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„Celebrity Dressing“ : Schick zieht an

  • -Aktualisiert am

Clemens Schick in der Berliner Prada-Boutique Bild: julia zimmermann

Was tragen eigentlich männliche Stars auf dem roten Teppich? Der Schauspieler Clemens Schick lässt sich von Prada einkleiden. Über das wachsende Geschäft der Modemarken mit „Freunden des Hauses“.

          6 Min.

          Er trägt eine Militärjacke, weit geschnitten, mit Camouflage-Druck. Schwarze Jeans, ein dunkles T-Shirt, weiße Turnschuhe. Der spiegelnde Boden unter seinen Füßen ist mit schwarzweißen Kacheln ausgelegt. Beleuchtete Glasvitrinen illuminieren Sonnenbrillen und Ledertaschen, akkurat gefaltete Hemden liegen gestapelt in dunklen Holzregalen, Jazz-Klänge fluten die Räume. Ein Mann im schwarzen Anzug steht an der Treppe, grüßt freundlich und weist ihm den Weg hinauf. Aber er kennt sich aus.

          Clemens Schick ist nicht zum ersten Mal in der Berliner Boutique von Prada. Der Schauspieler ist, wie die Marke es ausdrückt, "Freund des Hauses". Betritt er das Geschäft am Kurfürstendamm, richten sich alle Augen auf ihn. Die Managerin des Ladens tippelt strahlend neben ihm her, die Pressedame, aus München angereist, schüttelt ihm vertraulich die Hand, eine Verkäuferin serviert Pellegrino in einem reagenzglasförmigen Gefäß. Kann man ihm sonst etwas anbieten? Kaffee, Tee, Champagner?

          Eine zuvorkommende Behandlung von Stammkunden gehört in den Boutiquen großer Marken zum Standard. Jeder Kunde, der in diesem Geschäft viel Geld auszugeben gedenkt, wird mit liebevoller Zuwendung bedacht. Aber Clemens Schick ist nicht hier, um auch nur ein Paar Socken zu zahlen. Er wird von Prada ausgestattet. Seit bald fünf Jahren versorgt ihn die italienische Luxusmarke für Filmpremieren und Auftritte auf dem roten Teppich mit frischer Abendgarderobe. Acht Prada-Anzüge besitzt er mittlerweile. Für keinen davon hat er einen Cent bezahlt.

          Maßarbeit: Schick bei der Anprobe Bilderstrecke
          Maßarbeit: Schick bei der Anprobe :

          "Celebrity Dressing" gilt in Hollywood, vor allem unter weiblichen Prominenten, längst als eigener Wirtschaftszweig. Das rosafarbene Kleid von Dior, in dem Jennifer Lawrence bei der Oscar-Verleihung 2013 vor den Augen der Weltöffentlichkeit die Stufen zur Bühne hinaufstolperte, hat sie sich nicht selbst gekauft. Auch bei der Berlinale tragen die wenigsten Schauspielerinnen Roben aus dem eigenen Kleiderschrank. Je bekannter das Gesicht, desto mehr Modefirmen wollen die Damen in ihren Kleidern ins Rampenlicht schicken. Die Konditionen solcher Kooperationen bleiben meist geheim. Um so leidenschaftlicher wird in Hollywood über die Preise diskutiert, die für den Auftritt im Kleid eines bestimmten Designers bezahlt werden. Der rote Teppich ist ein Austragungsort lukrativer Marketing-Deals. So zahlte das Schmuck-Unternehmen Chopard der Schauspielerin Charlize Theron bei der Oscar-Verleihung im Jahr 2006 angeblich eine sechsstellige Dollarsumme dafür, dass sie sich mit Chopard-Diamanten an Hals und Ohren blicken ließ.

          Einen dunklen Anzug kann man zweimal tragen

          Unter Männern ist die Prominenten-Ausstattung noch selten, besonders in Deutschland. Für einen Mann ist es schließlich auch einfacher, sich für mehrere Abendveranstaltungen pro Woche angemessen anzuziehen. Einen dunklen Anzug kann man zweimal tragen, ein gelbes Kleid nicht. Clemens Schick nahm das Angebot von Prada, ihn für öffentliche Events auszustatten, dennoch dankend an. Wer in Deutschland noch von Prada eingekleidet wird, dazu will sich das Unternehmen nicht äußern. Aber wie wird man überhaupt "Freund des Hauses"? Und auf welchen Bedingungen basiert diese Verbindung?

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