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Max-Mara-Chefin Laura Lusuardi : Die Frau und der Mantel

Achille Maramotti und die Schneidertochter Lusuardi hatten also einen ähnlichen Hintergrund. Die Mutter des Firmengründers hatte seit den dreißiger Jahren eine Schule für Schnittmacher geleitet, die Schwester brachte während des Kriegs ein Buch heraus, Anleitungen für Second-Hand-Mode. Es war die Zeit, als die Menschen noch zum Schneider gingen. Nach seinem Jurastudium wollte Maramotti Neues erfinden. Fortan sollten die Kunden ihre Kleider von der Stange kaufen. Der spanische Modeschöpfer Cristóbal Balenciaga war für ihn eine große Inspiration, die obere Mittelschicht seine Zielgruppe. Laura Lusuardi war die Frau, auf die er sich bei seinem Vorhaben verlassen konnte. Und die nächste Generation der Maramottis, die Söhne Luigi und Ignazio und die Tochter Ludovica, kümmern sich heute darum, dass das Familienunternehmen in globalisierten Zeiten Schritt hält.

Endlich koreanische Kleidung suchen

In diesen Wochen zum Beispiel präsentiert sich die Marke mit einer Ausstellung in Seoul - in Südkorea scheint das Interesse an Kamelhaarmänteln auch schon geweckt zu sein. Zur Ausstellung nimmt man sich nun noch einmal die vergangenen 66 Jahre der Marke vor. Laura Lusuardi freut sich auf die Reise, nicht nur wegen der Ehre. „So kann ich endlich mal nach traditionell koreanischen Kleidungsstücken suchen.“

In Seoul hängt der Mantel jetzt auch in Form einer Zeichnung im Museum.

Ihre große Leidenschaft, in vielen Ländern besondere Kleidungsstücke aufzustöbern und zu kaufen, hat Max Mara schließlich in Reggio Emilia ein dreistöckiges Archiv beschert, mit gut 20.000 Kleidungsstücken. In den Siebzigern ging die Jagd nach Originalen los, nach Seemanns-Strick aus Kopenhagen oder Jagduniformen aus Großbritannien. Lusuardi musste das alles erleben. Und kaufen. Und studieren. Und weiter reisen. Am Tag nach dem ersten Gespräch empfängt sie im Archiv, an einem mit Leder bezogenen Tisch, dessen Löcher noch an die Zeit erinnern, als sie hier Mäntel zurechtschnitten. Es ist noch vor neun Uhr, aber sie ist hellwach, obwohl es gestern beim Abendessen spät wurde. „Ich reise immer noch, und dann kaufe ich auch“, sagt sie, im Hintergrund ein meterhohes Regal mit Stoffproben, karmesinrotem Leinen, weißer Seide. Farbsystemanbieter hat man hier nicht nötig: „Pantone ist bei uns verboten. Wer eine Farbe sucht, bedient sich am Stoff.“ Wenn die Designer ein Streifenmuster brauchen, finden sie hier Dutzende. Die Hüterin der Mode aus anderen Zeiten hat alles zusammengestellt.

Fast drei Viertel der Vintage-Stücke hat sie auf ihren Reisen gesammelt, auf Märkten oder bei Fachhändlern. Als sie vor ein paar Jahren in Peking war, traf sie eine junge Frau, die sie in ihre Wohnung einlud. „Sie wohnte in nur einem Zimmer in einem riesigen grauen Gebäude. Auf dem Tisch lagen wunderbare alte chinesische Kleidungsstücke, die eigentlich in ein Museum gehören“, erinnert sich Lusuardi. „Es waren ihre Schätze.“ Den Gebäudekomplex verließ sie mit zehn Stücken. Im Laufe ihrer Karriere kaufte sie Kleider von Yves Saint Laurent, von Balenciaga, von vielen weiteren Marken. Oft fand sie erst später, bei der Recherche in den alten Magazinen im Archiv, heraus, um was es sich eigentlich handelte. Nach dem Tod von Coco Chanel erhielt Laura Lusuardi noch vor der Versteigerung Zugang zur Garderobe der Modemacherin. „Wir kauften einen Mantel, für den sich Mademoiselle Chanel von Militärparkas hatte inspirieren lassen.“

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