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Masken für Japans Sommer : Lange Schlangen für Atemschutzmasken der Sonderklasse

Großer Andrang bei Uniqlo im Tokioter Shoppingviertel Ginza, wo am Freitag besondere Atemschutzmasken verkauft wurden. Bild: AFP

Im Kampf gegen das Coronavirus zeigt sich Japans Erfindungsgeist: Atemschutzmasken gibt es von Uniqlo aus Unterwäschestoff, Mizuno setzt auf Schwimmanzugmaterial. Doch die neue Coronavirus-Warn-App wurde von einem ausländischen Unternehmen programmiert.

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          Japan rüstet gegen das Coronavirus auf. Am Freitag stellte die Regierung ihre Coronavirus-Warn-Applikation zur Verfügung, die wie in Deutschland oder anderen Ländern Nutzer auf anonyme Art und Weise über mögliche Infektionsrisiken informieren soll. Über das Nutzerinteresse der Japaner lässt sich noch nicht viel sagen. Interessenten wurden noch am Freitagabend Ortszeit abgeschreckt, weil das Programm in den „App-Stores“ auf den Handys noch nicht zu finden war.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Einen großen Zuspruch fand dagegen eine privatwirtschaftliche Initiative: Vor den Geschäften des Einzelhändlers Uniqlo bildeten sich schon am Morgen lange Schlangen, wobei die Regeln des sozialen Distanzhaltens nicht mehr viel galten. Uniqlo verkaufte erstmals besondere Atemschutzmasken, die im heißen Sommer das Gesicht kühlen und besonders schnell trocknen sollen. Nach wenigen Stunden war die erste Charge in Tokios Einkaufsvierteln Shibuya und Ginza ausverkauft. Auch der Verkauf im Internet war völlig überlastet.

          Die dreilagige Maske mit einem Flies gegen Bakterien und Viren ist zum Teil aus dem speziellen Material gefertigt, das Uniqlo für seine leichte und in Japan beliebte Sommerunterwäsche verwendet. Das Unternehmen verspricht so einen hohen Tragekomfort auch im Sommer. Ein stundenlanger Selbstversuch am Freitag im warmen Regenwetter bestätigte das nur zum Teil. Auch Uniqlo hat das Problem nicht gelöst, dass Brillenträger ständig durch beschlagene Gläser schauen, wenn sie mit Atemschutzmasken ihren Beitrag gegen die Verbreitung des Virus leisten wollen.

          Die dreilagige Maske mit einem Flies gegen Bakterien und Viren soll besonders für den feuchtwarmen japanischen Sommer geeignet sein.

          Uniqlo lässt nach eigenen Angaben 500.000 Masken je Woche in China produzieren. Ein Set von drei der waschbaren und wiederverwendbaren Masken kostet 990 Yen (8,25 Euro). Fast Retailing, das Unternehmen hinter Uniqlo, will die Masken auch im Ausland anbieten.

          Mit künstlicher Intelligenz zum besseren Händewaschen

          Fast Retailing ist nicht das einzige japanische Unternehmen, das mit extra angefertigten Atemschutzmasken vom Kundenandrang überrannt wird. Als der Elektronikhersteller Sharp im April über das Internet selbst hergestellte einfache Masken anbot, brach sein Online-Handel zusammen. Sharp wechselte später zu einem Lossystem, um die Masken zu verkaufen. Auch der japanische Sportbekleidungshersteller Mizuno eröffnete am Freitag eine Internet-Lotterie, um eine Charge von 870.000 Atemschutzmasken zu verkaufen. Die Masken mit unterschiedlichen Mustern sind aus dem Stoff von Schwimmanzügen gefertigt und schmiegen sich eng an das Gesicht an. Mizuno verspricht für ein besonderes Modell für 1320 Yen (11 Euro) je Stück gute Durchlässigkeit für Hitze und Schweiß im schwülen japanischen Sommer.

          Nach wenigen Stunden war die erste Charge der Uniqlo-Masken in Tokios Einkaufsvierteln ausverkauft.

          Der große Andrang auf die besonderen Gesichtsschutzmasken gründet mittlerweile nicht mehr auf einem Angebotsmangel. Einfache Masken, wie sie in Japan oft gegen Pollen oder in der Erkältungssaison getragen werden, sind mittlerweile wieder ohne Engpässe billig zu kaufen. Der Trend zu den Spezialmasken bestätigt eher das japanische Kundeninteresse an qualitativ verfeinerten hochwertigen Produkten. Das gilt auch für andere Bereiche der Vorbeugung gegen das Virus. Fujitsu etwa hat ein System entwickelt, das mit künstlicher Intelligenz prüft, ob sich die Menschen hinreichend gut und intensiv gemäß den Empfehlungen des Gesundheitsministeriums die Hände waschen. Das Gerät kann sogar feststellen, ob der Händewaschende Seife verwendet oder nicht. Ob die Maschine auf den Markt gebracht werden soll, ist indes noch nicht entschieden.

          Japans Corona-App wurde von Microsoft entwickelt

          Weniger spektakulär präsentiert sich die japanische Corona-Warn-App, die den etwas umständlichen Namen „Covid-19 Kontakt-Bestätigungs-App“ trägt. Von Microsoft im Auftrag des japanischen Gesundheitsministeriums entwickelt, baut sie auf dem technischen Rahmen der Technologie-Unternehmen Apple und Google auf und unterscheidet sich so kaum von dem deutschen Gegenstück. Nutzer werden gewarnt, wenn sie sich in den vergangenen 14 Tagen für mindestens 15 Minuten im Umkreis eines Meters von einer infizierten Person aufgehalten haben. Das deutsche Robert-Koch-Institut hat da ein komplexeres Bewertungsschema entwickelt.

          Die japanische Regierung hat ihre Corona-Warn-App nach einiger Verzögerung genau an dem Tag veröffentlicht, an dem die Empfehlung fiel, auf nicht dringend notwendige Reisen innerhalb Japans zu verzichten. An den Flughäfen und Bahnhöfen Japans zeigte sich wieder mehr Leben und Gedränge. Die Baseball-Liga begann mit Spielen ohne Zuschauer. Vergnügungsparks öffneten. Nachtklubs und Live-Musikveranstaltungen dürfen wieder in einem begrenzten Rahmen öffnen.

          Die Regierung hofft, dass mit der „App“ Infektionsherde schneller aufgespürt und eingedämmt werden können. Wie in Deutschland wird es aber schwer sein, die als notwendig erachtete Quote zu erreichen, wonach 60 Prozent aller Japaner das Programm nutzen sollen. Auch in Japan werden Datenschutzbedenken gegen das Programm laut. „Seien Sie versichert, dieses Programm sammelt keine privaten Informationen“, betonte Ministerpräsident Shinzo Abe. „Bitte laden Sie die App herunter.“

          Während die deutsche Corona-Warn-App nüchtern ein C mit einem stilisiert-bedrohlichen Coronavirus zeigt, zeigt das japanische App-Symbol ein stilisiertes Paar, das im Tanz mit den Körpern ein Herz formt. Das soll wohl andeuten, dass die Nutzung des Handy-Programms wieder mehr zwischenmenschliche Kontakte ermöglicht.

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