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Glas von Helle Mardahl : „Kunst muss man fast schmecken können“

Mardahls Kollektion mit dem Namen „Cocktail Cream Tea“ greift die britische Afternoon Tea-Tradition auf. Bild: Alastair Philip Wiper

Als Inspiration dienten die Süßwarengeschäfte ihrer Kindheit: Mit Glaskreationen für die Esstafel begeistert Helle Mardahl auf Instagram und bei Prominenten. Und das, obwohl die Künstlerin ursprünglich aus der Modebranche stammt.

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          Als kleines Mädchen hatte Helle Mardahl davon geträumt, irgendwann ein Süßwarengeschäft zu eröffnen. Bislang ist es für die Designerin nicht so weit gekommen — dennoch ließ sie sich von den Süßigkeitenläden ihrer Kindheitstage in Kopenhagen inspirieren: Mit gläsernen Vasen, Schalen, Löffeln und Leuchten in Bonbonfarben, die an Kaugummiblasen und Jelly Beans erinnern.

          Johanna Christner
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Eine ihrer neueren Kreationen: Die Kollektion mit dem Namen „Cocktail Cream Tea“, die die britische Afternoon Tea-Tradition aufgreift und neben Gefäßen auch pastellfarbene Teller, Kuchenplatten und Trinkgläser in Zuckerguss-Glasur-Optik enthält. Kunst, so sagt Mardahl, müsse sie fühlen können, ja fast schon schmecken.

          Mit ihrer Kunst wolle sie allerdings nicht nur ästhetische, sondern auch funktionale Objekte schaffen. Und Funktionalität spielt für Mardahl eine große Rolle. Ihre im Licht schimmernden Bonbonnieren mit Deckel etwa können kurzerhand auch zu Vasen umfunktioniert werden. Jedes Stück ist dabei ein Unikat: Mundgeblasen und in europäischen Manufakturen gefertigt.

          Eine kleinere Schale für Puderzucker Bilderstrecke
          Kreationen von Helle Mardahl : „Kunst muss man fast schmecken können“

          Ihrer Kreativität ließ Helle Mardahl zunächst in der Modebranche freien Lauf. Nach ihrem Abschluss am Londoner Central Saint Martins College im Jahr 2001 galt sie schnell als talentierte Vertreterin der skandinavischen Mode und wurde nicht selten mit dem renommierten dänischen Modedesigner Henrik Vibskov verglichen. Irgendwann war die 1976 geborene Dänin allerdings der schnelllebigen Modewelt überdrüssig; der Trends, die kommen und nach einer Saison wieder gehen.

          Von der Modebranche zum Produktdesign

          Im Produktdesign hingegen fand sie eine neue Bestimmung, entwarf für Smart, das dänische Einrichtungshaus Muuto und Stine Goya, vor allen Dingen aber für ihr eigenes, in Kopenhagen ansässiges Studio. Als multidisziplinäre Künstlerin schafft Mardahl auch Skulpturen und Gemälde, in jüngster Zeit dürfte sie jedoch vor allen Dingen mit ihren Glaskreationen begeistert haben, die etwa das Heim von Supermodel Claudia Schiffer zieren und bei Instagram-Nutzern zu einem regelrechten Hype wurden.

          Die Kreationen von Helle Mardahl erinnern an Süßigkeiten wie Jelly Beans und rosa Kaugummiblasen.
          Die Kreationen von Helle Mardahl erinnern an Süßigkeiten wie Jelly Beans und rosa Kaugummiblasen. : Bild: Alastair Philip Wiper

          Begonnen hatte Mardahls Schaffensphase mit Glas im Jahr 2009, in dem sie sich für eine Installation mit einem Glasbläser zusammengetan hatte und vom Arbeitsprozess fasziniert war. Trotz der fragilen Beschaffenheit von Glas gab es der Künstlerin die gewünschte Langlebigkeit für ihre Werke und wurde so zum Material ihrer Wahl. Ihre Faszination dauert bis heute an: Noch immer inspiriert und beruhigt es Helle Mardahl, sich Youtube-Videos von Glasbläsern bei der Arbeit anzuschauen. Und wer weiß, vielleicht eröffnet sie in Kopenhagen irgendwann doch noch ein Süßwarengeschäft.

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