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Slimane verlässt YSL : Fin Laurent

Rundum-Erneuerer: Hedi Slimane Bild: AFP

Nach vier erfolgreichen Jahren packt Hedi Slimane bei Yves Saint Laurent endlich seine Sachen. Als Nachfolger für den Posten des Kreativdirektors der Marke werden zwei Belgier gehandelt.

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          Vielleicht fiel ihm einfach nichts mehr ein. Nach einer der letzten Schauen von Hedi Slimane für Saint Laurent sagte Catherine Deneuve, eine Muse von Yves Saint Laurent: „Er bleibt sich treu.“ Zehn Meter weiter sagte Salma Hayek, die Frau von François-Henri Pinault, dem Besitzer des Saint-Laurent-Mutterkonzerns Kering: „Er bleibt sich treu.“ Ein zwieschlächtiges Kompliment! Denn es hieß auch: Er ändert sich nicht. Und: Das geht nicht mehr lange gut.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Am Freitag gab der Kering-Konzern schließlich bekannt, dass der Designer geht. Nach vier erfolgreichen Jahren bei dem Pariser Modehaus hört Hedi Slimane endlich auf. Endlich, weil es ihm am Ende vermutlich selbst zu viel wurde, auf seinem eigenen Mythos herumzureiten und dabei einen größeren Mythos zu übergehen. Endlich auch, weil nach der Anfangsbegeisterung zuletzt Ennui herrschte, die Gewissheit, dass nun nichts Neues mehr kommen würde.

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          Der schon seit Monaten prognostizierte Weggang trifft die Modeszene in einem denkbar schlechten Augenblick. Die wirtschaftlichen Aussichten sind wegen der schwierigen Märkte Russland und China durchwachsen. Die französischen, italienischen und amerikanischen Luxusmarken profitieren zwar noch vom schnellen Ausbau ihres Ladennetzes, das die Umsätze automatisch wachsen lässt – aber der anhaltende Erfolg der Fast-Fashion- und der Online-Händler macht auch bekannten Marken zu schaffen, weshalb viele Designer resigniert das Weite suchen.

          Die große Hoffnung

          Bei Hedi Slimane war das Ende im Anfang schon inbegriffen. Als er im März 2012 begann, war der Designer, der mit den eng geschnittenen Anzügen für Dior Homme die Männer-Silhouette des Jahrzehnts geschaffen hatte, die große Hoffnung. Er musste den Mythos unterlaufen und zugleich überbieten. Das tat er sogleich mit Lumber-Jackets, Lederjacken, Miniröcken, Smokey Eyes und rockiger Musik: So überhöhte er eine kurze Epoche des wahren Yves Saint Laurent zum Dauerthema. Und dass er den Markennamen zu Saint Laurent verkürzte, sah man als Sakrileg am heiligen Yves.

          Die Journalisten waren entsetzt, die Kunden begeistert. Der Umsatz der Marke wuchs von 353 Millionen Euro (2011) auf 974 Millionen Euro (2015), wird sich also in diesem Jahr im Vergleich zu 2011 verdreifacht haben. Die Modewelt begeisterte das so sehr, dass man nun auch für weitere originelle Berufungen den Mut fand: Ohne Slimane wären Alessandro Michele als Chefdesigner bei Gucci oder Demna Gvasalia bei Balenciaga kaum denkbar. Für Slimane, der ein Gespür für Revolutionen hat, bedeutete der Erfolg von Michele und Gvasalia im vergangenen Jahr, dass es nun Zeit war zu gehen.

          Nachfolger: Anthony Vaccarello oder Raf Simons?

          „Was Yves Saint Laurent in den vergangenen vier Jahren erreicht hat, wird als einzigartiges Kapitel in der Geschichte des Hauses in Erinnerung bleiben“, teilte François-Henri Pinault am Freitag mit. Aus den Schwaden der Selbstbeweihräucherung tritt hier eine wichtige Botschaft hervor: „Saint Laurent“ nennt der Konzernchef nun wieder „Yves Saint Laurent“. Außer der allgemeinen Trauer, die nun herrscht, ist also auch Erleichterung zu spüren.

          Und Spannung natürlich. Denn die Nachfolgefrage ist mittlerweile, wie man bei Dior sieht, zu einem wichtigen Marketinginstrument geworden: Monatelang wird man vor Vorschlägen nicht mehr sicher sein. Einer der Anwärter ist der belgische Modedesigner Anthony Vaccarello, der auch schon für andere Posten als Kandidat genannt wurde. Richtig gut passen würde Raf Simons, der im Herbst Dior verließ und ein weit größeres stilistisches Repertoire beherrscht als Slimane.

          Und was wird aus dem Siebenundvierzigjährigen, der vor allem in Los Angeles lebt und dorthin auch das Designstudio verlagert hatte? In Paris kann man ihn sich kaum noch als Chefdesigner vorstellen. Aber: Begann nicht seine große Zeit bei Dior Homme? Dort sitzt zwar Kris Van Assche sicherer denn je zuvor, als einer der wichtigsten Herrendesigner. Aber die Dior-Damen sind verwaist. Und Bernard Arnault, den Pinaults herzlich im Widerstreit verbunden, könnte bei Dior weiterführen, was der Konkurrenz bei Saint Laurent gelungen ist.

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