine für den Einkauf am Flughafen. „Der Durchschnittsbon ist in der Regel höher als an Standorten in Innenstadtlage“, sagt auch Jan Seewald von Porsche Design. Die Marke verkauft vor allem ihre Uhren an den Flughäfen in Frankfurt und München. Es sind auch jene mit den höchsten Passagierzahlen in Deutschland. Auf Platz drei folgt Düsseldorf. Danach Berlin-Tegel und Hamburg.

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