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Lars Eidinger im Interview : „Die ,Bravo‘-Poster waren für mich Ikonen“

Vielleicht wäre das hier ein Motiv für das Poster: Der Berliner Schauspieler Lars Eidinger war im März 2015 – unter anderem in einem sandfarbenen Anzug von Calvin Klein – Protagonist des F.A.Z.-Magazins. Damals kam er sogar aufs Cover. Ob das nun auch in der „Bravo“ passiert? Bild: Markus Jans

Lars Eidinger wird dank Gregor Gysi Bravo-Poster-Boy. Warum will das ein gelernter Theaterschauspieler überhaupt? Ein Interview über Eitelkeit, Jugendkultur und seinen Erfolg auf Instagram.

          Herr Eidinger, herzlichen Glückwunsch. Die „Bravo“ hat auf Twitter abstimmen lassen, ob die Leser der Jugendzeitschrift Sie gerne auf einem der legendären Poster sehen wollen – rund 90 Prozent von etwa 8000 Teilnehmern sind dafür. Am 16. Januar soll das Poster erscheinen. Freuen Sie sich?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Total, es ist verrückt. Ich weiß gar nicht, ob die damit gerechnet haben. Diese Abstimmung wurde vielleicht eher in der Hoffnung gemacht, dass sich keiner beteiligt. Mich hat es sehr gefreut, wie viele Leute mitgemacht haben. Es ist schön zu sehen, dass sie mir zugewandt sind, dass sie den Spaß durchschauen und mir das gönnen. Das ist alles daraus entstanden, dass ich mit Gregor Gysi bei seiner Reihe „Missverstehen Sie mich richtig“ darüber gesprochen habe, woher bei mir der Wunsch kam, Schauspieler zu werden. Für mich waren die Poster in der „Bravo“ dabei ganz wichtig, das waren meine Ikonen, Götter, die ich als Jugendlicher angebetet habe. In den Achtzigern waren viele Kinderzimmer tapeziert mit den Postern, bei mir sah das aus wie ein Schrein. Mein größter Held war Morten Harket, der A-ha-Sänger. Ich habe Herzklopfen bekommen, wenn es von ihm ein neues Poster gab. Das hatte schon etwas Erotisches. Die Plakate habe ich fein säuberlich rausgetrennt und aufgehängt. Wenn man den ganzen Tag in diese Gesichter blickt, stellt sich irgendwann die Frage, ob man sich damit begnügt, ewiger Fan zu bleiben. Oder ob man auch Popstar werden will.

          Gysi hat in einem Brief an die „Bravo“ geschrieben, dass Sie „ein sehr erfolgreicher junger Schauspieler“ seien, gerne aufs Poster wollen und die „Bravo“- Leser da durch müssten. Glauben Sie, dass die Sie überhaupt kennen?

          Auf gar keinen Fall. Das ist gerade der Spaß daran – sie mit Hochkultur zu konfrontieren. In dieser Kulturblase macht man sich immer etwas vor. In den massenwirksamsten Medien komme ich nicht vor, weil ich sie meide. Ich merke das, wenn ich mal Fernsehen mache, wie viel größer die Aufmerksamkeit gleich wird. Zu einer Hamlet-Vorstellung kommen 500 Leute, wir haben es jetzt an der Schaubühne zwar über 300 Mal gespielt, aber trotzdem ist das überschaubar. Und ein Poster, auf dem ich als Hamlet zu sehen bin, anstatt Madonna Louise Ciccone als Madonna, würde mir gefallen. Das wäre eine spannende Schnittstelle zwischen Hoch- und Popkultur. Zwischen E und U sozusagen. Natürlich ist die ganze Aktion auch extrem eitel, im Sinne von nichtig. Aber es beeindruckt mich zu sehen, welche virale Potenz ich habe, als jemand, der gerade mal seit zwei Jahren bei Instagram ist. Manche haben sich extra bei Twitter angemeldet, um an der Abstimmung teilnehmen zu können, nachdem ich den Link gepostet hatte. Daraus leitet sich natürlich auch eine Verantwortung ab, seinen Einfluss zu nutzen, um sich für etwas Sinnstiftendes wie Ökologie oder gegen Rechtsextremismus und konkret die AfD auszusprechen.

          Ist Ihre rege Aktivität auf Instagram der Versuch, eine andere Zielgruppe zu erreichen?

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