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Luca Guadagnino : „Ich habe in meinem Traumhaus gedreht“

Guadagnino redet ruhig und nimmt sich Zeit, seine Gedanken zu formulieren. Beim Politischen aber ist er aufgebracht und rutscht auf dem Sessel hin und her. Mit Fremdheit musste er sich immer wieder auseinandersetzen. In Palermo geboren, wuchs Guadagnino in Äthiopien auf, wo er seine Liebe zum Kino entdeckte. Er war drei Jahre alt, als er auf dem Schoß seiner Mutter „Jason und die Argonauten“ sah. Die Stop-Motion-Effekte hinterließen bleibenden Eindruck.

Der zweite Film, den er sah, war „Lawrence von Arabien“. Auch der blieb im Gedächtnis, die „Größe des Imaginären“ habe ihn fast erschlagen. Das Medium faszinierte ihn. Mit neun Jahren bekam er eine Super-Acht-Kamera geschenkt und begann mit eigenen Aufnahmen. Die Familie zog zurück nach Sizilien. Kurz nach dem Schulabschluss überlegte er, auf eine Filmhochschule zu gehen.

„Der französische Regisseur Jean-Marie Straub drehte damals gerade 'Der Tod des Empedokles' auf Sizilien. Meine Kunstlehrerin stellte uns vor, ich war 19, und sie fragte Straub: ,Sag, sollte Luca zur Filmschule gehen?' Er sagte: ,Großer Gott, nein!' Das hat einen solchen Eindruck hinterlassen, dass ich es nie getan habe. Alles, was ich kann, habe ich mir selbst beigebracht. Fassbinder hat mal gesagt, dass seine Universität ein Betamax-Rekorder und VHS-Kassetten waren. Das ist bei mir ähnlich. Ich habe viele Bücher über Kino und viele Interviews mit Regisseuren gelesen und viele Filme gesehen. So habe ich überhaupt keine Hierarchien entwickelt. Das hat mich an der Universität schockiert, als ich doch einen Kursus in Filmgeschichte belegt habe. Da gab es einen Kanon und Listen. Ich hatte die Filme schon alle gesehen, aber die Rangfolge hatte für mich keinen Sinn. Da faszinierte mich Fassbinder mehr, der unkonventionell und ohne große Studios arbeitete. So kann Kunst noch roh sein.“

Luca Guadagnino (links, hinten) und sein „Call me by your name“-Team (im Uhrzeigersinn von links): Schauspieler Armie Hammer, Michael Stuhlbarg und Timothee Chalamet sowie Filmeditor Walter Fasano.

Während er all das erzählt, ist man immer wieder abgelenkt. Nicht nur der Sessel ist malvenfarben. Die Wände dahinter schaffen einen Kontrast in dunklem Lila, ein Heizkörper nimmt die Farbe noch eine Nuance dunkler auf und verwandelt sie in Dunkelblau. Als wäre das nicht genug des Farbspiels, sitzt Luca Guadagnino in diesen Kontrasten in einer abendhimmelblauen Hose, mit mauvefarbenen Socken, bordeauxroten Matrosenschuhen und einem gleichfarbigen Pullover. Darauf aufmerksam gemacht, schaut er erstaunt an sich hinunter und betrachtet Sessel und Wand: „Das hab ich wirklich nicht mit Absicht gemacht!“ Man kann sich vorstellen, wie sich der Stil so leichtfüßig in seine Filme schleicht.

„Call me by your name“ läuft seit Anfang März auch in Deutschland im Kino.

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