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Max-Mara-Chefin Laura Lusuardi : Die Frau und der Mantel

Wenn sie durch die Gänge des Archivs streift, dann zieht auch das eigene Leben an ihr vorbei. Zum Beispiel die mehr als 30 Jahre, die sie mit Anne-Marie Beretta zusammengearbeitet hat, der Designerin, die auf den berühmten Kamelhaarmantel kam. Oder die Zeit mit Carine Roitfeld, die, damals noch Chefredakteurin der französischen „Vogue“, nebenbei beratend für Max Mara tätig war und dem Haus angeblich einen Balenciaga-Mantel zur Vorlage weitergab. Die vielen Kleidungsstücke stehen auch dafür, wie sich die Mode verändert hat.

Nicht Alter, sondern der Stil bestimmt

Laura Lusuardi muss es wissen: Was ist der größte Wandel, den die Mode in ihrer Zeit erlebt hat? „Die Sache mit dem Alter“, sagt sie, ohne zu zögern. „Früher machte man Mode am Alter fest, jetzt am Stil. Eine 40 Jahre alte Frau galt in den Sechzigern als alt, in den Neunzigern schon als jung.“ Laura Lusuardi selbst war ihrer Zeit voraus. „Ich war schon 40, als mein zweites Kind, meine Tochter, zur Welt kam“, sagt sie. „Und die Stoffe und Tragbarkeit haben sich verändert. Auch unsere Mäntel sind jetzt viel leichter und trotzdem warm.“

Achille Maramotti dachte in Fragen der Mitarbeitersuche langfristig. Die Nachkommen des Unternehmers, der zu einem der reichsten Italiener wurde und 2005 starb, scheinen keinen Grund zu sehen, die Strategie zu ändern. Chefdesigner Ian Griffiths fing auch schon 1987 an und zeichnet bis heute verantwortlich. Trotzdem ist er niemand, der sich nach den Schauen in Mailand vor dem Publikum verbeugt. Hat auch Laura Lusuardi nie gemacht. Die Marke soll für sich stehen. In der selbstverliebten Modeszene ist auch das eine Ausnahme.

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Natürlich sagt Laura Lusuardi, wenn ihr etwas nicht passt, sie ist schließlich Italienerin. Aber sie denkt vor allem ans Unternehmen, nicht an sich selbst. Mit dieser Haltung hat sie bei Max Mara ihr berufliches Glück gefunden. In den siebziger Jahren stand Sportmax zum ersten Mal auf dem Plan der Mailänder Modewoche. „Von den 44 Marken, die dort gezeigt haben, gibt es nur noch drei: Armani, Versace und uns.“ Und sie. Als Jean-Charles de Castelbajac von 1975 an fünf Jahre lang als Designer für die Marke tätig war, entwarf er die eine Hälfte, die kreative. Sie die andere, die verkäufliche. Zuvor arbeitete sie mit Karl Lagerfeld zusammen. „Man musste eine Beziehung zu diesen Persönlichkeiten aufbauen.“ Nähe stellt sie auch mit einer Geste her: Sie hakt sich gerne beim Gegenüber unter.

Trotzdem wusste sie immer, was sie will. Früher stellte der Vater nach Dienstschluss Fragen. Aus Sicht eines Händlers müsste Max Mara doch dieses oder jenes anders machen. Jetzt wiederholt sich die Geschichte. „Meine Tochter arbeitet nun auch für Max Mara, erst im Flagship-Store in Paris, dann in London, jetzt leitet sie das Geschäft in Rom.“ Und nun stellt sie die Fragen. „Ein echtes Flashback. Aber sie mag Mode so gerne wie ich, sie weiß sich anzuziehen, ihr Stil ist typisch Max Mara.“ Wie könnte es anders sein? „Ich sollte es nicht sagen, aber das macht mich glücklich.“

Denkt sie nach 53 Jahren in der Firma eigentlich irgendwann mal daran aufzuhören? „Das ist ja mein Leben. Ich habe hier mehr Zeit verbracht als zu Hause“, sagt sie auf dem Weg in die Kaffeepause, denn nach dem langen Reden braucht sie einen Espresso. „Vielleicht höre ich irgendwann auf, in einem Monat, in ein paar Jahren. Wer weiß.“ So lange hakt sich Laura Lusuardi unter und macht einfach weiter.

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