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LVMH gegen Kering in Mailand : Bald verfrühstückt die Mode auch ihn

Wie lange wird es hier noch Kaffee geben? Mario Faccioli vor seiner Pasticceria Cova an der Via Montenapoleone in Mailand Bild: AFP

Seit der französische Luxuskonzern LVMH mit fast 33 Millionen Euro in die Pasticceria von Mario Faccioli eingestiegen ist, stellt sich vielen die Frage: Wie lange gibt es hier noch Kaffee?

          Man könnte auch sagen, dass Mario Faccioli einfach nur ein Konditor und Café-Besitzer in Mailand ist. Aber weil seine Pasticceria an der Via Montenapoleone steht, also im Epizentrum der Mailänder Mode, geht neuerdings morgens nicht nur der Cappuccio über den Marmor-Tresen, sondern auch die Frage: Wie lange noch? Und was kommt dann? In dieser Straße kann die Zukunft eigentlich nur Louis Vuitton oder Prada heißen. Der französische Konzern hat im Juni die Pasticceria Confetteria Cova Srl. für sagenhafte 32,8 Millionen Euro zu 80 Prozent übernommen. Prada wollte das gerichtlich verhindern, weil man ältere Rechte habe, scheiterte aber mit einer ersten Klage.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Der italienisch-französische Kleinkrieg ist vor dem Hintergrund all der Übernahmen zu sehen: Kering (früher PPR) holte sich nach Gucci und Bottega Veneta auch Brioni, LVMH schnappte sich nach Pucci und Fendi auch noch Berluti, Bulgari und Loro Piana. Die Italiener fühlen sich schon fast überfremdet. Zudem geht es in Mailand jetzt um die schönsten Stücke vom Kuchen. Denn mag Italien darniederliegen – die Hauptstadt der Lombardei entwickelt sich prächtig, auch im Blick auf die Weltausstellung in zwei Jahren. Das sieht man an dem neuen Viertel an der Stazione Garibaldi, aber auch im Stadtzentrum: Allein zur Modewoche, die am Mittwoch beginnt, eröffnen weit mehr als ein Dutzend neue Geschäfte.

          Neue Luxus-Tempel in der Stadt

          So hat im trendigen Brera-Viertel nach Gucci und Marc Jacobs nun auch MSGM, die aufstrebende Marke von Massimo Giorgetti, endlich ihren ersten eigenen Laden. So hat Zaha Hadid gerade den Stuart-Weitzman-Store an der Via della Spiga neu gestaltet. So macht Bottega Veneta den größten eigenen Laden überhaupt auf.

          Zugleich mit einer Ausstellung über seine Beziehungen zum Film eröffnet das römische Haus Fendi am nächsten Samstag seine neu gestaltete Boutique. MiuMiu und Jil Sander Navy kommen an die Via Sant’Andrea. Marina Rinaldi macht sich auf vier Etagen am Corso Vittorio Emanuele breit. Loro Piana erobert drei Etagen an der Via Montenapoleone, Moncler ist dort schon im Haus mit der schönen Nummer 1 angekommen, Prada eröffnet den Männerladen neu. Und Hermès hat ebenfalls im heiligen italienischen Ferienmonat August an einem Geschäft gebaut, das doppelt so groß wird wie das alte. Gefährlicher noch als die Franzosen könnte dieser Neuzugang sein: Neben Versace glänzt nun die Marke mit dem schönen italienischen Namen Giada, die aber in chinesischer Hand ist. Ganz zu schweigen von den Amerikanern. Michael Kors ist dank stürmischen Wachtstums auch hier Rekordhalter: Er wird gleich zwei Geschäfte eröffnen.

          Und was wird aus dem Café Cova? Bei dem Andrang im „Quadrilatero della moda“ zwischen Via Manzoni und Corso Venezia wäre es kein Wunder, wenn Prada den Plan hätte, den Laden gleich nebenan um die Fläche des Cafés zu erweitern. Andererseits hat die Mailänder Marke das gar nicht nötig, kann das Café also wirklich Louis Vuitton zum Frühstück überlassen. Denn ein paar hundert Meter weiter, am Dom, schlägt Prada gerade richtig zu: Wo man einst in der Galleria Vittorio Emanuele II bei McDonald’s zubeißen durfte, ist nun ein neuer Luxus-Tempel eingezogen, zum 100. Jahrestag der Gründung des Hauses, gegenüber vom Stammladen, in dem Miuccias Großvater einst den Mythos begründete. Da fällt es nicht mehr ins Gewicht, dass man hier nichts mehr zu essen bekommt.

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