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Männermode : Liberté toujours

  • -Aktualisiert am

Schön bunt: Designer Alessandro Sartori sieht für Berluti einen vielfarbigen Sommer voraus. Bild: AP

Wenn Models plötzlich unsere Klamotten tragen: Die Pariser Herrenmode erfreut sich der Normalität. Aber man sieht neue Silhouetten.

          4 Min.

          Normcore nimmt in der Mode immer mehr an Fahrt auf: Stinknormale Kleider werden über den Laufsteg geschickt und nicht einfach nur im Showroom verkauft. Vorreiter dieser Bewegung ist wieder mal Hedi Slimane bei Saint Laurent. Hat er seine Klamotten in einem Second-Hand-Laden gut ausgesucht oder tatsächlich für die Schau neu nähen lassen?

          Sein Motto: Nimm Männer-Klassiker wie eine Perfecto-Lederjacke oder eine Bomberjacke und gib ihnen ein Couture-Makeover. Für den nächsten Sommer wählte er eine Perfecto mit Nieten, Fellbesatz und Strassärmeln als ersten Look. Schon tausendmal bei ihm gesehen – aber es funktioniert immer noch. Das eingenähte Saint-Laurent-Label hebt das normale Kleidungsstück heraus – und es verkauft sich wie verrückt. Aber wo bleiben die Ideen, die Schneiderei, die neue Silhouette? Der Frage muss sich der Designer bald stellen, wenn er erfolgreich bleiben will.

          Ein großer Name weiht normale Sachen

          Aber so ist die Saison: Die Trends heißen Turnschuhe, Denim, Camouflage, alles sehr normal. Es ging los bei Valentino. Das römische Modehaus ließ sein Couture-Atelier Jeans- und Bomberjacken verfeinern. Einer der Bestseller ist ein von New Balance kopierter Turnschuh, der mit Camouflage-Elementen dekoriert ist. Es funktioniert wie bei Saint Laurent: Der große Name weiht und verkauft die normalen Sachen. Und so ist auch diese Schau ein Sammelsurium von Bomber- und Baseballjacken in Camouflagemustern mit Jeanseinsätzen. Es gab sogar Valentino-Jogginganzüge. Die Designer Maria Grazia Chiuri und Pier Paolo Piccioli verstehen es, eine Geschichte zu erzählen. So haben sie ihren Mann dieses Mal auf Südamerika-Reise geschickt und frisch aussehende Inka-Muster an Kragen und Nähten appliziert.

          Raf Simons profitiert am meisten von der Woche Pause, die nun zwischen den Männerschauen und der Haute Couture liegt – so hat er für seine Dior-Couture-Kollektion mehr Zeit. Für seine Männermarke Raf Simons hat er sich dieses Mal an seinen beiden Großvätern, die er nicht mehr erlebt hat, orientiert. Lange Mäntel, kombiniert mit Schlaghosen, erdeten die fast zu avantgardistische Kollektion. Simons wächst mit seiner eigenen Firma, und seine Kooperation mit Adidas, für die er den Klassiker-Schuh Stan Smith neu aufgelegt hat, ist noch ein Beweis, dass sich Altbekanntes, neu aufgelegt, gut verkauft.

          Rick Owens musste sich ärgern bei seiner Schau: „Bitte töten sie Angela Merkel, oder doch nicht“, hatte eines der Models auf ein Stück Stoff geschrieben und vor den Fotografen nach oben gehalten. Owens warf den jungen Mann sofort aus dem Backstage-Bereich und distanzierte sich von der Botschaft. Dabei war seine Schau sehenswert. Auch er nahm eine Militärjacke – die M65 der US Army – als Grundlage, um seine weite und lange Silhouette daraus zu entwickeln. Auch er verankerte seine Ideen in der Realität. Und da Owens wirklich anders tickt, zeigte er auch noch Tuniken in Glanzstoff, vom Bildhauer John Chamberlain inspiriert, die an Abendkleider erinnern.

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