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Luca Guadagnino : „Ich habe in meinem Traumhaus gedreht“

Sein aktueller Film „Call Me By Your Name“, der jetzt im Kino läuft, wurde in Crema bei Mailand gedreht. In der Stadt lebt Regisseur Luca Guadagnino auch, und zwar schön, wie man sieht. Bild: Mikael Olsson/T Magazine-New York Times

„Call me by your name“ hat einen Hype erzeugt, bevor der Film überhaupt im Kino startete. Nun gewann er einen Oscar. Regisseur Luca Guadagnino erzählt vom Dreh, seinem Traumhaus und warum Armie Hammer melancholisch ist.

          8 Min.

          Crema ist Italien, wie man es sich vorstellt. In den Cafés trinken alte Männer Espresso, Fahrräder rattern über die gepflasterten Straßen in Richtung Dom, zwei Damen schlendern in schönen Schuhen an Schaufenstern vorbei, die noch mehr schöne Schuhe anbieten. In den Scheiben spiegelt sich das milde Frühlingssonnenlicht, das es nur hier gibt, südlich der Alpen. Es ist vielleicht sogar so, dass in Crema jeden Tag die Sonne scheint.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          So sieht es zumindest in Luca Guadagninos Film „Call Me By Your Name“ aus. Da weht der italienische Sommerwind direkt von der Leinwand. Der Regisseur hat den Film in der lombardischen Stadt rund eine Autostunde südöstlich von Mailand gedreht. Das hatte für ihn einen großen Vorteil: Er konnte von zu Hause aus arbeiten. Luca Guadagnino wohnt in Crema im zweiten Stock eines alten Palazzo aus dem 17. Jahrhundert, den er liebevoll hat renovieren lassen.

          „Ich arbeite gern von zu Hause“, sagt er. Kein Wunder, diese Räume würde man nur ungern verlassen. Guadagnino führt durch ein helles Zimmer, das von einem langen Tisch dominiert wird, an dem drei Designer an ihren Macs sitzen. Gerade arbeite er an einigen Projekten als Interieur-Designer, „mit diesem wundervollen Team junger Leute“. Design ist seine zweite Leidenschaft neben dem Filmemachen. „Es ist alles eine Frage der Zeit und wie man sie nutzt“, sagt er. „Ehe ich mich langweile, probiere ich lieber etwas Neues, das mich interessiert.“

          Ein Auge für ausgefallene Details

          Also auch Architektur. Sie müsse strukturiert sein, auch verspielt, und sie müsse Gefühle hervorrufen und Kontraste bieten. Das sieht man schon an seiner eigenen Wohnung. Barocke Deckenfresken, Wände in Abendhimmelblau, japanische Vogelzeichnungen, grüne Türen mit Blumenmustern, die Farbe aufgeraut und leicht verwittert. Den meisten Platz nimmt ein Sofa mit fliederfarbenem Baumwollstoff ein. Guadagnino nimmt in einem malvenfarbenen Samtsessel Platz.

          Er hat ein Auge für ausgefallene Details. Das sieht man in jedem seiner Filme. In „I Am Love“ (2009) seziert er die emotionale Kälte einer reichen Mailänder Industriellenfamilie anhand ihrer teuren Wohnungen. In „A Bigger Splash“ (2015) eskaliert Leidenschaft zum Mord in einer Jetset-Villa auf der Insel Pantelleria. Und in „Call Me By Your Name“ (2017) entdeckt ein Junge Sexualität und erste Liebe in der elterlichen Villa in der Lombardei.

          Ahnt noch nicht, dass um ihren Pool bald alles eskaliert: Rocksängerin Marianne (Tilda Swinton) in „A Bigger Splash“
          Ahnt noch nicht, dass um ihren Pool bald alles eskaliert: Rocksängerin Marianne (Tilda Swinton) in „A Bigger Splash“ : Bild: Studiocanal GmbH

          Trilogie über Liebe und Verlangen

          Der Stil ist in seinen Filmen ein erzählerisches Mittel. Die drei Filme könnten eine Trilogie über Liebe und Verlangen bilden. Wie kaum einem anderen Regisseur gelingt es ihm, pure Sinnlichkeit zu transportieren. Die Stoffe sind von greifbarer Intensität, die Natur atmet von der Leinwand. „Call Me By Your Name“ erinnert an die erste große Liebe, nimmt die Zuschauer in einen italienischen Sommer mit, zwischen grünen Wiesen und kühlen Villenzimmern. Das gleichnamige Buch von André Aciman, das als Vorlage diente, spielt auf Sizilien. Auf der Suche nach einem geeigneten Drehort hatte Guadagnino erst mit Ligurien geliebäugelt, sich aber dann für zu Hause entschieden.

          „Der Film spielt ja in den achtziger Jahren. Ich wollte also dieses Italien im Hintergrund, das es eigentlich nicht mehr gibt. Das Haus, in dem wir gedreht haben, ist im wahrsten Sinne des Wortes mein Traumhaus. Nun, so viel Privates will man ja eigentlich gar nicht erzählen, aber das will ich Ihren Lesern nun doch verraten: Mein Lebenstraum ist es, einen Garten zu besitzen. Dann habe ich dieses Haus gesehen, weil es mir ein Bekannter zum Kauf vorschlug. Ich hatte dafür jedoch nicht genug Geld. Das Haus aber verfolgte mich, ich habe davon geträumt. Und dann habe ich festgestellt, dass es eben doch kein Traumhaus ist: Da ging eine laute Straße vorbei, die Gegend drumherum ist etwas schmutzig. Also dachte ich, dass es wohl das beste sei, den Traum zu sublimieren, indem ich aus diesem Traumhaus mit dem Traumgarten den Ort machte, an dem diese Familie im Film leben könnte. So habe ich es immerhin ein Stück besitzen können.“

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