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Mailänder Modewoche : Kämpfernaturen auf dem Laufsteg

Inspiriert vom Impressionismus: Thomas Maier bestickt bei Bottega Veneta Plisseekleider mit Fransen Bild: AFP

Die Mode in Mailand glänzt und funkelt – und ist in dieser Saison besonders offensiv. Die Designer geben sich selbstbewusst. Nur von Netz-Geweben sollten sie lieber die Finger lassen.

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          Bei Dolce & Gabbana am Viale Piave lassen sie sich am Eingang jetzt die Ausweise zeigen. Die Einladung allein genügt nicht, um an den PR-Managerinnen vorbeizukommen, die in dieser Saison an die Tür abkommandiert wurden. Vor der Schau ist deshalb die Hölle los. Die Modeleute kramen in ihren Clutches.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer seinen Ausweis nicht dabei hat, tja, der kann nur noch auf die Solidarität der Kolleginnen hoffen, die am Counter dafür bürgen, dass es sich hier um die wirklich echte Mode-Chefin handelt und nicht etwa um einen Deutschen namens Miky – der Flitzer, der sich Ende Juni in die Herrenmodenschau der Marke schmuggelte, um kurz darauf nackt den Laufsteg zu stürmen. Seitdem ist man im Hause beim Thema Guest Management lieber doppelt vorsichtig.

          Beim eigentlichen Thema hingegen, der Mode, kann es in dieser Saison, die am Montag in Mailand nach sechs Tagen und 132 Schauen für Frühjahr und Sommer 2014 endete, gar nicht offensiv genug zugehen. Auch nicht bei Dolce & Gabbana, die in ihrer Kollektion gleich mal offen und unverfroren auf das Thema Geld anspielen.

          Musik der anderen Art

          Für Domenico Dolce und Stefano Gabbana scheint Sizilien, ihr altbewährtes Thema, zwar wieder die sichere Bank zu sein, aber dafür regnet es neben hübschen Mandelblüten-Applikationen und Drucken von Amphitheater-Ruinen vor allem alte goldene Münzen – auf den Kleidern, auf Haarteilen und Ohrringen, auf Ketten, kastigen Taschen und großen Gürteln. Das Geräusch eines Kleides aus goldenen Münzen ist Musik der anderen Art, schließlich klingt es nach vollen Kassen.

          Nur wenn es so wäre. Verglichen mit dem Gerichtsverfahren wegen Steuerhinterziehung und der im März verhängten Geldstrafe von 343 Millionen Euro muss der Flitzer ja eigentlich noch das geringste Problem für das Mailänder Modehaus sein. Rund um die Via Montenapoleone sollen die Kassen derweil erst noch klingeln. Daher folgt in dieser Woche eine Store-Eröffnung der nächsten, darunter Bottega Veneta, Salvatore Ferragamo, Fendi und Stuart Weitzman. Prada verschickt gleich drei Einladungen, eine für die Schau am Donnerstag, eine für die Eröffnung der Accessoire-Boutique für Herren am Dom und eine für die Wiedereröffnung an der Via Montenapoleone.

          Dort ist selbst für Passanten kaum ein Durchkommen. Beim Blick auf die wirtschaftlichen Aussichten ist es zwar unwahrscheinlich, dass bei „Camera Nazionale“ eine vergleichbare Begeisterung hochkocht, aber zumindest ist man leicht optimistisch. So rechnet die Modekammer für die erste Hälfte des Jahres 2014 mit einem leichten Zuwachs an Umsätzen von 3,5 Prozent.

          Miuccia Prada spiegelt Wandbemalungen mit den Looks des Laufstegs Bilderstrecke

          Die Designer geben sich dafür umso offensiver. Die Mailänder Mode funkelt und glänzt – und arbeitet dabei durchaus mit den weiblichen Reizen unter der Stoff-Oberfläche. Das zeigt Frida Giannini besonders deutlich, denn für das Frühjahr scheint die Gucci-Chefdesignerin in nichts mehr vernarrt zu sein als in einen Triangel-BH aus Netzstoff mit langen Schnüren – auf 44 Looks kommen mindestens 36 dieser Büstenhalter. Das lässt sich so genau feststellen, weil über den BHs wenig mehr geschichtet ist. Die Art-Nouveau-Muster können jedenfalls nicht verhüllen, was weitere Netzgewebe, V-Ausschnitte bis zum Bauchnabel und freie Rücken preisgeben.

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