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Louis Vuitton : „Unser Duft wird kein Parfum du jour“

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Nein, das kam nachher. In Grasse gab es im 15. und 16. Jahrhundert viele Gerber, weil dort das Wasser das ganze Jahr über floss, anders als an anderen provenzalischen Orten. So wurde Grasse zur Welthauptstadt der Handschuhmacher. Der größte Abnehmer dafür war der italienische Adel, der viel größer war als der französische. Im 16. Jahrhundert wurde es auch durch Katharina von Medici populär, Handschuhe parfümieren zu lassen. Also begann man in Grasse, Parfums zu machen. Und schließlich wurde aus dem Nebengeschäft das Hauptgeschäft.

In der alten Gerberstadt Grasse: Seine Düfte lässt Louis Vuitton an der Quelle produzieren.

Das ist für eine Lederwarenmarke eine schöne Geschichte.

Fast zu schön, um wahr zu sein. Deshalb haben wir vor vier Jahren im Zentrum der Stadt ein wunderbares altes Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das lange unbenutzt war, aufwendig wieder herrichten lassen: „Les Fontaines Parfumées“. Es heißt so, weil das Wasser aus der Quelle im Haus parfümiert und dann verkauft wurde. Dieses Haus starrte uns förmlich an. Also haben wir es gekauft und zu neuer Blüte gebracht.

Wie viel haben Sie da investiert?

Genug!

So wichtig wie die Renovierung des Gebäudes wird der Maître Parfumeur sein, der Ihre Düfte erfindet.

Ja, Jacques Cavallier Belletrud wurde in Grasse geboren und hat viele Düfte erfunden. Auch seine Vorfahren waren Parfümeure - sein Vater stand hinter den Düften von Christian Dior.

Nun gibt es heute mehr als genug Parfums, und jedes Jahr kommen viele weitere auf den Markt. Wo ist da Ihre Marktlücke?

Unser Düfte - der erste kommt im September heraus - werden kein „Parfum du jour“ sein. Jeder Duft wird bleiben. Wir sind eben keine Parfum-Marke, sondern ein Luxushaus, das auch Parfums macht. Das wird uns davor bewahren, bei einem unsinnigen Wettlauf mitzumachen.

Es wird also auch nicht in Parfümerien zu haben sein?

Nein. Bei der großen Konkurrenz und den vielen Düften geht es in vielen Parfumabteilungen ja oft chaotisch zu. Da nehmen wir das Tempo raus. In diesem Jahr wird der erste Duft in 180 unserer eigenen Geschäfte zu haben sein. Nach und nach werden sie in 400 Louis-Vuitton-Geschäften verkauft.

So ziehen Sie auch mehr Kunden in die eigenen Läden.

Ja, es ist exklusiver, und man hat Zeit, den Duft auszuprobieren. Auf guten Service muss man übrigens schon deshalb achten, damit es nicht so viele Retouren gibt von enttäuschten Kunden.

Was Sie damit verdienen, wird nur einen kleinen Prozentsatz Ihres Gesamtumsatzes ausmachen.

Ja, relativ gesehen ist ein Umsatz im einstelligen Prozentbereich wenig. Aber absolut gesehen, also in Bezug auf den Umsatz von Louis Vuitton, ist es natürlich ein schönes Geschäft.

Zunächst kommt ein Damenduft heraus. Wann folgen die Männer?

 Innerhalb von 18 Monaten.

Wie viele Düfte wird es insgesamt geben?

Innerhalb des nächsten Jahrhunderts? Hängt ganz davon ab, wie lange dieses Interview noch dauern wird! Nein, im Ernst: Es wird wohl alle ein oder zwei Jahre einen neuen Duft geben. Uns kommt es auf die lange Sicht an.

Für Parfums braucht man nicht so viel Platz. Sie müssen also Ihre Läden dafür nicht umbauen.

Täuschen Sie sich nicht! Es ist ein echtes Unterfangen, den Parfumverkauf zu integrieren. Denn jeder unserer Stores ist anders, und retro-fitting ist nicht so einfach. Man kann da nicht einfach eine Theke reinstellen.

Arbeitet eigentlich Ihr Chefdesigner Nicolas Ghesquière an den Düften mit?

Er war immer eingeweiht, und er sagt seine Meinung. Aber er muss das nicht selbst machen. Bei einer kleinen Modemarke kann der Designer alles selbst machen. Aber bei uns kann sich niemand um alles kümmern.

Wenn denn der Markenkern von Louis Vuitton so groß ist: Welche neuen Produkte könnte es noch geben? Und wo sind die Grenzen?

Wichtig für uns ist gerade das Thema connectivity, also Anschlussfähigkeit. Das gehört zu unserem Großthema Reisen. Wir sind ja alle Nomaden geworden und dauernd unterwegs.

Mit wem arbeiten Sie daran?

Das kann ich natürlich nicht sagen. Aber es geht darum, wie man reist. Da müssen wir dabei sein.

Und was gibt’s sonst Neues?

 Eins nach dem anderen. Es geht uns nicht darum, trendy zu sein. Wir haben ja noch die ganze Ewigkeit vor uns.

Die Fragen stellte Alfons Kaiser.

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