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Herren tragen Langeweile : „Mode“ „für“ „Männer“

Sportlich: Prada verbindet die dynamische Trendfarbe mit sportiven Details wie Klettverschlüssen und Tunnelzügen. Bild: Helmut Fricke

Rot als Leitmotiv: Die Männermode bleibt in der Krise. Da helfen auch ein paar neue Trends nicht. Teilweise verschlimmern sie nur die trüben Aussichten.

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          In der ersten Reihe klagen die Gäste noch, dass es in der Männermode einfach keinen neuen Trend mehr gebe. Blockstreifen? Schon lange da. Oversize? Seit der Marke Vetements auf allen Laufstegen. Kleine Karos? Klar. Rosa immerhin ist recht neu, na ja.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Da sind aber backstage in der Firmenzentrale von Prada an der Via Fogazzaro schon die Männer und Jungs aufgereiht. Sie werden den leicht gelangweilten Besuchern der Mailänder Herrenmodewoche schon zeigen, dass es doch noch neue Trends gibt unter Gottes Sonne.

          Schwarz der erste Look, na ja, das ist inzwischen so etwas wie früher bei den Damen das weiße Brautkleid als letzter Look. Aber schon der zweite Mann: Rot vom Knöchel bis zur Halskrause – und das ist angesichts der popperhaft hochgestellten Krägen durchaus wörtlich zu verstehen.

          Wenn es also nach Miuccia Prada geht, und in der Mode geht es noch immer nach der 68 Jahre alten Mailänder Designerin, dann ist die Farbe der Liebe und der Gewalt, der Energie und der Leidenschaft fürs nächste Frühjahr ein Leitmotiv. Es sind symbolische Farbkleckse. Sie erinnern natürlich an die gerade höchst erfolgreiche Skater-Marke Supreme mit ihrem knalligen Rot. Wichtiger noch: Rot ist auch eine Prada-Farbe, nämlich aus dem Streifenlogo. Und Eigenwerbung ist nach dem zehnprozentigen Umsatzrückgang im vergangenen Jahr bitter nötig.

          Auch ihre weiteren Themen sind originär. Blockstreifen verlaufen bei Miuccia Prada auch quer – nur vertikale Pyjamastreifen, wie bei anderen Marken, sähen zu schläfrig aus. Logos sieht man hier natürlich nicht, dafür Allover-Muster aus Buchstabensalat für Freunde der Typographie. Cartoon-Drucke sind ironische Kommentare zu den gängigen Gaga-Mustern.

          Auch diese Kombination ist mittlerweile x-fach zu sehen gewesen: ein schicker Mantel, als Kontrast sportliche Schuhe, mit denen man heutzutage fast gleichzeitig Fußball spielen kann, dazu passend Klettverschluss an den Hosen. Prada treibt’s dieses Jahr nicht zu bunt, dafür funktional. Bilderstrecke

          Man muss es leider so sagen: Viel mehr als die Meta-Marke Prada hat die Milano Moda Uomo nicht zu bieten. Kein Wunder. Denn so richtig viel ist nicht zu sehen, weil Marken wie Gucci und Bottega Veneta auf die seltsame Idee verfallen sind, ihre Männer- und Frauenentwürfe in einer Schau im September bei der Milano Moda Donna zu zeigen. Das klingt erst einmal gut, weil in geschlechterübergreifenden Zeiten Unisex-Präsentationen naheliegen. Aber welcher Männermode-Redakteur von Titeln wie „GQ“ oder „Men’s Health“ fährt zu Damenkollektionen? Und bei der Schau von Diesel Black Gold am Samstag, auf der Männer und Frauen erstmals gemeinsam laufen, wird auch klar, dass Unisex seine Grenzen hat: Die Jungs tragen Lederjacken, die Mädchen Chiffonkleider. Designer Andreas Melbostad meint dazu backstage trocken: „It’s not genderless.“ Hinter der Bühne stehen wie zum Beweis die weiblichen und männlichen Models herum und schauen sich höchstens verstohlen an. Mann und Frau – womöglich sind es doch zwei Welten, die so unterschiedlich sind wie ein Rock und eine Hose.

          Alles ist unisex, Männer und Frauen laufen gemeinsam

          Gemeinsam auf den Laufsteg, das klingt trotzdem gut, auch weil man sich mit nur einer Schau Hunderttausende Euro für eine zweite spart. Aber ist nicht der Gegenwert doppelter Berichterstattung viel höher? Gucci und Bottega gehören zu Kering, da wird man das alles durchgerechnet haben. Der französische Konzern schwächt auf diese Art jedoch den Standort Mailand, der auch für diese Marken überlebenswichtig ist. Und noch etwas: Wenn man die konkurrierenden Männermodewochen in London und New York zu den absurden Nischenveranstaltungen machen will, die sie von ihrem Inhalt her schon sind – dann sollten die italienischen Hersteller und ihre Verbände Mailand stärken und nicht schwächen.

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          Eine der wenigen weiteren Kollektionen von Niveau: Zegna. Alessandro Sartori, der neue Designer, wird die größte italienische Herrenmodemarke nach vorn bringen. Viele handgemachte Details, die wunderbare Atmosphäre im Hof der Università degli Studi, eine perfekte Modelauswahl – die Schau wird dazu beitragen, Zegna in diesem Jahr wieder zu wachsendem Umsatz zu führen. Was dabei ebenso hilft: Mit dem Chef Ermenegildo Zegna harmoniert Sartori besser als sein Vorgänger Stefano Pilati. Außerdem sammelte er fünf Jahre lang Erfahrungen bei Berluti im LVMH-Konzern. Das kommt nun Zegna zugute.

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