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„Birdie“ Gänsefeder-Lampen als Kronleuchter von Ingo Maurer Bild: Ingo Maurer

Ingo Maurer im Fragebogen : „Jetzt hat Ingo Hochkonjunktur“

Seit mehr als 50 Jahren entwirft Ingo Maurer Leuchten, die auf der ganzen Welt verzaubern. Der Sohn eines Fischers entwickelt aber auch Inneneinrichtungen. Gerade erst hat er in Georgien ein altes Weingut in ein Hotel verwandelt.

          Was essen Sie zum Frühstück?

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Grits. Amerikanische Grütze. Dazu vielleicht ein Stück Toast, keine Fruchtsäfte und viel Tee. Earl Grey Classic.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

          Hier um die Ecke, bei Kandismann an der Hohenzollernstraße. Ich bin kein großer Shopper, ich werde nervös, wenn ich etwas kaufen muss in einem Kaufhaus. Ich bin immer froh, wenn ich mich entschieden habe und wieder draußen bin, um dann oft festzustellen, dass es Quatsch war.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

          Ein Sakko, das ich in den achtziger Jahren in New York gekauft habe, Secondhand.

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

          Vor zwei Tagen. Ich schreibe leider nicht mehr so viel mit der Hand, weil ich etwas wackelig geworden bin. Meine Handschrift hat sich dadurch sehr verändert.

          Welches Buch hat Sie im Leben am meisten beeindruckt?

          Pablo Neruda: „Ich bekenne, ich habe gelebt". Ich bin allerdings auch ein großer Fan von Gabriel García Márquez und zitiere öfters aus „Die Liebe in den Zeiten der Cholera": „La humanidad se divide en dos: Los que cagan bien y los que cagan mal." Das heißt so viel wie: Die Welt unterscheidet sich in gute Scheiße und in schlechte Scheiße. Und genauso ist es, finde ich.

          Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?

          Ich lese die „Süddeutsche", die F.A.Z., manchmal „Die Zeit". Und natürlich sehe ich fern, aber in Maßen. Internet kann ich nicht, da bin ich noch Analphabet.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

          Ich hasse Smalltalk. Das ist für mich nur so ein „social glue" zwischen den Menschen. Ich hab's nicht gerne, wenn man nur Blabla redet. Mir geht es zum Beispiel auf die Nerven, wenn die Leute mich fragen: Hat Ihre Karriere wirklich mit einer Flasche Rotwein angefangen?

          Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?

          Mein Lieblingsfilm ist „Rashomon" von Akira Kurosawa, weil er so deutlich zeigt, wie unterschiedlich die Menschen auf das reagieren, was sie gesehen haben. Jeder interpretiert es anders. Am Ende stellt sich heraus: Der eine beurteilt es so, der andere so, und keiner hat wirklich recht. Der Film hat mich sehr berührt.

          Sind Sie abergläubisch?

          Nein.

          Worüber können Sie lachen?

          Wenn zwei Menschen sich heftig streiten und im Grunde einer Meinung sind. Da kann ich lachen.

          Ingo Maurer, 1932 geboren auf der Insel Reichenau

          Ihr Lieblingsvorname?

          Die Namen meiner Töchter: Sarah und Claude. Und den Männernamen Jérôme. Ingo habe ich als Kind schon gehasst, und ich hasse den Namen immer noch. Bis ich 30 war, kannte ich keinen anderen Ingo. Aber jetzt hat Ingo Hochkonjunktur.

          Machen Sie eine Mittagspause?

          Ja, aber nicht regelmäßig. Ich esse sehr gerne mit meinem Team, es kocht immer ein anderer, und jedes Mal ist es anders.

          In welchem Land würden Sie gerne leben?

          In keinem Land auf Dauer. Ich habe keinen festen Standort, ich bin für das Fließende. Ich habe zum Beispiel in New York schon seit 40 Jahren ein Apartment und dort meine besten Freunde. Ich bin aber auch gerne in Japan, China und Brasilien.

          Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?

          Ziegenkäse.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

          Früher bin ich sehr gerne Auto gefahren, nach meinem Herzkasperl fahre ich aber nicht mehr. Ich will niemanden zuschanden fahren.

          Was ist Ihr größtes Talent?

          Die Ungeduld.

          Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?

          Ich trinke gerne Fernet-Branca - obwohl ich es zur Zeit nicht sollte.

          Welcher historischen Person würden Sie gerne begegnen?

          Charles Eames. Ich habe ihn vor 50 Jahren zwei Mal getroffen, in Mailand und in Paris. Er hat mir danach wunderbare und aufmunternde Briefe geschrieben. Ihm würde ich gerne noch einmal in die Augen schauen, ihm die Hand drücken und mit ihm reden.

          „Lucellino“ – Licht mit Flügeln von Ingo Maurer

          Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?

          Ich trage keinen Schmuck und, seit es Handys gibt, auch keine Uhr mehr.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?

          Meinen. Düfte sind unglaublich wichtig im Leben. Meine Frau, die vor vier Jahren gestorben ist, hatte lange einen Rosenduft, der mir sehr gefiel. Und dann Vol de Nuit von Guerlain. Ich benutze Homme von Guerlain.

          Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?

          Mit italienischen Freunden auf einer schönen, bescheidenen Yacht im Mittelmeer zu segeln, zu den Liparischen Inseln und dem Stromboli bei Sizilien. Von dort hat man den wohl berauschendsten Blick aufs Mittelmeer. Es lebt in mir, auch weil ich auf Stromboli meiner zweiten Frau begegnet bin.

          Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?

          „Bach-Jazz" vom Thomas Gabriel Trio.

          Was fehlt Ihnen zum Glück?

          Im Moment Gesundheit.

          Was trinken Sie zum Abendessen?

          Manchmal einen Schluck Rotwein, was ich auch nicht sollte, und Fernet-Branca. Meistens aber nur Tee, ich bin ein Teetrinker.

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