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Max-Mara-Chefin Laura Lusuardi : Die Frau und der Mantel

Wer suchet, der findet: Laura Lusuardis Sammelleidenschaft hat dem Arbeitgeber ein großes Archiv beschert - und ihr selbst viele Reisen in alle Welt, unter anderem nach China. Bild: 60072689 © © Justin Jin / Agent

Laura Lusuardi ist mehr als eine Modechefin. Sie hütet das Erbe von Max Mara – und fotografiert den berühmten Mantel des Modehauses, wo immer sie ihn sieht. Ein Treffen in ihrer Heimat Reggio Emilia.

          Ein einziger Mantel kann vielen Frauen stehen. Großen, kleinen, dicken, dünnen. Jahrzehnte können dazwischenliegen, der Mantel bleibt. Er kleidet drinnen wie draußen, im Frühjahr, im Herbst, im Winter. Hat Laura Lusuardi alles schon erlebt. Kaum ein Mensch auf der Welt wird einem einzigen Kleidungsstück in seinem Leben so viel Zeit gewidmet haben wie Laura Lusuardi diesem Mantel. Dabei hat sie ihn gar nicht entworfen. Sie dokumentiert trotzdem weiter, in München, New York, Mailand.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An diesem späten Nachmittag sitzt Laura Lusuardi in der Bibliothek der Modemarke Max Mara in Reggio Emilia, der beschaulichen Hauptstadt der italienischen Provinz Emilia Romagna. Sie beugt sich über ein selbstgebundenes Buch und blättert von einer Seite zur nächsten. Auf jeder Seite ist ein von ihr selbst gemachtes Foto zu sehen. Stets ist es der gleiche Mantel, Kennzeichnungsnummer 101801, die Max-Mara-Ikone. Auf den Bildern tragen diese Ikone Frauen, die über die Straße hetzen, die mit schweren Taschen auf dem Weg in einen Laden sind, die Richtung Gate am Flughafen eilen oder bei einem Event drinnen stehen, im Warmen.

          Wenn Laura Lusuardi ihnen begegnet, zückt sie ihr Mobiltelefon und tippt auf Fotoaufnahme. Sie lässt es bei zwei Apps bewenden: Instagram und Whatsapp. Pinterest sei ihr wichtig, sagt sie, aber ohne Kamerafunktion geht gar nichts. „Man muss schnell sein“, sagt Laura Lusuardi. „Ich will jede fotografieren, die ich sehe. Die hier zum Beispiel, die rennt vor mir weg, eine Frau auf einem Vintage-Markt in Moskau.“ Manchmal merken die Frauen im Mantel, dass sie abgelichtet werden, oft gehen sie einfach weiter. Laura Lusuardi muss nicht nachfragen, einen Max-Mara-Mantel erkennt sie von weitem. „Ich bin nicht die einzige, die das kann“, sagt sie. Typisch Laura Lusuardi, so bescheiden. Sie war schließlich bei seiner Geburt dabei, damals, im Jahr 1981.

          Es passt schon, dass man diese Frau in der Bibliothek des Hauses trifft, dass sie zunächst einmal die Bücher-Sammlung zeigen will, Tausende Werke und 350 verschiedene Magazin-Titel, die sie hier archivieren. Auf dieser Grundlage hat sich Lusuardi in früheren Jahrzehnten an ihr Thema herangetastet, daran, was die deutsche Frau ausmacht, die chinesische, die amerikanische. Denn Laura Lusuardi ist mehr als eine Modechefin von Max Mara. Sie ist die Mutter der Mäntel und hütet das Erbe der Mode. Das geht selbst hier, an diesem Ort, über dessen Hügel und Felder die Sonne im Spätherbst ein goldenes Licht wirft, der vor allem berühmt ist für Parmesankäse, für Balsamicoessig, für Parmaschinken - und erst dann für Kamelhaarmäntel.

          Laura Lusuardi kann an diesem malerischen Ort auf eine lange Karriere zurückblicken, wobei es für sie noch keinen Anlass zur Rückschau gibt. Seit 53 Jahren, seit 1964, ist sie bei Max Mara tätig. In der flüchtigen Mode, in der Designer so schnell das Haus wechseln wie Fußballprofis den Verein, ist das eine halbe Ewigkeit. Keiner kennt eine einzige Marke besser. Nicht mal Karl Lagerfeld, der erst ein Jahr später, 1965, zu Fendi kam.

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