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Label „Comme il faut“ : Fashion und Feminismus

  • -Aktualisiert am

Politisch, korrekt, elegant: „Comme il faut“ ist bekannt für exklusives Design Bild: Anna Yam

Das Label „Comme il faut“ aus Israel entwirft hochpreisige Damenkleidung. Die Gründerin, Sybil Goldfainer, will Kleidung und den Kampf um Frauenrechte vereinen. Das allerdings stößt in Israel auf viel Kritik.

          Der Flagshipstore von „Comme il faut“ befindet sich in einem ehemaligen Fischerhaus am Hafen von Tel Aviv. Ebenerdig und lichtdurchflutet, ist der Laden im Stil von Beton, Holz und Glas geprägt. Von außen wirkt er unscheinbar, ohne einen richtigen Anstrich sieht er fast ein bisschen vernachlässigt aus. Aber das passt, denn auch wenn der Norden Tel Avis eine exklusive Gegend ist, der Hafen ist für alle da.

          Sybil Goldfainer sitzt dort mit einem Kaffee vor ihrem Laden. Sie hat „Comme il faut“ vor sechzehn Jahren gegründet und es nicht nur zu einer der bekanntesten Modemarken in Israel gemacht, sondern ein kleines Imperium aufgebaut: Neben der Boutique gibt es nämlich am Hafen noch ein Restaurant, einen Spa, einen Sexshop, eine Galerie und eine Bibliothek. Die 58 Jahre alte Geschäftsführerin ist ungeschminkt, trägt eine Bluejeans und bequeme Stiefel. Als ihr kalt wird, nimmt sie kurzerhand eine Wollweste aus dem Regal in ihrem Laden und wirft sie sich um die Schultern. In Israel mag man es leger – auch als Chefin.

          Exklusives Design nur ein Teil des Konzepts

          Alles begann ganz unspektakulär: 1988 nahm sie mit ihrer besten Freundin, Carol Godin, einen Kredit für eine Nähmaschine auf und gründete das Unternehmen. Damals war Goldfainer 31 Jahre alt, hatte Betriebswirtschaft studiert und wollte ihr eigener Herr sein. Godin war die Chefdesignerin, Goldfainer die Geschäftsfrau. Vor zwölf Jahren gingen die Frauen beruflich getrennte Wege. Seitdem führt Goldfainer die Firma alleine, wechselnde Designerinnen prägen die Kollektionen.

          Die Firma ist bekannt für ihr exklusives Design: jung, eigenwillig und elegant, dabei aber tragbar und schlicht. Doch das ist nur ein Teil des Konzepts: Alles, was „Comme il faut“ im Angebot hat, ist politisch und korrekt: Es gibt eine Ecke mit Fair-Trade-Artikeln, darunter handgefertigte Textilien von drusischen Frauen – einer Minderheit in Israel. An den Wänden hängt feministische Kunst, die den Machismo der israelischen Männer ironisiert. Der Sexshop ist „female friendly“, was bedeutet, dass die Artikel auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten sind. Und der Spa ist eine männerfreie Zone. „Comme il faut“ ist ein Laden von Frauen für Frauen.

          Goldfainer bezeichnet sich selbst als Feministin: „Am Anfang ging es nur um Mode, aber im Laufe der Zeit wurde das Konzept politischer.“ Sie hat immer wieder erlebt, wie Frauen vor dem Spiegel standen und sich zu dick oder hässlich fühlten. Für Goldfainer schließt es sich deshalb nicht gegenseitig aus, Mode zu machen und feministisch zu sein: „Der Feminismus der frühen Stunde hat auf Schönheit abfällig herabgesehen. Doch das ist falsch, denn mit unserem Aussehen sind wir Frauen doch ständig beschäftigt.“ Die Modeindustrie kontrolliere Frauen und werde meistens von Männern geführt, sagt Goldfainer. Bei „Comme il faut“ sind knapp 90 Prozent der Angestellten Frauen, bei gleicher Eignung wird die Frau bevorzugt. Goldfainer sieht das als Beitrag zur Chancengleichheit.

          „Comme il faut“-Gründerin Sybil Goldfainer Bilderstrecke

          Israelisch-palästinensische Konflikt ist immer wieder Thema

          Seit mehr als 15 Jahren hat die Firma eine politisch-feministische Agenda, das sieht man auch den Modekatalogen an. Vor ein paar Jahren präsentierten männliche Models die Frauenmode von „Comme il faut“, im selben Katalog hatte ein weibliches Model seine Beine nicht rasiert. Das war selbst für die Kundinnen von „Comme il faut“ zu viel: „Manche Kundinnen beschwerten sich, dass die Fotos einfach ekelhaft seien. Das war dann doch zu verstörend für die meisten“, sagt Goldfainer. Also schließen sich Mode und Feminismus doch aus? „Ich denke, dass sich die meisten Kundinnen mit unserem Konzept identifizieren, sonst würden sie wahrscheinlich hier nicht kaufen. Das Wichtigste für uns als kleines Label ist, dass wir Aufmerksamkeit bekommen.“

          Das erinnert an Benetton: Das italienische Modelabel machte seit den späten achtziger Jahren immer wieder mit politischen, teils schockierenden Kampagnen auf sich aufmerksam. In dieser Tradition sieht Goldfainer „Comme il faut“ aber nicht: „Der Unterschied zu Benetton ist, dass wir wirklich politisch sind. Uns geht es nicht nur um die Kampagne.“ Einmal hat die Firma BHs von Kundinnen gesammelt und diese an Prostituierte gespendet – „Mavirot“ hieß das auf Hebräisch: Die Frauen übergeben es.

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