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Kreativdirektor von Loewe : Kein Kompromiss

Schaut weder nach links noch nach rechts, sondern geradeaus: Jonathan Anderson, der Kreativ-Direktor der Marke Loewe Bild: Hersteller

Jonathan Anderson weiß, wie Luxuskunden ticken. Der Kreativ-Direktor von Loewe, der auch mit seiner eigenen Marke Erfolg hat, ist der nächste große Mann im Modedesign. Ein Treffen in Madrid.

          9 Min.

          Jonathan Anderson schaut weder links noch rechts, auch nicht an diesem frühen Montagmittag. Ein Industriegebiet im kleinen Ort Getafe, eine halbe Autostunde südlich von Madrid. Riesige Klötze stehen hier, ein Lastwagen-Fuhrpark, der Sitz eines Transportunternehmens. Vor einem Gebäude mit begrüntem Zaun und schwarzem Schild mit weißer Schrift hält an diesem Mittag ein Taxi.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jonathan Anderson steigt aus, dicke Kopfhörer auf den Ohren, in der Hand eine Reisetasche. Er geht an dem schwarzen Schild mit der weißen Aufschrift vorbei, lässt die Rezeption links liegen und steuert geradewegs auf das Herz der Fabrik zu, dorthin, wo die Taschen gefertigt werden.

          Jonathan Anderson schaut weder links noch rechts, sondern geradeaus. Während andere noch am Empfang Hände schütteln würden, ist er an diesem Mittag schon bei den Taschen. Mit seiner direkten Art hat er die Marke Loewe innerhalb weniger Saisons in die erste Liga der Mode geführt - so dass immer mehr Leute darin tatsächlich eine ernstzunehmende spanische Antwort auf Hermes sehen. Gerade weil der Designer geradeaus schaut, scheint er zu wissen, wie Luxuskunden ticken.

          Das beste Beispiel für Luxus

          Und das, obwohl sie in Zeiten wie diesen viel mehr gucken als kaufen. Die morgendliche Dosis Instagram als bescheidene Alternative zum monatlichen Besuch der Shoppingmeilen - die Fakten lassen es zumindest vermuten. Irgendwas ist überall: das verlangsamte Wachstum in China, noch vor gefühlt zehn Minuten Hoffnungsmarkt; Russland geht es schlecht; selbst arabische Kunden lassen ihr Geld wegen des gesunkenen Öl-Preises nicht mehr so leichtfertig bei europäischen Luxusmarken; Brasilien erlebt eine der schwersten Rezessionen seiner Geschichte und ist nicht das einzige südamerikanische Sorgenkind. Bleiben vor allem Europäer und Amerikaner, die aber längst von Luxus übersättigt sind.

          Im Geschäft von Loewe in der Madrider Innenstadt geht es an diesem Montag trotzdem zu wie in einem Bienenkorb. Alle paar Minuten hat eine weitere Puzzle Bag, aktuell das bekannteste und beliebteste Modell aus Andersons Werkstatt, einen neuen Besitzer. Bei seinen Fisherman Pants, einer verkürzten Jeans mit weitem Bein, der Elefanten-Tasche in Babypink oder auch nur einer Sonnenbrille in Mattgold werden selbst Asiaten schwach, die gerade eigentlich weniger Geld übrig haben, und Europäer, die meinen, schon alles zu besitzen.

          Jonathan Andersons Teile sind schließlich das beste Beispiel für Luxus, der sich nicht allzu viel aus Geschlechtervorgaben macht. Es ist eines der großen Themen unserer Zeit, was nicht bedeuten soll, dass die Stücke einfach plump geschlechtslos sind, im Gegenteil. Eine Frau sieht in einer silbernen weiten Hose mit Kroko-Prägung zum lockeren Hemd zum großen Ohrring wie eine wunderschöne Frau aus. Und Männern dämmert es in maxirockweiten Hosen zu weichen Mänteln mit Fliesendruck zu kreisrunden Schmuck-Sonnenbrillen, dass Mode mehr ist als feine Stoffe und gute Schnitte. Zu den feinen Stoffen und guten Schnitten passen all diese Teile trotzdem wie Versatzstücke.

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