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Luxuskonzern in Bedrängnis : Hongkong bremst Richemont

Hongkong zählt zu den wichtigsten Absatzgebieten für Schmuck und Uhren. 2011 gab es in der Weihnachtszeit sogar eine Schlange. Bild: dpa

Design und Mode greifen gerne mal das globale Geschehen auf. Doch manchmal greift das globale Geschehen auch die Konzerne an. Zum Beispiel in Hongkong: Der Luxuskonzern Richemont leidet unter den dortigen Unruhen.

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          Das globale Geschehen ist außerhalb unserer Kontrolle“, schreibt Johann Rupert im Zwischenbericht der Richemont-Gruppe. Dass der mächtige Verwaltungsratspräsident und Großaktionär des Genfer Luxusgüterkonzerns eine solche Binsenweisheit von sich gibt, hat natürlich einen Grund: Richemont hat in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres, das Ende März 2020 endet, die Markterwartungen verfehlt. Und das lag in der Tat unter anderem an Entwicklungen, die der Konzern weder zu verantworten hat noch beeinflussen kann. Als Anbieter edler Uhren (Piaget, Jaeger-LeCoultre, A. Lange & Söhne) und teurer Schmuckwaren (Cartier, Van Cleef) litt Richemont vor allem unter den Unruhen in Hongkong. Die ehemalige britische Kronkolonie und heutige Sonderverwaltungszone Chinas, die traditionell zu den wichtigsten Absatzgebieten der Uhren- und Schmuckindustrie zählt, ist in die Rezession gerutscht. Wegen der zum Teil gewaltsamen Straßenproteste blieben Boutiquen zeitweilig geschlossen und viele kauflustige Touristen aus China fern. Unter den Einzelhändlern waren die Luxusgüteranbieter davon am stärksten betroffen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          So ist der Umsatz von Richemont in Hongkong im ersten Halbjahr um einen zweistelligen Prozentsatz nach unten gesackt. In der Folge sei der Anteil am Gesamtumsatz um 3 Prozentpunkte auf 8 Prozent gefallen, sagte Finanzchef Burkhart Grund in einer Telefonkonferenz. Trotzdem bleibe Hongkong natürlich ein wichtiger Markt für Richemont. In etlichen anderen Märkten, darunter China, Südkorea, Japan und Amerika, liefen die Geschäfte hingegen weiterhin gut, wobei die Impulse vor allem aus dem Schmuckgeschäft kamen, wo Richemont mit Cartier über eine der stärksten Marken im Luxusgütersegment verfügt.

          Minimales Wachstum

          Das Uhrengeschäft schaffte hingegen nur ein minimales Wachstum. Bereinigt um Wechselkurs- und Akquisitionseffekte stieg der Konzernumsatz in der Berichtszeitraum um 6 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro. Damit blieb Richemont unterhalb der Erwartungen der Analysten. Gleiches gilt für den Betriebsgewinn, der lediglich um 3 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro vorankam. Folglich sank die operative Umsatzrendite um knapp einen Prozentpunkt auf 15,7 Prozent. Dies begründet der Vorstand unter anderem mit den hohen Investitionen in den Ausbau des Online-Vertriebs, der zumindest aus Sicht der Analysten unerwartet hohe Verluste bescherte.

          Unklar ist noch, inwiefern sich die geplante Übernahme des traditionsreichen amerikanischen Schmuckhauses Tiffany durch den französischen Luxuswarenkonzern und Hauptkonkurrenten LVMH auf Richemont auswirken könnte. Mit Hilfe der Franzosen könnte Tiffany, das bisher stark auf die Vereinigten Staaten konzentriert ist, seine Schwächen im asiatischen Markt ausmerzen und so den Schweizern dort das Leben schwerer machen. Wird Verwaltungsratspräsident und Großaktionär Johann Rupert auf diesen Angriff reagieren? Die Schweizer „Handelszeitung“ spekuliert, dass Richemont nun möglicherweise mit der französischen Kering-Gruppe fusionieren könnte, zu der Modemarken wie Gucci, Bulgari, Brioni und Saint Laurent gehören. 

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