https://www.faz.net/-hrx-9bcta

Modewoche in Mailand : Männermode gibt sich sportlich – und verliert an Glanz

Denn sie bewies wirklich Haltung. Die retrofuturistischen Blümchenmustern bekommt niemand so hin, die kurzen engen Hosen sind ein guter Gegensatz zu den allgegenwärtigen Männer-Culottes in Überweite, und die Farbkombinationen (Türkis und Braun!) entstammen den eigenen Codes, die gar nicht formuliert sein müssen, weil sie vorbewusst da sind.

Eine klare Botschaft

Aber auch hier, wie überall: dicke Sneaker. Wahlweise werden sie als „Dad Sneaker“, „Ugly Sneaker“ oder „Chunky Sneaker“ bezeichnet. Das Modell „Triple S“ von Balenciaga, knapp 700 Euro teuer, hat mit seiner klobigen Sohle große Spuren hinterlassen. Auf den Straßen von Mailand werden die bislang bestimmenden weißen Retro-Sneaker à la Stan Smith nun durch Plastikberge ersetzt, die an den Storchenbeinen von Influencerinnen aussehen wie Betongewichte, mit denen die Mafia ihre Gegner in Gewässern versenkt. Und den Designern fällt für die Laufstege auch nicht mehr ein als diese Monokultur der Hässlichkeit. Auch im nächsten Frühjahr und Sommer wird das also so weitergehen.

Schön also, dass es noch Marken gibt, die an ihrer eigenen Geschichte arbeiten. Sunnei zum Beispiel ist noch nicht alt, sendet aber eine klare Botschaft aus. Tod’s erfindet den Gommino-Mokassin neu und arbeitet mit Fiat-Erbe und Stilvorbild Lapo Elkann zusammen. Dem deutschen Designer Philipp Plein, dessen Schauen immer zu laut und zu präpotent sind, muss man zugestehen, dass er bei seinem Stil bleibt – und so viel Erfolg hat, dass am Samstagabend an der Via Manzoni Hunderte, die keine Eintrittskarte haben, unbedingt hinein wollen. Und Giuseppe Santoni machte bei seiner Schuh-Präsentation den Entertainer Roberto Tagliani und den Eismacher Paolo Brunelli zu Markenbotschaftern all’italiana – besser ließ sich am Sonntag nirgends Eis essen und dazu „Gelato Al Cioccolato“ singen.

Und auch Ermenegildo Zegna spielt sich vor klassischem Hintergrund ab. Designer Alessandro Sartori setzt seine Entwürfe ins weiche Licht der untergehenden Sonne, vor eine spektakuläre Kulisse in der Nähe des Flughafens Linate. Der Palazzo Mondadori, Sitz des gleichnamigen Verlags mit Berlusconis Tochter Marina als Vorstandsvorsitzender, ist ein Meisterwerk moderner Baukunst. Das Gebäude erhebt sich wie ein Monument aus der flachen Landschaft, mit bronziertem Glas und sandfarbenen Parabelbögen wie aus einer anderen Zeit.

Dank Form und Farbe scheint der Palast zu schweben. Oskar Niemeyer hatte im Auftrag der Mailänder Verlegerfamilie dazu just in jenem bewegten Jahr 1968 gemacht, in dem auch die Firma Zegna neue Wege beschritt. Der traditionsreiche Stoffhersteller entschied sich damals, auch selbst sein Geschäft mit Stoffen und Tuchen erst auf Ready-to-wear-Anzüge auszuweiten. Der Zulieferer großer Modelabels machte sich selbst zur Marke.

Heute ist Ermenegildo Zegna eines der führenden Häuser für Herrenmode in der Welt - Anbieter klassischer Anzüge und neuer Sportlichkeit; Ein- und Zweireihern aus Merino- und Vicuñawolle neben Sneakern aus weißgegerbtem Kalbsleder, Jumpern, Hosen und Hemden im unbeschwerten Pluderstil der Techno- und Hip-Hop-Generation. Zegna setzt die kommende Saison auf leichte Stoffe, weite Schnitte und viele helle Farben, pink und grau, gelb und blau, scharfe Linien, weiche Rundungen und klare Silhouetten.

Kreativdirektor Alessandro Satori spiegelte mit seiner zweite Sommerkollektion auf dem Laufsteg die in Beton gegossene und vom roten Abendlicht unterstrichene Leichtigkeit von Niemeyers fünfzig Jahre altem Meisterwerk wider.

Weitere Themen

Von Katie Holmes bis Wolfgang Joop Video-Seite öffnen

Beriner Fashion Week : Von Katie Holmes bis Wolfgang Joop

Auf der Fashion Week in Berlin lassen die Modedesigner ihre neusten Kollektionen auf dem Laufsteg präsentieren. Die Bandbreite der Stile ist groß, von Katie Holmes bis Wolfang Joop findet hier jeder seinen Geschmack.

Topmeldungen

Protest gegen den Bergbau: Eine Demonstrantin bei der Dem „New South Wales brennt, Syndey erstickt“ in Sydney.

Kohleabbau in Australien : „Fast jeder Minenarbeiter besitzt ein Boot“

Das Hunter Valley ist das Ruhrgebiet Australiens. Hier leben die Menschen von der Kohle. Viele hat das „schwarze Gold“ reich gemacht. Doch auch sie spüren die Folgen des Klimawandels – und fragen sich, wie es weitergehen soll.

F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

Digitalkonferenz DLD : Die neuen Entdecker

Geographisch ist die Welt erkundet. Nun liegt es an den Nerds, die Menschheit dorthin zu bringen, wo sie noch nicht war. Dabei hat die Informatik im einundzwanzigsten Jahrhundert ihre Unschuld endgültig verloren.
Der amerikanische Präsident Donald Trump zwischen dem Vizepräsidenten Mike Pence (rechts) und Chinas Chefunterhändler Liu He (links) in Washington.

Zusatzzölle : Trump verrechnet sich im Handelskrieg

Die vom amerikanischen Präsidenten verhängten Zölle hatten nicht die Wirkungen wie von ihm erhofft. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesbank in einem neuen Bericht. Für viele seiner Wähler ist das eine schlechte Nachricht.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.