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Soy Copper : Luxus-Geschirr aus der türkischen Kellerwerkstatt

  • -Aktualisiert am

Spricht von seinem Geschirr gern im Superlativ: Soy-Copper-Gründer Emir Ali Enç Bild: Hersteller/ Soy Copper

Inmitten des engen Gassengewirrs von Istanbuls „Großem Basar“ wird Kochgeschirr aus Kupfer und Silber geschmiedet, das auf Superyachten ebenso im Einsatz ist wie im britischen Königshaus.

          Dann ist da das Blau. Fast unwirklich, hypnotisierend glüht es von den Wänden der Kellerwerkstatt. Das leuchtende Blau, typisch für türkische Metallverarbeitungsbetriebe, ist der größtmögliche Kontrast zum Kupfer: Dieses wird hier in den Händen einiger weniger schweigsam arbeitender Männer zu jenem Luxuskochgeschirr, um das sich arabische Superyachten ebenso reißen wie japanische Nobelkaufhäuser oder auch die Palastküche des britischen und des dänischen Königshauses. Der Kontrast ist groß zwischen dem wie aus der Zeit gefallenen Schmiedehandwerk auf der einen Seite – der einfachen Werkstatt, dem monotonen Hammer-Klong, den schwieligen Händen der Arbeiter – und den Bestimmungsorten des fertigen Luxusgeschirrs.

          Das Hauptquartier der Firma „Soy Copper“ befindet sich in einer kleinen, holprigen Gasse inmitten des engen Gewirrs von Istanbuls „Großem Basar“, außerhalb des von Touristen frequentierten Shoppingbereichs. Maksut Aşkar vom Istanbuler Restaurant „Neolokal“, einer der besten Köche der Türkei, ist einer derer, die den Weg hierher kennen. Aşkar selbst verwendet bei seiner Arbeit, wie auch einige andere Köche der Metropole am Bosporus, das glänzend polierte, handgemachte Kupfergeschirr, das hier entsteht.

          Material mit der höchsten Wärmeleitfähigkeit

          Bei „Soy Copper“ werden nicht nur aus Kupfer, sondern auch aus Silber Gefäße geschmiedet. Die liegen dann eine Preisklasse höher. Kupfer und Silber sind die Metalle mit der höchsten Wärmeleitfähigkeit. „Man dreht die Flamme höher, die Pfanne ist augenblicklich heißer. Man dreht die Flamme kleiner, die Hitzeentwicklung in der Pfanne stoppt augenblicklich“, erklärt der Koch Maksut Aşkar die Besonderheit von Kupfer- und Silbergeschirr. Das sei vor allem bei solchen Zutaten von großem Vorteil, bei denen Sekunden über den richtigen Garpunkt und somit die Qualität eines Gerichts entscheiden. Fisch etwa. Man müsse sich freilich erst an einen so unmittelbaren Temperaturtransfer gewöhnen: Am Anfang brenne schon einmal etwas an, weil man nicht glauben würde, dass die Hitze so schnell am Gargut ist. Die Wandstärke der hier geschmiedeten Kochgefäße bewegt sich zwischen eineinhalb Millimetern bei der Cezve, dem typischen Kännchen für türkischen Kaffee, die auch das günstigste Stück in der Kollektion ist, bis zu drei Millimetern bei den großen, schweren Pfannen oder Schneekesseln.

          Mit Hammerschlägen gehärtet: Kupfergeschirr auf dem Großen Basar in Istanbul

          Jedes Stück Kupfergeschirr entsteht aus Platten aus 999-Karat-Kupfer, die im Großformat in die Kellerwerkstatt im Großen Basar geliefert werden, rund zugeschnitten und in reiner Handarbeit weiterverarbeitet werden. Am Schluss werden sie innen mit Silber überzogen. Für die silbernen Geschirre indes walzt ein Partnerbetrieb Silberbarren (aus geschmolzenem Silber gegossen) zu Platten aus, die später von einem Dreher zu Kasserollen oder Pfannen hochgezogen werden. Die Griffe sind Y-förmig, so übertragen sie so wenig Hitze an die Hand wie möglich. 

          Anfangskapital durch Fernsehshow

          Das Know-how, hochqualitative Kupferpfannen und -töpfe komplett in Handarbeit zu schmieden, ist selten geworden, sagt der Gründer und Eigentümer von „Soy Copper“, Emir Ali Enç. Umso wertvoller sei das Wissen jener Männer aus mehreren Ländern, die hier arbeiten. Die etwa eine Ausgangs-Kupferscheibe, auf dem Knie gehalten, mit monotonen Hammerschlägen mit einem Muster aus Prägepunkten versehen; das Geschirr werde so um ein vielfaches gehärtet, erklärt Emir Ali Enç. Über einen seiner Handwerker sagt der gern mit Superlativen um sich werfende Enç gar, dieser sei „der Cristiano Ronaldo des Kupfer und Silber“.

          Kupferschmied in Istanbul: „Das Know-how, hochqualitative Kupferpfannen und -töpfe komplett in Handarbeit zu schmieden, ist selten geworden“, sagt Emir Ali Enç

          Als Diplomatensohn hat der Lederjacken-Unternehmer nach eigenen Angaben in zehn Ländern gelebt, spricht acht Sprachen und kann sich etwa mit maghrebinischen Kupferschmieden auf Französisch unterhalten. Die Geschichte seiner Firma ist keine alltägliche: Das Anfangskapital von 15.000 türkischen Lira hatte Emir Ali Enç bei einer Start-up-Fernsehshow eingeheimst, 2011 gründete er die Firma „Soy Copper“ mit nur einem Mitarbeiter. Irgendwann sei ihm nämlich aufgefallen, dass zwar die Türkei und auch das Nachbarland Syrien traditionell Hochburgen der Kupferbearbeitung sind, es hier aber keine Kupfermarken von Weltrang gab. Anders in Italien und Belgien, „wo es aber gar keine solche Tradition gibt“. Der Firmenname „Soy“ hat auf Türkisch mehrere Bedeutungen: Herkunft, Familie, Wurzeln. Wenn Emir Ali Enç heute eines der Stücke aus seiner Werkstatt in die Hand nimmt (unter dem Superlativ „Ferrari unter den Töpfen und Pfannen“ läuft da erwartungsgemäß nichts), nennt er es „Baby“.

          Sein persönliches Lieblingsstück, das bei ihm zuhause auch im Einsatz ist: eine Bratpfanne aus reinem Silber. Einmal habe er einen seiner Töpfe öffentlich im Einsatz gehabt, erzählt er mit einem Lachen: „Bei einer Demonstration gegen die Regierung – als Helm.“ Das teuerste Stück in der Soy-Kollektion ist übrigens ein XL-Fischbräter samt Dämpfeinsatz aus Silber, der Preis liegt hier bei mehr als 10.000 Euro. Solche Preziosen durch das Gewirr von Istanbuls „Großem Basar“ hinaus zu transportieren erfordert natürlich besondere Vorsichtsmaßnahmen: Die hochpreisigen Geschirre treten ihre Reise in handelsüblichen schwarzen Müllsäcken an. „Noch unauffälliger geht es nicht.“

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