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Lampen-Hersteller Occhio : Die neue Lightkultur

Sento: Der Kopf der Leuchte ist abnehmbar. Bild: Hersteller

Vor 20 Jahren gründete Axel Meise die Münchner Marke Occhio. Im Programm hat er nur drei Leuchtenserien, die überall einsetzbar sind. Sie brillieren vor allem mit technischem Raffinement.

          4 Min.

          Der Film beginnt mit Sofia Boutella, der algerischen Schauspielerin, die durch „Star Trek Beyond“ bekannt wurde. Dann ist der Däne Mads Mikkelsen („James Bond 007: Casino Royale“) zu sehen. Sie wird geschminkt, für ihren Auftritt als Tänzerin. Er ist im Büro und schreibt ihr, noch bevor sie auf die Bühne geht, per Smartphone eine Nachricht: „Tut mir leid, mein Schatz, ich schaffe es nicht – Arbeit.“ Sie geht auf die Bühne und tanzt unter leuchtenden Ringen, bekommt nach ihrem Auftritt einen Zettel zugesteckt: „Mitternacht“. Er schafft es also doch – und kündigt sich an, indem er von Ferne per iPad ein Licht in ihrer Wohnung erstrahlen lässt.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Zweieinhalb-Minuten-Film nennt sich „The Charm“. Er ist kein Kinofilm, sondern gut verpackte Werbung. Es geht um Licht, um Leuchten von Occhio, die mit technischer Raffinesse verzaubern wollen. Im Vorbeigehen lassen sie sich an- und ausschalten, eine Geste reicht, und sie werden gedimmt. Über eine App lässt sich die Farbtemperatur der LEDs einstellen, lassen sich Lichtstimmungen gestalten. Boutella und Mikkelsen zeigen das ganz nebenbei, mit einer zufälligen Bewegung beim Tanz, einer kurzen Berührung oder einem sanften Wisch übers iPad.

          „Unternehmerisch war der Film ein Risiko“, sagt Axel Meise. Vor allem, weil er teuer gewesen sei: Ein hollywooderprobtes Gespann wie Mads Mikkelsen und Sofia Boutella bekomme man nicht für wenig Geld. Vor zwei Jahren wurde gedreht, und der Film erregte, wie erwartet, Aufsehen. Meise ist auch nicht unzufrieden. Über den Kosten-Nutzen-Effekt könne man diskutieren, sagt der Gründer und Geschäftsführer von Occhio. Der Film, der in Endlosschleife im Flagship-Store an der Brienner Straße in München läuft, habe die Marke allerdings vorangebracht. Und das rechtzeitig vor ihrem Jubiläumsjahr: Axel Meise hat das Unternehmen vor 20 Jahren gegründet.

          Den Technologiewandel genutzt

          Zusammen mit seiner Frau Susann, mit der er vier Söhne großgezogen hat, ist Axel Meise Mehrheitsgesellschafter von Occhio. 2017 stieg das in London und München ansässige Beteiligungsunternehmen EMH Partners ein, das neues Kapital mitbrachte. Occhio, das 150 Mitarbeiter hat, 80 allein in München, gehörte aber auch vorher schon zu den wachstumsstärksten Unternehmen der Lichtbranche, wie der Geschäftsführer sagt.

          „Licht bedeutet Lebensqualität“, sagt Meise. Das merke man nicht zuletzt in der dunklen Jahreszeit. „Im November kaufen sich die Menschen vier Mal mehr Licht als im August.“ Licht in jeder Form, von Kerzen bis Strahlern.

          Axel Meise hat früh seine Liebe zum Licht entdeckt. Schon mit 15 Jahren begann er, Leuchten für den privaten Gebrauch zu bauen. „Ich hatte eine eigene Wohnung im Haus meiner Eltern in Düsseldorf“, erzählt er. „Und die wollte ich optimal ausleuchten.“ Er setzte sich mit den Räumen auseinander, der Architektur, der Atmosphäre, seinem Lebensgefühl. Das passende Licht fand er nicht, er musste es selbst erschaffen.

          Im Licht: Axel Meise setzt auf ein ganzheitliches System. Die Mito soffitto kann an der Decke und an der Wand hängen.

          Die Leuchten, die entstanden, versuchte er als Student dann auch zu verkaufen. Meise war 1982 nach München gegangen, um Maschinenbau an der Technischen Universität zu studieren. Mit dem Vordiplom war aber Schluss, denn es war ein Technologiewandel im Gange, den er unternehmerisch nicht verpassen wollte, von der Glüh- zur Halogenlampe mit ihren Seilsystemen. Strom zum Anfassen, wie er sagt. Auch er verfiel dem „Halogenfieber“ und gründete eine Firma, die Axel Meise Licht GmbH. 1987 stellte er sein Niedervoltsystem auf einer Messe vor.

          Die zweite Lichtrevolution

          Der Aufbruchzeit aber folgte der Niedergang. Meise musste seine Firma verkaufen und neu beginnen. Er arbeitete eine Zeitlang im Einzelhandel. Dabei stellte er fest, dass es kein ganzheitliches Leuchtensystem gab. Wer sein Haus, sein Büro, sein Hotel mit Leuchten ausstatten wollte, musste viele ganz unterschiedliche Produkte zusammenwürfeln. „Da setzte ich an. Mir schwebte eine Leuchte vor, die das richtige Licht für jede Situation bietet und durchgängig gestaltet ist für alle Lebensbereiche.“

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