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Krizia-Gründerin gestorben : Auch sie entwarf Italien

Abschlussapplaus für Mariuccia Mandelli (hier beim Vorstellen der Herbst-Winter-Kollektion für ihr Label Krizia in Mailand 2006) Bild: AFP

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang arbeitete Designerin Mariuccia Mandelli mit am italienischen Modewunder. Nun ist die Gründerin der Marke Krizia gestorben.

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          Noch in der Nachricht von ihrem Tod steckt eine modische Botschaft. Mariuccia Mandelli, die Gründerin der italienischen Modemarke Krizia, so wurde am Montag gemeldet, starb am Sonntagabend im Alter von 90 Jahren. Dabei war sie nach offiziellen Angaben erst 1933 in Bologna geboren worden. Der schöne Schein – er ist nur scheinbar schön.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Aber es geht nicht anders in der italienischen Modebranche. Schon die Gründerväter von Roberto Cavalli bis Giorgio Armani werden immer jünger. Wie geht es da erst den Gründermüttern! Von Rosita Missoni bis Mariuccia Mandelli und – in der Generation danach – von Alberta Ferretti bis Miuccia Prada entwerfen sie sich immer wieder neu.

          Die Mode nimmt das Kommende vorweg

          Vielleicht wollte Mariuccia Mandelli einfach nur genug  Zukunft vor sich haben. Denn daran hat sie immer geglaubt, wie so viele Modeschöpfer, die in den Fünfzigern und Sechzigern begannen: dass die Mode das Kommende vorwegnimmt. Leider hat sie daran auch noch bis ins letzte Jahrzehnt geglaubt, als futuristisch glitzernde „space fashion“ nur noch alt aussah.

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          Im Jahr 1954 gründete Mariuccia Mandelli, die nur kurz als Lehrerin gearbeitet hatte und schnell ihrer Liebe zur Mode nachgab, die Marke Krizia. Die Kleider packte sie, wie es zu einem ordentlichen Gründungsmythos gehört, in ihren Fiat 500, um sie in den besten Boutiquen Italiens vorzustellen. In den Sechzigern wurde sie für ihre jugendlich frische Mode berühmt – mit Leoparden- und Tigermotiven, runden Formen à la „egg shape“, neuen Materialien wie Kork oder Gummi und unerhörten „hot pants“.

          Der Aufstieg Mailands zur zweitwichtigsten Modestadt war ihrer Generation zu verdanken, also neben ihr Armani, Ferrè, Versace. In ihren besten Zeiten in den Neunzigern erwirtschaftete die Marke, die sie mit ihrem Mann Aldo Pinto betrieb, Umsätze von umgerechnet 500 Millionen Dollar im Jahr. Mit dem Alter begann der langsame Abstieg – mit weniger lukrativen Lizenzen, weniger Kunden, immer weniger Geschäften.

          Einen Mehrheitsanteil der Krizia SpA hat Mariuccia Mandelli vergangenes Jahr an den Modehändler Shenzhen Marisfrolg Fashion verkauft, der nun die Expansion der Marke in China voranzutreiben versucht. Aber während Marken wie Armani und Versace dank der weiter wirkenden Gründerfamilien blühen, sieht man am Beispiel von Ferrè, dass ein Neuanfang ohne Nachfahren nicht so einfach ist. Ohne Familie geht es in Italien eben einfach nicht.

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