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Männermode in Mailand und Paris : Ritter ohne Rüstung

  • -Aktualisiert am

Mit West-Coast-Einflüssen: Slimane für Saint Laurent in Paris Bild: dpa

Die Männermode in Mailand und Paris gibt sich den Frauen hin – was Stoffe und Schnitte angeht. Volumen, Pelz und glänzende Haute-Couture-Stoffe trägt der Mann im Herbst und Winter 2014.

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          Hedi Slimane ist noch immer allen anderen Designern voraus. Selbst wenn seine Schau für Saint Laurent den undankbaren letzten Platz auf dem Schauenkalender der Pariser Herrenmodewoche für Herbst und Winter 2014 hat, am Sonntagabend um 20 Uhr: Der Designer bringt alle Trends auf einen Punkt – und führt sie noch ein bisschen weiter.

          Weg vom Grunge, hin zur Bourgeoisie

          So schafft er großes Volumen bei den Hosen, gibt viel Pelz hinzu und glänzende Haute-Couture-Stoffe. An den ersten Kollektionen für das Modehaus wurde kritisiert, dass er Distanz zum Herz des Hauses Saint Laurent hielt, also zu pariserischer Eleganz. Klar, vom Grunge inspirierte Schauen mit zerrissenen Jeans und Holzfällerhemden für Couture-Preise sind fragwürdig. Aber mittlerweile bedient der Designer, der zwischen Los Angeles und Paris pendelt, alle Codes der Bourgeoisie, der Kernklientel von Saint Laurent – von cognacfarbenen Velours-Blazern über hochsitzende Bundfaltenhosen bis zu Tweed-Mänteln.

          Viele Models sehen aus wie reiche Pariser Bubis, die im Jardin du Luxembourg flanieren. Diesen Eindruck schien Slimane unterstreichen zu wollen, als er den Bürgermeister des siebten Arrondissements überzeugte, die Saint-Laurent-Schau direkt am Grab von Napoleon im Invalidendom stattfinden zu lassen. Exklusiver, ehrwürdiger, phantastischer geht es nicht. Nachdem man lang durch den Dom geschritten ist, steht man auf einmal vor einem für Saint Laurent gebauten Zelt, in dem Champagner serviert wird.

          Die Schau läuft routiniert ab, aber natürlich mit einem exklusiven West-Coast-Soundtrack. Hedi Slimane vereint die großbürgerlichen Wurzeln des Hauses mit seiner neuen Wahlheimat Kalifornien auf kongeniale Art und Weise. Sein erster Look: ein schwarzer Schafspelzmantel.

          Hermès steht auch im Herbst und Winter 2014 für feinstes Leder Bilderstrecke

          Pelz ist auf allen Laufstegen zu sehen

          Überhaupt ist Pelz seit der ersten Schau der Saison in Mailand von Stefano Pilati für Ermenegildo Zegna auf allen Laufstegen zu sehen. Pilati hatte mit seiner eindrucksvollen Kollektion auch den Rang der besten Schau der Saison inne bis Slimane mit der letzten Schau gleichzog. Was das Experiment bei Zegna besonders spannend macht: wie Pilati die endlosen Materialressourcen des Hauses mit seiner Schneiderkunst vereint. So gibt es bei ihm einen weiten Kamelhaarmantel aus reinem Vicuna, dem teuersten Stoff der Welt, mit einem am Kragen angesetzten langen Schal, der förmlich über den Laufsteg fliegt. Es war sicher eine hervorragende Idee von Gildo Zegna, den für seine Stoffkenntnisse bekannten Pilati in sein Haus zu holen. Nicht ohne Grund steht nun auf dem Label an der Brustinnentasche „Zegna Couture“: Die hauchdünnen Shearling-Jacken und die Stiefel, von Hand aus hartem Leder gehämmert, sind für solche Ansprüche wie geschaffen.

          Auch zwischen diesen beiden Kollektionen halten die Männermodeschauen in Mailand und Paris einige Erkenntnisse bereit. Sicher ist, dass sich die Männer- immer stärker an der Frauenmode orientiert. Das bedeutet: Männer kleiden sich von sofort an auch in Couture-Stoffen, ziehen sich Pelzstolen um den Hals, lassen ihre Schuhe mit Schmuck hochpolieren, tragen Halsketten und Handtaschen. Dieser Trend lässt sich schon seit Jahren absehen. Vor allem Vorreiter wie das Haus Lanvin benutzen schon lange Stoffe wie Seidenchiffon für ihre Männer.

          Starke Silhoutte: Dreiteiler mit acht Knöpfen

          Mittlerweile sind diese Ideen auch in Mailand angekommen, einer Modestadt, die sich bisher durch Pragmatismus und einen Hang zum klassischen Anzug ausgezeichnet hat. Giorgio Armani läuft immer zur Bestform auf, wenn es um seine Männerkollektion geht. Seine Dreiteiler mit acht Knöpfen geben nun eine neue starke Silhouette vor. Noch ein so kleiner wie witziger Höhepunkt der Kollektion: Die auf jedem Laufsteg auftretende „Perfecto“-Lederjacke bietet er in einer Strickversion.

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