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Lena Meyer-Landrut : „Ich bin nicht so der Schminker“

  • Aktualisiert am

Schwarzes Kleid von Akris, Bundeswehrjacke und Filzhut von Dior Homme. Bild: Markus Jans für Frankfurter Allgemeine Magazin

Sie schlüpft in neue Rollen und probiert die Mode für Herbst und Winter aus: Lena Meyer-Landrut erkennt sich selbst in einer neuen Generation deutscher Modemacher – und spricht über Probleme mit Handtaschen, ihr Leben in Köln und die Bundestagswahl.

          Über ein Thema müssen wir uns schon mal nicht unterhalten: Ihren Freund. Denn der wurde heute in der Boulevardpresse abgefeiert, nachdem Sie mit ihm auf der After-Show-Party einer Filmpremiere abgelichtet worden waren.

          Wobei es lustig ist, dass die jetzt schreiben: „Lena präsentiert ihren Freund.“ Denn es ist ja offensichtlich, dass wir uns eher gesenkten Kopfes von den Kameras abwenden.

          Am interessantesten auf den Fotos ist ohnehin die Alexander-McQueen-Clutch in Ihrer Hand, die mit dem Schlagring-Griff.

          Das fand auch der Sicherheitsdienst am Berliner Flughafen. Da wurde ich nämlich auf dem Rückflug angehalten. Ich hätte mir ja vorher denken können, dass das nicht so easy ist. Als das Handgepäck durchleuchtet wurde, fragte mich ein Sicherheitsmann, was das denn für ein Schlagring sei. Ich so: „Oh, Gott! Wieso Schlagring?“ Als er die Clutch rausholte, sah er dann schon am Glitzern, dass es ein modisches Accessoire ist. Dabei ist ja der Witz, dass McQueen für den Griff einen Original-Schlagring als Vorbild genommen hat. Inzwischen habe ich mich übrigens informiert: Eva Longoria wurde deswegen auch schon mal aufgehalten. Ich bin also in guter Gesellschaft.

          Dass Sie eine McQueen-Clutch besitzen!

          Ich habe sie mir nur geliehen von einer Freundin für den Anlass. Ich halte es nicht für nötig, mir das alles zu kaufen.

          Sie sind angeblich leicht gestresst vom Einkaufen.

          Ja, deshalb shoppe ich am liebsten im Internet.

          Was Ihre Accessoires angeht, diskutiert die Fachpresse gern über Ihre Tätowierungen. Wie ist da der neueste Stand?

          Es sind insgesamt vier Tattoos: der Schriftzug „Je ne regrette rien“ am Knöchel; am linken Oberarm eine französische Lilie, der Satz „to love and to be loved“ und seit neuem ein Hirsch, dessen Geweih die Lilie umfasst. Der Hirsch ist so etwas wie mein Schutz.

          Und wie waren die Modeaufnahmen für unser Heft?

          Hat Riesen-Spaß gemacht. Ich bin ein Mode-Fan, und junge deutsche Designer sind toll. Außerdem konnte ich da mal wieder neue Rollen ausprobieren. Ich fand gut, dass es nicht so künstlich zuging. Ich kam komplett ungeschminkt an – ich bin nicht so der Schminker privat, ich style mich zum Beispiel nicht, wenn ich zum Bäcker gehe. Dann hieß es: „Was machen wir mit dem Gesicht?“ Antwort: „Gar nichts!“ Es war die kürzeste Maskenzeit, die ich jemals erlebt habe. Haare einfach so, im Gesicht ein bisschen Puder, fertig.

          Sie haben viel Erfahrung mit Aufnahmen, auch für Werbung, zum Beispiel für Opel. Haben Sie neue Auftraggeber?

          Ja, ich habe gerade Aufnahmen gemacht für L’Oreal. Die Kampagne kommt in diesem September raus. Da geht es um das „Casting Crème Gloss“, ein Haarprodukt.

          Die deutsche Modeszene ähnelt der jungen deutschen Musikszene, die sich in den letzten Jahren stark entwickelt hat.

          Ja, wenn man nur an Tim Bendzko, Casper oder Cro denkt. Es ist eben langsam an der Zeit, dass sich auch deutsche Künstler in Deutschland etablieren. Und dass die Deutschen das annehmen. Silbermond zum Beispiel haben sich getraut, das von Anfang an durchzuziehen. Davor habe ich Riesen-Respekt.

          Sie selbst sind Teil dieser Szene. Im vergangenen Herbst ist Ihr drittes Album herausgekommen, einige Lieder sind in die Charts gekommen. Woran arbeiten Sie gerade?

          An meinem vierten Album. Fertig ist noch nichts. Es sind Texte, Melodienschnipsel. Ich probiere viel aus. Mich hat die Experimentierfreude gepackt, deshalb wird es lange dauern. Ich habe mir ein kleines Studio in die Wohnung gebaut. Außerdem nehme ich jetzt Klavierunterricht. Ich sitze also vor dem Musikprogramm, klimpere rum, singe, schreibe. Manchmal sind zuerst die Texte da, manchmal die Melodien. Ich bastele so lange dran rum, bis es richtig ist. Ich habe ja auch drei Jahre lang Zeit zum Lernen gehabt.

          Hier in Köln herrscht für eine solche Arbeit das richtige kreative Klima.

          Ja, ich fühle mich hier zu Hause, ich will hier gar nicht weg.

          Der rheinische Frohsinn scheint abzufärben. Sie verströmen „viel gutes Karma“, schrieb Nils Minkmar in einer Kritik.

          Das freut mich! Meine Energie ist natürlich. Aber wenn ich „on air“ bin, strenge ich mich nochmal besonders an, sie zu zeigen. Krass finde ich eine Szene in einer Dokumentation über Katy Perry. Da steht sie, heult wegen der Trennung von Russell Brand, soll aber gleich hoch auf die Bühne geschossen werden, reibt sich die Tränen aus den Augen, lächelt, und los geht’s. Da habe ich eine Gänsehaut bekommen. Keiner möchte jemanden sehen, der auf der Bühne leidet.

          Bald ist Bundestagswahl. Gehen Sie wählen?

          Klar. Sollten alle machen.

          Und was wählen Sie?

          Das ist eigentlich ein Tabuthema in Deutschland, verstehe ich selbst nicht. In Amerika sagt man ja als Person des öffentlichen Lebens offen, wen man wählt. So animiert man dann Fans und junge Leute, auch zu wählen. Das finde ich gar nicht so schlecht. Noch vor kurzem habe ich mich mit Freunden unterhalten, ob Wählen einen Sinn hat. Und da kamen wir zu dem Schluss, dass man nicht denken darf, die einzelne Stimme würde nichts ausmachen. Also, kurz gesagt: Ich wähle die Grünen, wie vor vier Jahren, bei meiner ersten Wahl. Per Briefwahl, weil ich keine Lust habe hinzugehen.

          Von den Grünen kann man natürlich nicht enttäuscht sein – die sind ja in der Opposition. Wie sieht denn Ihr alternativer Lebensstil aus?

          Ich kaufe viel in Bioläden ein, esse nur wenig Fleisch, fahre viel Fahrrad und bin für Ökostrom. Ich will mir jetzt auch ein Elektro-Auto kaufen, weil es die Umwelt schont. Mein einziges Problem: Ich habe keine Garage und weiß nicht, wie ich es aufladen soll.

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