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Max-Mara-Chefin Laura Lusuardi : Die Frau und der Mantel

Noch heute nimmt sie ihren Job ernst - und lichtet jeden Max-Mara-Mantel ab. „Hier: die italienische Journalistin Tiziana Cardini, hier Carine Roitfeld.“ Da klingelt schon wieder ihr Handy, auf dem Display erscheint der Name Fede, ihre Tochter. Sie hebt ab, sagt zwei Sätze, legt wieder auf, und weiter. In dem Moment stoßen die Perlen ihrer Ohrringe an die dicke Kette, die sie aus China hat (überhaupt ist sie eine große Schatzsucherin). Dazu trägt sie ein graues Kostüm und graue Loafer.

Mit Stil die Karriereleiter hinauf

Es war die Art, wie sie sich kleidete, die ihr bei Max Mara zu einer Chance verhalf, damals in den Sechzigern. Seit 1911 führte ihr Vater in Reggio Emilia eine Stoffhandlung. Zu Beginn der fünfziger Jahre wurde daraus eine Schneiderei, und zum Ende des Jahrzehnts war er ein guter Kunde eines gewissen Achille Maramotti, der 1951 die Marke Max Mara gegründet hatte - benannt nach einem stilvollen Bewohner der Stadt namens Max und der Kurzform des Nachnamens Maramotti.

Laura Lusuardi wuchs mit Mode auf. Als es im Alter von 18 Jahren, 1964, um einen Job ging, stellten sich Vater und Tochter gemeinsam bei Maramotti vor. „Ich war sehr schüchtern und total ahnungslos“, sagt Lusuardi. „Aber zugleich hatte ich eine große Leidenschaft für Mode. Signore Maramotti hat das gesehen.“ Er verschaffte dem Mädchen eine Anstellung als Assistentin der Schnittmacher. „Es galt zuzuschauen und zuzuhören.“ Und Kaffee zu machen. „So wie damals in der Schneiderei meines Vaters.“ Es war zugleich das Jahr, in dem Achille Maramotti eine jüngere Linie lancierte. Der Name: Pop. „Ich war das Mädchen, das sich genau so angezogen hat.“ Ihr Look war Teil ihres Glücks. Als aus Pop 1969 Sportmax wurde, stieg Lusuardi auf zur Chefdesignerin.

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Ihr Stil und ihre Art passten ins Bild. Es sei Maramotti immer wichtig gewesen, dass seine Mitarbeiter offen sind. „Ich war schon damals weniger Designerin als Koordinatorin.“ Sie kannte also nach den paar Jahren nicht nur die Kundin und die Marke, sie hatte auch die Fähigkeit erworben, sich nicht aufzuspielen. „Ich konnte mit kreativen und mit Zahlenmenschen umgehen.“ Samstags half sie trotzdem weiter im Laden ihres Vaters aus. „Dort habe ich dann Max Mara verkauft“, erzählt sie und lacht.

Hätte sie sich jemals vorstellen können, im Familienbetrieb einzusteigen? „No! Bei Max Mara konnte ich mehr lernen.“ Und erfahren. Es war ja auch die Zeit der großen Umbrüche. „Die gesellschaftlichen Brüche haben meinen Job sehr verändert.“ Weil die Jugend zunehmend wichtiger wurde, kam es ja überhaupt erst zu Maramottis Initiativen für diese Zielgruppe. „1964 hat er auch seinen ersten Laden eröffnet, denn er wünschte sich den direkten Kontakt zu seinen Kunden.“ Das Geschäft legte er in seinem Heimatort an die Via Emilia, eine der alten Straßen aus der Zeit der Römer, die über 300 Kilometer von Piacenza bis nach Rimini reicht.

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