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Luxus-Schirm : Ein Schirm, ein Leben lang

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Michel Heurtault fertigt Schirme, die ein Leben lang halten Bild: AFP

Aus Seide und mit Horngriff – bei Heurtault in Paris werden Schirme noch per Hand gefertigt. Der Meister-Schirmmacher fertigt auf Wunsch auch Einzelstücke. Für die Prinzessin aus Qatar darf es da schon mal Rochenleder sein.

          Garstig kann das Herbstwetter sein. Und trist sind dann auch die meisten Regenschirm, manche vom stürmischen Wind noch dazu geknickt. „Heute kauft ein Mädchen einen Regenschirm für zehn Euro, er geht kaputt, dann wird wieder einer für zehn Euro gekauft.“ Michel Heurtault schüttelt den Kopf. Für den Meister-Schirmmacher ist dies ein Frevel. In seinem kleinen Atelier in Paris stellt er außergewöhnliche Einzelstücke her. Und stolz sagt Heurtault: „Diese Regenschirme sind dafür gemacht, Generationen zu überdauern.“

          Der Einstiegspreis liegt bei Heurtault allerdings bei 250 Euro. Dafür gibt es einen Schirm für Frauen, aus Seide, mit einem lederumhüllten Griff. Für Männer gibt es die Modelle erst ab 490 Euro aufwärts. Dafür erhält der Kunde einen eleganten Gentleman-Regenschirm, aus Seidengewebe und mit einem Ahorn-Stock, der Tag um Tag langsam geformt wurde, damit er zu einem Regenschirm-Griff wird. Die Spitze ist nicht aus Plastik, sondern aus echtem Horn.

          Handgemacht und einzigartig

          „Bei uns ist alles handgemacht“, versichert Heurtault. „Das ist einzigartig.“ Zusammen mit einem 21 Jahre alten Lehrling arbeitet der 48 Jahre alte Schirmmacher im Hinterzimmer seines Ladens. Neben Regenschirmen fertigt er auch Sonnenschirme für Privatkunden und fürs Kino. Und er restauriert sie auch. „In den 1950er Jahren hat man seinen Regenschirm nie verloren, man hat darauf aufgepasst“, seufzt Heurtault. Heute seien die Dinge „immer billiger, überleben sich schneller, sind anfällig“ - „Wegwerfartikel“ eben.

          Für die Sonne Bilderstrecke

          Für Heurtaults Kreationen finden sich Kunden aus aller Welt. „Die Australierinnen und Japanerinnen sind verrückt nach Sonnenschirmen“, erzählt der Partner von Heurtault, Jean-Yves Thibert. Die Regenschirme wiederum seien ein großer Erfolg in Deutschland, Österreich, anderen europäischen Ländern und in den Vereinigten Staaten.

          Während in Frankreich seit Jahren eine Firma nach der nächsten Pleite macht, läuft das Geschäft von Heurtault gut. Er hat es im Krisenjahr 2008 gegründet. Im Bereich der Luxuswaren - gepaart mit alter Handwerkskunst - können sich französische Unternehmen weltweit gut behaupten.

          Rochenleder für die Prinzessin aus Qatar

          Das Besondere bei Heurtault ist auch, dass sich jeder einen Regenschirm nach seinem Geschmack herstellen lassen kann. In „Übergröße“, mit einem extravaganten Griff, mit edlem Holz und Stoff oder einem ausgefallenen Motiv. „Das ist hier wirklich Luxus, keine Standardware“, sagt Thibert und zeigt auf die Griffe. Einer ist aus Elfenbein mit Perleneinlagen. Eine Prinzessin aus dem Golfstaat Qatar hatte sich für einen mit Rochenleder überzogenen Griff entschieden. Kostenpunkt: Mehr als 8000 Euro.

          Heurtault geht es aber nicht in erster Linie ums Geld. „Der Regenschirm war schon immer meine Leidenschaft“, erzählt er mit einem Lächeln. „Das war mein Lieblingsspielzeug als ich klein war. Meine Mutter fand das komisch.“ Schon als Kind habe er Regenschirme auseinandergelegt und wieder zusammengebaut oder aus zwei Schirmen einen gemacht.

          „Für historische Filme kommen die Kostümbildner zu mir“, berichtet der Meister. „Sie haben keine Wahl. Das ist ein althergebrachtes Können, das verloren gegangen ist.“ Manche seiner Werkzeuge sind schon fast ein Jahrhundert alt. Für einen Film von Woody Allen stellte er Sonnenschirme her genauso wie für den Film „Aschenputtel“, der im Moment mit Cate Blanchett gedreht wird.

          Heurtault hat selbst als Kostümschneider begonnen, hat Korsetts für Christian Dior gefertigt, auch an der Oper gearbeitet. Nun wurde er mit dem Titel „Meister seiner Kunst“ ausgezeichnet, der vom französischen Kulturministerium an Persönlichkeiten verliehen wird, die in ihrem Metier Herausragendes leisten. Stolz liegt in Heurtaults Stimme: „Das ist der höchste Titel für einen Handwerker.“

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