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Mailänder Modewoche : Neue Hoffnungen in XXL

Wie die Erfüllung eines amerikanischen Traums: An den Erfolg seines Labels in Mailand kann der Designer Fausto Puglisi selbst kaum glauben Bild: AP

Viele Modehäuser haben sich berappelt. Die Mailänder Mode wirkt so frisch wie lange nicht mehr. Sie steht für ein Italien, von dem Matteo Renzi noch träumt.

          So klingt also eine Drohne aus nächster Nähe. Sie ziept wie ein Insekt. Vier dieser Drohnen kreisen drei Meter über dem Laufsteg und sorgen für einen Lärm, zu dem sonst nur ein Schwarm Grillen in einer lauen Augustnacht fähig wäre. Während Amazon noch daran tüftelt, seine Drohnen in Zukunft, beladen mit Bestseller-Romanen, in den Vorgärten der Kunden landen zu lassen, ist das Modehaus Fendi um einen entscheidenden Schritt weiter. Hier, bei der Schau der Marke am Donnerstagmittag, filmen die vier zirpenden Drohnen schon mal die 50 Models auf ihrem Weg über den Laufsteg aus allen Ecken und Winkeln, darunter das It-Girl Cara Delevingne und die Tochter von Mick Jagger, Georgia May. Fendi möchte eben nicht nur auf eine große Vergangenheit zurückblicken, sondern rechtzeitig auch in eine erfolgreiche Zukunft abheben.

          Gepuzzelt: Tomas Maier erschafft für Bottega Veneta Ecken und Kanten in Formen und Farben Bilderstrecke
          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer noch vor ein, zwei Jahren zur Mailänder Modewoche fuhr, reiste anschließend nicht selten frustriert ab. Junge Labels schienen kaum eine Chance in der Stadt zu haben, viele alte Häuser stürzten ästhetisch vom Modehimmel herunter. Die aktuelle Schauensaison, die am Montag nach sechs Tagen zu Ende ging, hat damit nur noch wenig zu tun. Vor dem Hintergrund der Krise im eigenen Land haben sich viele Modehäuser beeindruckend berappelt: Die Mode wirkt in dieser Woche so frisch und vielschichtig wie lange nicht mehr. Während also der am Samstag vereidigte italienische Premierminister Matteo Renzi die Neuordnung des Landes plant und dazu eine Reform pro Monat durchsetzen möchte, hat sich die Mode schon längst neu organisiert.

          Mehr Leichtigkeit bei Fendi

          Den Drohnen entgeht auf ihrem Rundflug bei Fendi jedenfalls nichts. Vor zwei Jahren kam Pietro Beccari von Louis Vuitton zum römischen Haus. Als CEO sortiert er die Marke neu. Dass Fendi nun die Drohnen steigen lässt, dass die Marke insgesamt leichter anmutet, dass die schweren Pelze jetzt mit viel Humor wunderbar harmonieren, ist also auch ihm zu verdanken. Und dabei ist noch nicht mal er, sondern Karl Lagerfeld zusammen mit Silvia Fendi, für die Kollektion zuständig, die für den Herbst funktional und zugleich elegant aussieht.

          Möglich, dass Fendi bald dort stehen wird, wo Bottega Veneta längst angekommen ist. 2001 stieß Tomas Maier als Creative Director dazu. Innerhalb weniger Jahre hat er das Haus – mit inzwischen mehr als einer Milliarde Euro – zu einer Perle im Mutterkonzern Kering gemacht. Die Dynamik spiegelt sich in Maiers Kollektion für den Herbst. Seine Kleider, Mäntel und Röcke zu dicken Pullovern hat er mit grafischen Formen, mit Zacken und Plissees, versehen, die er so gekonnt mit den Farben mischt, ja, zusammenpuzzelt, dass das abstrakte Muster die Silhouette mitbestimmt. „Dazu muss man mit der Frau arbeiten“, sagt er nach der Schau. „Man muss sehen, wie sie läuft, wo Bewegung im Kleid ist, an welchen Stellen die Farbe also Sinn hat und dem Körper schmeichelt.“ Sobald sich die Frau in diesen Kleidern aus Woll-Krepp, Seide und Polyester dreht, „ändert sich auch der Schnitt“. Besser kann man eine Kollektion wohl kaum durchdenken.

          Milliarden-Markt für Luxuswaren „made in Italy“

          Auch mit solchen Ideen erhalten Luxusmarken ihren Rang. Laut einer Studie des italienischen Luxusgüterverbands Fondazione Altagamma und der Boston Consulting Group, die Anfang des Jahres vorgestellt wurde, soll der Markt für Luxuswaren bis 2020 von 730 auf 880 Milliarden Euro wachsen. Für die dann voraussichtlich 440 Millionen Konsumenten (heute sind es 380 Millionen) werde „Made in Italy“ als Qualitätsmerkmal von fundamentaler Bedeutung sein. Den italienischen Marken könnten rosige Zeiten bevorstehen. Sofern sie es richtig anstellen – und nicht doch am Ende in Fernost produzieren. „Die meisten Marken, ob sie es nun zugeben oder nicht, fertigen irgendetwas in China“, sagt Odile Benjamin, Designerin des zum wachsenden Segment der Contemporary Fashion gehörenden Labels Raoul, das von Singapur aus gesteuert wird.

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