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London Fashion Week : Wer wird Meghan Markles Hochzeitskleid fertigen?

Tuscheln über eine brennende Frage: Wer wird ihr Hochzeitskleid fertigen? Bild: AP

Me too, Nachhaltigkeit, Brexit – und das Hochzeitskleid der künftigen Prinzessin: In der Mode gibt es viele offene Fragen. Die London Fashion Week sucht nach Antworten.

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          Und mal wieder die Frage, was das eigentlich soll. Das Modekollektiv Vetements hat eine etwas andere Werbemaßnahme bei Harrods organisiert. Über vier Fenster verteilt türmen sich alte Kleidungsstücke. Schon jetzt sind es Riesenberge, dabei läuft die Aktion seit gerade mal zwei Wochen. Die Passanten, viele davon selbst mit Tüten in den Händen, bleiben stehen, schauen, staunen. Jeder kann mitmachen und etwas beisteuern. Denn die Idee hat einen Sinn: Anschließend will Vetements daraus neue Kleider fertigen und so die britische Kinderhilfsorganisation NSPCC unterstützen.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So weit, so gut für eine der am meisten angesagten Modemarken. Nur wird Vetements die Fenster bei Harrods nicht gerade kostenlos bekommen haben, Kaufhäuser lassen sich das in der Regel bezahlen – in Zeiten der Internet-Konkurrenz eine wichtige Einnahmequelle. Zur Weihnachtszeit hatte Dolce & Gabbana alle 23 Fenster von Harrods übernommen. Die Marke soll dafür etwa sieben Millionen Pfund bezahlt haben. Kann man so einer Aktion, die auch Werbung für Vetements ist, da noch gedanklich folgen? Warum nicht einfach direkt spenden? Steht so eine Summe im Verhältnis zur Botschaft? Und, sollte ausgerechnet ein Designer wie Demna Gvasalia, der für gleich zwei Marken entwirft, nämlich Vetements und Balenciaga, Überfluss anprangern?

          Das sind nur einige der Fragen, um die es gerade in der Mode geht. In London, zur Fashion Week, die am Dienstag nach fünf Tagen zu Ende ging, setzen die Designer nun öfter ein Fragezeichen hinter ihre Arbeit. Das liegt auch am Brexit-Chaos, mit dem niemand richtig planen kann. Bei den meisten Labels handelt es sich schließlich um kleine bis mittelgroße Unternehmen mit engem Kontakt zum EU-Ausland. Ein konkretes Konzept, wie es nach der Übergangsphase, die bis Dezember 2020 dauert, weitergehen soll, ist für sie nicht gerade Nebensache.

          Die Grenzen von Kreativität neu definieren

          Vielleicht liegt es auch daran, dass die Grenzen von Kreativität neu definiert werden müssen, vor dem Hintergrund der schlimmen Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegen Patrick Demarchelier, Karl Templer, Bruce Weber und Mario Testino, gegen Fotografen, die in der Mode noch vorgestern als Genies gefeiert wurden. Was kann man Models noch zumuten? Braucht es eine andere Bildsprache?

          „Das Chaos dieser Tage“, so nennt es auch Christopher Bailey, Noch-Kreativvorstand von Burberry, der seine Abschiedskollektion zeigt. Der Mann, der vor zwei Jahren auf die Idee kam, Mode direkt vom Laufsteg zu verkaufen, hat sich seine Gedanken gemacht. Denn, das sind die nächsten Fragen: Wie viel Mode brauchen Kunden überhaupt? Kaufen sie diese im Internet oder im Laden? Und wann? Ist ihnen Nachhaltigkeit wirklich so wichtig?

          Ein Model präsentiert auf der London Fashion Week eine Kreation des Labels Erdem für die Kollektion Herbst/Winter 2018.
          Ein Model präsentiert auf der London Fashion Week eine Kreation des Labels Erdem für die Kollektion Herbst/Winter 2018. : Bild: dpa

          Die Umwelt ist schon lange das Thema von Designerin Katharine Hamnett. Dazu hat sie am Samstagabend zusammen mit Matchesfashion mehrere Aktivisten zur Vortragsrunde eingeladen. Laut einer neuen Studie von drei Universitäten, dem New Yorker LIM-College, dem London College of Fashion und der RMIT-University in Melbourne, ist den Millennials, also den Achtzehn- bis End-Dreißigjährigen, die Bedeutung nachhaltigen Konsums durchaus bewusst. Wenn es aber ums Einkaufen geht, hätten eine einfache Abwicklung und der Preis Vorrang. Nur für 34 Prozent der Befragten sei Nachhaltigkeit ausschlaggebend, für 60 Prozent hingegen die Marke.

          Jedenfalls ist es keine Lösung, immer mehr Zwischenkollektionen und Sofort-Mode zu produzieren. Das sieht auch Burberry, wo man vom See-now-buy-now-Konzept allmählich Abstand nimmt. Jonathan Anderson, einer der zukunftsgewandteren Designer, hat zum Glück nie damit angefangen. Aber auch er stellt sein Label JW Anderson neu auf. Am Samstag geht es los, mit einer Schau für Männer und Frauen, für Kunden auf allen Kontinenten, mit Sommer- und Winterware, die Saisons oder gar Jahre überdauern soll. Auch er wird wissen, dass es absurd ist, ein Kleid für 1000 Euro fürs Frühjahr zu kaufen und das dann im Herbst wegzugeben, weil die Saison gerade vorbei ist. „Was ist modern?“, fragt er Backstage nach seiner Schau, und nippt an einer Flasche Wasser, auf die jemand mit Edding seinen Namen gekritzelt hat, so muss er nicht ständig eine Neue anbrechen. „Modern ist heute, was als nächstes kommt.“

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