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Isabel Hamm versteht sich auf Glas und auf Keramik. Beide Materialien hat sie sogar am Royal College of Art in London studiert, Glas aber gewann im Laufe der Jahre immer mehr an Bedeutung für sie. Bild: Daniel Pilar

Lichtdesignerin Isabel Hamm : Lust auf Lüster

  • -Aktualisiert am

Die Kölner Lichtdesignerin Isabel Hamm ist eigentlich Keramikmeisterin. Erst nach und nach entdeckte sie ihre Liebe zu Glas. Heute lässt sie unter ihrem Markennamen prachtvolle Lüster fertigen.

          8 Min.

          Der Motor der Töpferscheibe brummt gleichmäßig vor sich hin. Isabel Hamm greift beherzt in den dunkelgrauen Tonklumpen, der vor ihr auf der Scheibe rotiert. Zwischen ihren Fingern quillt glitschig glänzend Ton hervor, während sie den Klumpen langsam zu einem Kegel hochwachsen lässt. Sie sitzt leicht gebeugt, ganz ruhig und konzentriert, ihr Kopf bewegt sich sachte im Rhythmus der sich drehenden Scheibe. Auf dem Tisch ein Topf mit Wasser, um die Finger zu befeuchten, ein paar fleckige Lappen, Schwämme, ein Draht zum Abschneiden des Tons. Nach wenigen Augenblicken schaltet sie den Motor aus, der Kegel steht glatt und fertig da.

          Er soll einmal zum Fuß einer Tischleuchte werden, doch bis dahin sind noch einige Arbeitsschritte nötig: erst einmal von der Scheibe nehmen, dann lufttrocknen, nachbearbeiten und brennen. Isabel Hamm schneidet einen neuen Klumpen ab, wirft den Motor wieder an und formt den nächsten Kegel, ein Lächeln auf den Lippen, mit dem Kopf gleichmäßig vor und zurück nickend, fast wie eine andächtig Betende. „Wenn ich mich an die Töpferscheibe setze, merke ich: Jetzt bin ich zu Hause“, sagt die Sechsundfünfzigjährige.

          Bodenständig und unprätentiös

          Dabei ist die Kölner Designerin für ganz andere Objekte bekannt, die gar nicht erdenschwer sind: Unter dem Markennamen Isabel Hamm Licht lässt sie prachtvolle Lüster aus Glas fertigen, die in Lobbys, Treppenhäusern und Wohnzimmern schweben. Glamouröse, gleißende Erscheinungen, die einem Raum Grandezza verleihen wie einst die Kronleuchter in Schlössern. Isabel Hamms Lüster hängen in den Residenzen der Schweizer Botschafter in Teheran und Athen, in Londoner Clubs und österreichischen Luxushotels, in Villen, Fernsehstudios, Firmenzentralen, Boutiquen und neuerdings auch in einem Apartmenthaus auf den Bahamas.

          Die Keramikwerkstatt im Kölner Agnes-Viertel könnte nicht weiter entfernt sein von dieser großen weiten Glamourwelt. Der Verein Arbeitsgemeinschaft Keramik Köln unterhält die Räumlichkeiten in einem Ladengeschäft. Isabel Hamm hat sich in einer Ecke im vorderen Raum einen kleinen Arbeitsplatz mit ihrer Töpferscheibe, mit Tischen und Regal eingerichtet. Alles ist mit Ton bespritzt und von feinem Staub überzogen. An den Wänden hängen Plastikplanen zum Schutz, unter dem Tisch liegt Ton in Tüten aufgestapelt. Seit Jahren schon ist Isabel Hamm hier Mitglied, denn sie hat keine eigene Werkstatt. Im Hinterzimmer gibt es zwei Brennöfen. Das reicht ihr an Ausstattung. „Ich richte mich gerne in Provisorien ein.“

          Ins Licht: Lichtdesignerin Isabel Hamm mit einer ihrer Leuchten und einer Keramik im Wohnzimmer in Köln
          Ins Licht: Lichtdesignerin Isabel Hamm mit einer ihrer Leuchten und einer Keramik im Wohnzimmer in Köln : Bild: Daniel Pilar

          Als ausgebildete Keramikmeisterin ist sie der einzige Profi im Verein, alle anderen betreiben Töpfern als Hobby. Während sie ihre Glasleuchten und -lüster von Handwerkern anfertigen lässt, macht sie die Arbeit an der Scheibe ausschließlich selbst. Hier entstehen Schirme für Pendelleuchten, Kleinserien aus gräulich-bräunlichem Ton mit unregelmäßigen Schichtstrukturen und rauher Oberfläche. Die Leuchtenfüße sind ein neues Projekt – die Designerin möchte ihr Portfolio um Tischleuchten erweitern und entwickelt gerade Prototypen.

          Die Arbeit mit der Keramik passt zu ihr, das buchstäblich Geerdete. Lachend erzählt sie von miefigem Ton, in dem sich während der Lagerung Mikroorganismen vermehrt haben. Wenn er „verseucht“ sei, lasse er sich besser verarbeiten, ergänzt sie, scherzhaft die Nase rümpfend. Isabel Hamm ist bodenständig, unprätentiös und ganz bei sich, wie sie in der Werkstatt steht, mit fleckiger Arbeitshose, den blonden kurzen Haaren, die Arme in die Hüften gestemmt. Beim Drehen wirkt sie so heiter und entspannt, dass man es sofort glaubt, wenn sie sagt: „Ich kann mir vorstellen, eines Tages nur noch Gefäße zu machen. Das ist einfach mein Medium.“

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