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Luxushäuser im Resale-Rausch : Taschen von damals für heute

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Die neunziger und nuller Jahre sind in den zehner Jahren nicht nur zum Trend geworden – Vintage ist überhaupt eines der größten Themen der Mode, für Marken wie Fendi oder Dior und für Kunden wie mich. Sophie Hersan, Mitgründerin von Vestiaire Collective, kann das bestätigen. „Marken passen sich den Wünschen ihrer Kunden heute schneller an, und wenn die Vintage-Stücke eines Labels kaufen, sind Re-Editionen eine logische Konsequenz.“ Vor ihr liegen aktuelle Statistiken über Suchanfragen und Preissteigerungen, die für Modehäuser nicht uninteressant sein dürften. „Vor ein paar Jahren wollte die Saddle Bag niemand, wir haben sie verkauft, weil sie günstig war.“ Mittlerweile kostet eine Saddle Bag von damals um die 1000 Euro. Hier hat die Neuauflage den Preis noch mal ordentlich nach oben getrieben.

Dass Designer sich vom Archiv der Marke, für die sie entwerfen, inspirieren lassen, ist nicht neu. Der wachsende Vintage-Markt aber wird für sie ein immer wichtigerer Indikator dafür, was auch in der Gegenwart laufen könnte.

Der Resale-Markt boomt

Auch die Besitzer, die ihre alten Stücke loswerden wollen, profitieren, sobald ein aktueller Designer die Arbeit des Vorvorvorgängers zitiert hat. Die Herbstkollektion von Celine ist ein schönes Beispiel. Kreativdirektor Hedi Slimane spulte in der Geschichte des Hauses weit zurück. „Sobald die Laufstegbilder veröffentlicht waren, ist die Suche nach Vintage-Celine aus den siebziger Jahren um 200 Prozent gestiegen“, sagt Hersan. Wenn erst mal ein Trend definiert ist, steigen sofort die Preise. Dann muss man schnell sein.

Gemäß Zahlen des Analyseunternehmens Global Data von diesem Jahr wächst der Resale-Markt für Mode zur Zeit 21 Mal schneller als der Handel mit neuer Ware. „Vor zehn Jahren hatten Luxushäuser Angst vor dem Resale-Markt. Jetzt geht es darum, wie wir zusammenfinden“, sagt Hersan. Manche Marken überhäufen Resale-Plattformen wie die amerikanische Website The Real Real noch mit Klagen, weil sie vermeintlich gefälschte Taschen nicht als solche erkennen und damit der Marke schaden. Stella McCartney wiederum unterstützt den Resale-Markt und vergibt in einer Kooperation mit The Real Real einen 100-Dollar-Gutschein, wenn man seine getragenen Teile der Modemacherin dort verkauft.

Viele beobachten genau, was Kunden bei Vestiaire Collective kaufen und verkaufen. „Das sind natürlich die Daten, die Marken interessant finden“, sagt Unternehmenschef Maximilian Bittner. „Mich interessiert es aber nicht, den Marken einfach eine Datenbank zu schicken. Ich möchte ihnen zeigen, welche Konsumenten sich für ihre Marke, ihre Designer und ihr Produkt interessieren, und den Konsumenten gleichzeitig die Möglichkeit geben, den Marken zu folgen.“ Denn die Daten sind auch für Kunden interessant.

Das beobachte ich an mir selbst: Eine perlenbestickte Tasche von Fendi, die ich vor drei Jahren für 230 Euro gekauft habe, wird bei Vestiaire Collective gerade für 1386 Euro angeboten. Sollte ich meine Taschen jetzt verkaufen? Bittner brennt darauf, mir in Zukunft zeigen zu können, wie viel meine Garderobe gerade wert ist. „Interessant sind nicht die ersten zehn Suchbegriffe, sondern die höchsten Sprünge, wenn ein Suchbegriff plötzlich von Platz 387 auf 150 springt.“ Dann kommt Vestiaire Collective und fragt: Hey, tragen Sie Ihre Saddle Bag noch, oder haben Sie vielleicht Lust, sie zu verkaufen? Es könnte Geld bringen.

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