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Styling für Berlinale : Daraus wird ein Look

Kurz bevor es auf die Eröffnungsgala der Berlinale geht, richtet Leena Zimmermann noch das Fendi-Kleid von Alina Levshin (links). Bild: Jens Gyarmaty

Einige der besten deutschen Schauspielerinnen haben es verstanden: Für die Karriere ist der eigene Auftritt wichtig. Sie lassen sich von Leena Zimmermann inszenieren. So sehen die Berlinale-Vorbereitungen mit einer professionellen Stylistin aus.

          Hannah Herzsprung, Julia Malik und Leena Zimmermann beugen sich über ein iPhone. Leena Zimmermann hat fotografiert, die Schauspielerinnen Hannah Herzsprung und Julia Malik sind jetzt auf dem Bildschirm zu sehen. Es ist am vergangenen Donnerstagabend eines der letzten von vielen inoffiziellen Bildern, kurz bevor Herzsprung und Malik in den Shuttle steigen und ein paar Minuten später über den roten Teppich zur Eröffnung der Berlinale laufen werden. Draußen sind es minus sieben Grad. Drinnen, hier in der Lobby des Berliner Hyatt Hotels am Potsdamer Platz, liegt um diese Zeit Aufregung in der Luft. Stars, die in dicken Mänteln über dünnen Abendkleidern vorbeieilen, um ihre Mäntel noch irgendwo abzulegen, bevor sie sich aufmachen. Agenten und Assistenten, die Handys am Ohr tragen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dazwischen stehen Leena Zimmermann, Hannah Herzsprung und Julia Malik, mehr vertraut als geschäftig. Sie lachen so entspannt wie eine Gruppe Freundinnen beim Zurechtmachen für einen schönen Abend. Nur dass Hannah Herzsprung ein aufwendig besticktes Kleid von Chanel trägt, dazu hohe Stiefeletten, und Julia Malik einen Look mit abstrakt bedrucktem Latzkleid, darunter ein locker fallendes Top mit demselben Print aus der Kollektion für den kommenden Herbst von Perret Schaad. Und dass sie diese Kleider ihrer Stylistin zu verdanken haben, Leena Zimmermann. „Kommt noch mal hierher, das Licht ist total gut“, ruft Zimmermann, über dem einen Arm liegt Herzsprungs Jacke, am anderen hängt Maliks pinkfarbene Papiertüte. In dieser Woche hat Leena Zimmermann etliche Bilder von den Schauspielerinnen gemacht, mit denen sie zusammenarbeitet. Denn ob ein Look gelungen ist, erkennt man erst auf dem Foto.

          Ein letztes Foto bevor es los geht. Hannah Herzsprung (links) trägt Chanel und Julia Malik (rechts) trägt Perret Schaad.

          Zimmermann prägt das Image ihrer Kundinnen

          Für einen Look braucht es nicht irgendein Kleid zu irgendeinem Paar Schuhe zu einer vielleicht farblich passenden Abendtasche und ein bisschen Schmuck. Ein Look ist eine Inszenierung für sich, und es braucht Menschen mit ausgezeichnetem Auge, mit so viel Stilgefühl wie Mut, auch mal etwas zu wagen, um anderen zu ihrem bestmöglichen Auftritt zu verhelfen. Leena Zimmermann inszeniert einige der talentiertesten Schauspielerinnen des Landes im echten Leben. Dass Bilder von ihnen besonders oft in Hochglanzmagazinen abgedruckt werden, im Netz und in den sozialen Medien auftauchen, und dabei so gut wie nie einem Verriss zum Opfer fallen, liegt auch an ihr.

          Das Image von Schauspielerinnen prägt sie seit Jahren mit ihrer Arbeit maßgeblich mit, einem Beruf, der hierzulande seltsamerweise immer noch einen leicht champagnergetränkten bis zickigen Ruf hat: Stylist. Dabei hat Rachel Zoe, Klischee-Stylistin der frühen nuller Jahre, noch nicht mal mehr in Hollywood viel zu sagen.

          Gewisser Stil kann neue Türen öffnen

          Stattdessen wissen Stars in New York, dass sie etwa mit einem Stylisten aus London in kurzer Zeit wohl ein bisschen cooler rüberkommen werden, dass sich die Transatlantik-Flüge also lohnen. Auch die Strecke New York–Los Angeles frequentieren Stylisten nicht nur vor den Oscars, sondern auch um ihre Klientel regelmäßig zu beraten. In Deutschland sparen sich die meisten diesen Aufwand, dabei ist es auch hierzulande kaum egal, welches Kleid sie tragen und ob daraus ein Look wird.

          „Mit einem gewissen Stil erreicht man eine bestimmte Presse“, sagt auch Leena Zimmermann. „Darüber hat man eine gewisse Aufmerksamkeit, also einen bestimmten Marktwert. Klar kann man auch eine gute Schauspielerin sein, wenn man immer im selben schwarzen Kleid über den roten Teppich läuft, weil man sich darin so wohl fühlt. Aber ich weiß nicht, ob dann jemand mit einem Werbedeal auf einen zukommt.“ Mit einem Look, der auf die eigene Persönlichkeit abgestimmt ist, der die eigenen Stärken betont, hat man größere Chancen, auf seine Art einen Platz im Bewusstsein des Publikums zu bekommen.

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