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Schmuck in der Corona-Krise : Auch die Haute Joaillerie ist aktuell

Schmuck von Messika, wie er digital vorgestellt wurde. Bild: Pierre Vérez

Von der Hand auf den Bildschirm: Schmuck in der Videokonferenz vorzustellen, das schien bis vor wenigen Monaten undenkbar. Doch die Krise trifft auch die Hersteller von Luxusgütern.

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          Vor nicht allzu langer Zeit hätten die Marken für diesen Anlass nach Genf eingeladen. Oder nach Paris. Schmuck in der Videokonferenz zu präsentieren, das schien jedenfalls lange so undenkbar wie für viele Chefs die Idee, die eigenen Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten zu lassen. Nun, siehe da: Beides geht, die Heimarbeit und die Präsentation etwa einer Halskette von Boucheron mit 5000 Diamanten über den Bildschirm.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch wenn es immer wieder Schmuck ist, der in diesen Sommertagen vorgestellt wird – die Marken gehen das Vorhaben „Digitale Live-Schau“ sehr unterschiedlich an. Das Pariser Traditionshaus Boucheron hält es poetisch: „Ohrringe, die wie Wolken an den Ohren vorbeiziehen.“ Messika meint es witzig mit seiner Präsentation: „Oh, da vorne steht ein nackter Mann am Fenster.“ Bulgari probiert es hintergründig und lädt zum Live-Gespräch Impf- wie Konsumforscher ein.

          An morgen denken

          Auch in der Haute Joaillerie, für deren Stücke mit einer Arbeitszeit von einem Jahr oder länger kalkuliert werden muss, geht nichts ohne aktuellen Zusammenhang. Das wird klar, wenn man zunächst Valérie Messika zuhört, der Tochter eines Pariser Diamantenhändlers, die innerhalb von 15 Jahren ein Schmuckunternehmen aufgebaut hat, das sich mit jahrhundertealten Häusern messen kann. „Reiche Leute sind von der Krise weniger betroffen“, sagt sie unbekümmert.

          Auch das Pariser Traditionshaus Boucheron präsentiert seinen Schmuck digital.
          Auch das Pariser Traditionshaus Boucheron präsentiert seinen Schmuck digital. : Bild: Hersteller

          Dass diese Klientel schon in jungen Jahren zu Geld gekommen sein kann, bestätigt denn auch Claudia D'Arpizio, Konsumforscherin der Unternehmensberatung Bain, im Bulgari-Webinar: Kunden unter 40 Jahren machen demnach heute 40 Prozent der Kaufkraft von Luxusgütern aus. Natürlich fallen die Begriffe Milllennials und Generation Z, und dann ist man auch schon bei dem großen Stichwort dieser Zeit: Nachhaltigkeit. „Diese Kunden erwarten von den Marken, dass sie sich aktiv einbringen und sich nicht nur auf ihr eigenes Erbe verlassen.“

          Kleine Erinnerung an dieser Stelle an die letzte große Krise 2008, als große Marken mit jenem Thema noch Vertrauen schaffen konnten. Damals machten sich plötzlich alle daran, über die eigenen Wurzeln zu sprechen, es ging um geradezu rückwärtsgewandte Werte, die für die Glaubwürdigkeit eines Produkts bürgen sollten. Heute hingegen muss eine Marke zunächst einmal an morgen denken und dafür am besten schon heute keine Cellophanfolie mehr verwenden.

          Das Zitat dazu liefert Bulgari-Chef Jean-Christophe Babin: „Um 19 Prozent haben wir den Verbrauch von Plastikverpackungen von 2017 bis 2019 reduziert.“ Bald will man ganz auf Plastikverpackungen bei Schmuck und Parfums verzichten. Auch am eigenen CO2-Fußabdruck sei man schließlich nun dran. „Die Meetings sind effizienter“, sagt Babin. „Und die Heimarbeit, ja, das ist doch der Inbegriff von Leben.“

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