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Männermode in Paris : Divenhaft, aber talentiert

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In Paris ist klar geworden, dass man für den nächsten Winter einen tollen Mantel haben muss. Hier eine Auswahl von Rick Owens. Bild: AP

Die Modewelt hat gerade ein Lieblingsthema: Nachfolgeregelungen bei großen Häusern. Die Männerschauen in Paris zeigen, dass es gute Gründe gibt, auf Stardesigner zu setzen.

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          Gerade hat die Modewelt ein Lieblingsthema. Die Männerschauen in Paris, auf denen die Mode für den nächsten Winter gezeigt wird, gehen nahtlos in die Haute Couture über, die am Sonntagabend begann. Es sind also alle wichtigen Journalisten und Einkäufer für Männer und Frauen da. Das Thema: Nachfolgeregelungen bei großen Modehäusern. Dabei erkennt man den ersten Trend. In der Kering-Gruppe von François-Henri Pinault scheint man sich auf behutsame Übergänge zu konzentrieren. So wurde es nach dem Tod von Alexander McQueen mit Sarah Burton gehandhabt, und dieses Muster der Beförderung des Assistenten scheint sich nun bei der ehemaligen Gucci-Chefdesignerin Frida Giannini zu wiederholen. Der junge Mann heißt Alessandro Michele und ist nun weltbekannt, denn er hat immerhin mit den femininen Looks seiner ersten Gucci-Männerschau Aufregung hervorgerufen. Zwar wurde im Kering-Konzern Hedi Slimane bei Saint Laurent aufgebaut, aber sonst geht es leise zu.

          Beim großen Widersacher LVMH unter der Führung eines der reichsten Männer der Welt, Bernard Arnault, vertraut man weiter auf Stardesigner. Phoebe Philo zu Céline, Raf Simons zu Dior, Nicolas Ghesquière zu Vuitton, und seit neuem Jonathan Anderson bei Loewe, der eine smarte Männerkollektion aus Klassikern wie Trenchcoats mit viel Lederbesatz und redaktionell wirksamen Harlekin-Anzügen zeigte. Nicht zuletzt: Vor mehr als zehn Jahren schon wurde der so exzentrische wie talentierte Riccardo Tisci bei Givenchy installiert. Und dieser Designer läuft zurzeit zur Hochform auf. Seine Männerschau war die beste der bisher laufenden Saison, es war ein „fashion moment“, bei dem alles zusammenkam: die Kollektion, der Ort, die Musik, die Lage der Mode.

          Rock und Mantel: Auch Dries Van Noten kam daran dieses Jahr nicht vorbei. Bilderstrecke

          Bei Givenchy kann man sich nächste Saison auch einen Nadelstreifenanzug kaufen. Das waren die ersten Models, die Tisci über den Laufsteg schickte. Dann hatten die Anzüge mehrere Lagen und einen Rock, der wie eine abgeschnittene Strickjacke aussah. Der Mann im Rock ist ein Thema, an dem sich Tisci schon seit Jahren abarbeitet, ein Thema, das in den Achtzigern von Jean Paul Gaultier in die Mode gebracht wurde. Aber nie sah es zeitgemäßer aus. Tisci ließ das Ganze aussehen wie eine Übung im Stofflagenaufeinanderschichten, ein wichtiger Trend in der aktuellen Männermode. Auch Rick Owens setzt auf diesen Look. In seiner starken Schau zeigte er alle Teile verkehrt herum: Die Models hatten also die Ärmel um die Beine. Sehr konzeptionell, aber eine neue Kraft in der Männermode, die bald den Mainstream berühren wird. Auch bei Dries Van Noten wurden Mäntel von innen nach außen gekehrt. So sah man das rote Innenfutter eines Mantels als Dekoration. Auch er ist ein Anführer der Modewelt, aber leise.

          Einzigartig frische Drucke

          Bei Givenchy sah man außer den Schneiderdetails viele Drucke, die von mexikanischen Teppichen inspiriert sind und einzigartig frisch aussahen. Womit Tisci einen weiteren Trend, die Individualisierung des Outfits, in die Hände nahm. Nimmt man dazu noch das kraftvolle Farbenspiel von Rot über Orange zurück zu Schwarz, dann sah man einen Designer, der es wie kein anderer versteht, seine Arbeit, die in Pariser Ateliers ausgeführt wird, mit den Einflüssen der Straße zu vereinigen. Damit wird LVMH sicher noch viel Geld verdienen. Also wird man weiterhin divenhafte, aber wahnsinnig talentierte Designer fördern. LVMH hat den Designer geduldig aufgebaut und ist jetzt zehn Jahre später am richtigen Punkt angekommen. „Diese Schau war sehr persönlich, es ging um andere Kulturen, meine Freunde, meine Begeisterung für den Männerrock und meine Familie“, sagte Tisci nachher lachend.

          In Paris ist auch klar geworden, dass man für den nächsten Winter einen tollen Mantel haben muss, am besten einen Shearling, dessen Pelzfütterung am Kragen und unteren Saum herausschaut. Kein Designer der Welt macht so etwas besser als Veronique Nichanian bei Hermès. Sie geht so gekonnt mit Leder und Pelz um, dass die Tierhäute wie dünner Stoff fallen. Ihr anthrazitfarbener Shearling mit Kaschmirschal um den Hals war das Stück der Saison. Bei Hermès trägt der Mann für den nächsten Winter auch viele Zweireiher mit Prince-of-Wales-Muster.

          Kris Van Asche bei Dior Homme hat gleich ein ganzes Orchester aufgefahren, um seine neue Kollektion zu zeigen. Auch er verfolgt, wie Tisci, seinen Weg: Die formale Schneiderei wird mit Elementen der Straße gebrochen. So gab es am Anfang Anzüge, nur in Schwarz und Weiß gehalten, die den Begriff „rasierklingenscharf geschnitten“ neu definieren. Dann gab es kräftiges Gelb an Schuhsohlen und als Abstepper an Mantel- und Jackettkanten, um ein frisches Sportelement einzustreuen. Es hat funktioniert, bis hin zum letzten großen Trend der Saison: Wie immer tragen bei Dior Homme die meisten Models Turnschuhe.

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