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Laufsteg-Flitzer : Goal! Goal! Goal!

Dabei: Miky dreht sich kameragerecht um und wird gleich vom Sicherheitsmann überwältigt. Bild: Getty Images

Ein Flitzer hat am Wochenende in Mailand die Mode-Rituale gestört. Splitternackt rannte er auf den Laufsteg der Herrenschau von Dolce & Gabbana. Nun spricht er erstmals über seine Motive.

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          Wo trifft man sich geheim in Mailand? Klar: vor dem Hauptportal des Doms. In der größten Öffentlichkeit, alte Agentenweisheit, kann man am besten Geheimnisse austauschen. Sicherheitskräfte geleiten Besuchermassen ins Gotteshaus, Touristen reiben in abergläubischem Trott an den Figuren der Dom-Tore, und eine Führerin bringt älteren Herrschaften den Duomo di Santa Maria Nascente bautechnisch näher: „Was für eine Ingenieursarbeit!“

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Der Satz könnte auch für den jungen Mann dort drüben gelten, groß, sportlich, dynamisch. Nicht nur für seinen Körperbau, sondern auch für seine Tat, die ihn in die Blätter und in die Geschichtsbücher rennen ließ: Am Samstag sprang er als vermutlich erster Flitzer der Modegeschichte auf den Laufsteg der Herrenschau von Dolce & Gabbana, im Schauensaal des alten Metropol-Theaters am Viale Piave, nur einen Kilometer Luftlinie vom Dom entfernt.

          Nennen wir ihn Miky, denn nur so nennt er sich auch. Also nicht Micky, sondern Miky, ausgesprochen Maiki. Er ist, erste Überraschung, ein Deutscher, ein Berliner natürlich, der aus dem Westen Deutschlands stammt. Und das vorweg: Miky ist nicht in erster Linie ein politischer Mensch, auch wenn er ein T-Shirt mit der Aufschrift „Free Bradley Manning“ trägt. Mit den Femen-Aktivistinnen, die sich neuerdings bei allen möglichen politischen Treffen ausziehen, hat er nichts zu tun. Er versteht seine Mode-Aktion als Entertainment mit künstlerischem Anspruch. „Flitzer kannte man bisher nur aus dem Fußball“, meint er. „Und wir haben eine Symbiose aus Fußball und Fashion geschaffen. Wir protestieren nicht. Wir wollten nur zwei Sphären durch einen künstlerischen Akt miteinander vermischen.“

          Danach: Miky, der als Tätowierung keine politische Botschaft trägt, erklärt seine Motive.
          Danach: Miky, der als Tätowierung keine politische Botschaft trägt, erklärt seine Motive. : Bild: Yavidan Castillo

          Miky spricht, obwohl er in ein paar Sekunden weltbekannt wurde, nicht im Pluralis majestatis. Mit „Wir“ meint er sich und seine beiden Freunde vom Männermode-Blog „Dandy Diary“, David Kurt Karl Roth und Carl Jakob Haupt, zwei ziemlich coole und ziemlich tätowierte Typen, beide um die 30, wie Miky. So berühmt wie berüchtigt wurden die beiden Blogger durch ihre Partys zur Eröffnung der Berliner Modewoche, die jeweils für einige Gäste auch das Ende der Berliner Modewoche bedeuteten. Daran hat Miky ebenfalls mitgewirkt.

          In diesem Laboratorium der Häresie entstand die gotteslästerliche Idee, den Laufsteg zu stürmen. „Die Mode ist sehr steif“, meint Miky über die Rituale. „Das wollten wir mal auflockern.“ Bevor also Domenico Dolce und Stefano Gabbana nach ihrer Schau für Frühjahr und Sommer 2014 in trauter Eintracht den Laufsteg betraten, um quasi-göttlich die Huldigungen der Gläubigen entgegenzunehmen, lief da plötzlich laut schreiend ein Ketzer auf die Bühne. Es waren aber keine irrgläubigen Verwünschungen, die er ausstieß, nur die oft wiederholten Worte: „Goal! Goal! Goal!“

          Dieser Treffer erforderte Mut und Vorbereitung. Miky ging, bekleidet nur in Turnschuhen (Kangaroos), Sonnenbrille (Tom Ford) und Trenchcoat (Weekday) zum Einlass der Schau. Eine Einladungskarte hatte er nicht dabei. Aber er nannte einen sicheren Namen: Tobias Frericks. Denn es war klar, dass der Modechef der deutschen „GQ“ auf der Liste der Eingeladenen stehen würde. Und wirklich: Statt sich über den Trenchcoat bei rund 30 Grad zu wundern, winkte man Miky hinein. Der wahre Tobias Frericks kam später mit seiner Einladungskarte ebenfalls hinein. Um die Aktion für „Dandy Diary“ ausschlachten zu können, musste auch ein Kameramann ins Allerheiligste. Bis zu 800 Euro bot man den Wartenden vor der Tür für ein Ticket. Am Ende reichten 200 Euro, die ein Italiener dankend annahm.

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