https://www.faz.net/-hrx-9806r

Luca Guadagnino : „Ich habe in meinem Traumhaus gedreht“

Erste Liebe: Armie Hammer (links) und Timothée Chalamet in „Call me by your name“

„Call Me By Your Name“ hatte im vergangenen Jahr während der Berlinale seine Europapremiere. Der Film erzählt die Coming-of-Age-Geschichte des jungen Elio (Timothée Chalamet), der den Sommer in der Villa seiner Eltern verbringt. Sein Vater ist Archäologieprofessor und lädt für einige Monate den jungen Amerikaner Oliver (Armie Hammer) als seinen Assistenten ins Haus ein. Elio soll Oliver die Gegend zeigen und entwickelt schon bald Gefühle für den schönen jungen Mann von der amerikanischen Ostküste. Das Premierenpublikum war bewegt von der intensiven Liebesgeschichte. Die Szene am Ende, wenn Elios Vater sich zur Homosexualität seines Sohns äußert, ist emotional so mitreißend, dass ein alter italienischer Filmkritiker während des Abspanns eine Packung Taschentücher brauchte, um seine Tränen zu trocknen.

„Wenn man einen Film macht, braucht man Bewusstsein und Engagement für ein Thema und eine Idee davon, was man eigentlich sagen will. Und gleichzeitig muss man die Dinge so machen, dass sie sogar einen selbst überraschen. Ich glaube nicht daran, dass man sich vorher im Labor einen emotionalen Film ausdenkt. Mir war bewusst, was auf dem Spiel stand. Ich wollte sicher sein, dass alle Elemente in dem Film perfekt stimmen, alle Schauspieler ihr Bestes geben. Dann kann das funktionieren. Wenn man mit Absicht versucht, Emotionen hervorzurufen, dann wird das zynisch oder falsch. Man muss sich überraschen lassen. Mit all denen, die an dem Film mitgearbeitet haben, kann man es schaffen, dass er emotional wird. Dann klickt etwas beim Publikum.“

Wie meistens bei Filmen auf Festivals sollte noch gut ein Jahr vergehen, bevor er in den deutschen Kinos gezeigt wurde. Auf Filmfestivals in Australien, Kanada, Spanien und Amerika lief er erfolgreich. Es entstand, und das ist heute selten, ein Hype, noch bevor die PR-Maschinerie zur Vermarktung ansetzte. Einen besonderen Coup landete Guadagnino mit der Besetzung Armie Hammers, der mit seiner Doppelrolle als beide Winklevoss-Zwillinge in „The Social Network“ bekannt wurde und den jungen amerikanischen Uni-Assistenten spielt, in den sich der siebzehnjährige Elio verliebt. So sensibel hat man den hypermaskulinen Armie Hammer noch nicht gesehen.

„Er versteckt eine tiefe Melancholie“, sagt Guadagnino über Armie Hammer (rechts).

„Ich hatte 'The Social Network' gesehen, in dem Armie diese beeindruckende Doppelrolle spielt und so herrlich nach Ivy-League aussieht. Vor einigen Jahren habe ich ihn getroffen, und er war sehr nett. Als ich dann das Drehbuch für 'Call Me By Your Name' hatte, schickte ich es ihm. Erst wollte er mir absagen, aber als wir dann miteinander telefonierten, sagte ich irgendetwas, das ihn überzeugt hat. Keine Ahnung, was. Aber er sagte am Ende zu. Er versteckt seine tiefe Melancholie gut, aber ich habe versucht, sie herauszukitzeln. Ich will den echten Menschen haben. Das erfordert viel Vertrauen, und man muss die Schauspieler antreiben, aber das hat dann geklappt. Der Dreh an sich ist für mich eine furchtbare Zeit, Regie führen ist für mich nicht der Inhalt meines Lebens. Drehbuch schreiben, die Szenen am Ende schneiden, das mag ich viel mehr. Daher ist für mich das Casting so wichtig, da geht es um Menschen, die man liebt, die eine Faszination ausstrahlen. Es geht dabei nicht um sexuelle Grenzüberschreitung, sondern von der Leidenschaft für die Personen, mit denen man arbeitet. Damit kommt auch die Leichtigkeit auf die Leinwand. Das lernt man aber erst mit der Zeit. Wenn Sie sich den Kanon der westlichen Filme ansehen, dann fällt doch auf, dass viele Regisseure immer wieder mit den gleichen Schauspielern gearbeitet haben. Wie sonst will man sich erklären, welche Magie zwischen Fellini und Mastroianni herrschte, wenn nicht mit gegenseitiger Leidenschaft.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

Türkische Offensive : Erdogans Gewinn

Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen hohen Preis haben.
Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.