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Kostüme der Amtsübergabe : Die Zuversicht trägt Blau

Präsident Joe Biden mit seiner Ehefrau Jill Biden und der Vize-Präsidentin Kamala Harris Bild: EPA

Der neue amerikanische Präsident entscheidet sich für einen amerikanischen Modemacher. Auch seine Frau und die Vizepräsidentin kleiden sich zur Amtseinführung klassisch.

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          Was wird der neue amerikanische Präsident bringen? Modisch war die Frage schnell gelöst. Kaum schritt Joe Biden am Mittwoch mit seiner Frau die Stufen des Kapitols hinauf, meldete der Branchendienst „Women's Wear Daily“ um 10.27 Uhr Washingtoner Zeit, dass sich Joe Biden für einen Anzug von Ralph Lauren entschieden habe. Das Team des New Yorker Modemachers bestätigte, der dunkelblaue Anzug mit passendem Mantel seien „ein symbolisches Statement für die Wiederkehr des Anstands und der Aufrechterhaltung amerikanischer Werte.“

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Das klang nach typisch amerikanischer Rhetorik, fast schon nach „Make America Great Again“. Aber das Bekenntnis zum eigenen Land hatte auch einen durchaus materiellen Grund. Denn der Anzug wurde nicht etwa in Italien gefertigt, sondern in der Hickey-Freeman-Fabrik in Rochester im Bundesstaat New York. Bei dem Herrenmode-Hersteller lässt Ralph Lauren seit Jahren die Anzüge seiner Marken fertigen. Als erste Amtshandlung hatte Biden also gewissermaßen amerikanische Arbeitsplätze gerettet. Die Zeichen der neuen Zeit hätten aufmerksame Beobachter schon vorher erkennen können. Denn Biden trug, als er vor wenigen Wochen zwei Mal gegen das Coronavirus geimpft wurde, jeweils ein Poloshirt mit dem Polospieler-Logo des berühmtesten amerikanischen Designers.

          Auch seine Frau Jill Biden entschied sich für amerikanisches Design. Die Kombination der Marke Markarian erdachte sich Designerin Alexandra O’Neill in ihrem Studio in Greenwich Village, gefertigt wurde es im alten Garment District in Manhattan. Diese Wahl einer New Yorker Marke, die erst 2017 gegründet wurde, könnte darauf hindeuten, dass auch diese First Lady junge Designer fördern möchte – so wie vor zwölf Jahren Michelle Obama den asiatisch-amerikanischen Modemacher Jason Wu und andere New Yorker Nachwuchsdesigner weltbekannt machte.

          Jill Bidens leicht ausgestelltes blaues Kleid erwies sich mit dem Chiffon-Oberteil als recht gewagt für einen Wintertag mit sechs Grad Kälte in Washington; immerhin hatte der passende Mantel einen Samtkragen. So klassisch der Look des Paars: Die floralen Swarovski-Kristalle, per Hand auf den Kragen und den Mantel gestickt, bewiesen, dass sie einen Blick für entscheidende Effekte hat – so wie die „Vote“-Schuhe des amerikanischen Schuhdesigners Stuart Weitzman, die sie zur Wahl trug.

          Um die symbolische Ebene ging es nun auch bei der Farbe Blau: Designerin Alexandra O’Neill hob hervor, das Blau solle für „Vertrauen, Zuversicht und Stabilität“ stehen. In dieses Farbschema passte der Mantel, den die neue Vizepräsidentin Kamala Harris trug, als sie den Eid ablegte. Der Mantel des amerikanischen Designers Christopher John Rogers spielte aber ins Violette, also in die Farbe der feministischen Bewegung, nicht ganz unpassend für die erste Vizepräsidentin der amerikanischen Geschichte.

          Der designierte Präsident Joe Biden (r) seine Frau Jill Biden und die designierte Vizepräsidentin Kamala Harris und ihr Ehemann Doug Emhoff auf den Stufen des Kapitols. Bilderstrecke
          Machtwechsel in Amerika : Die Kostüme bei der Amtsübergabe

          So sehr sie Zeichen wollten – was den Stil betrifft, standen das Präsidentenpaar und die Vizepräsidentin vor dem Kapitol natürlich im Schatten von Lady Gaga. Die Popsängerin war angetreten, die amerikanische Hymne zu singen und ihren exquisiten Geschmack vor Augen zu führen, was ihr mit einem Couture-Kleid der Pariser Marke Schiaparelli ausnehmend und ausladend gelang.

          Zum Trost für amerikanische Nationalisten: Entworfen wurde das Kleid von dem amerikanischen Designer Daniel Roseberry, der im Modehaus an der Place Vendôme das Erbe der surrealistischen Modeschöpferin Elsa Schiaparelli weiterleben lässt. Roseberry kommentierte das weit ausladende Kleid aus roter Seide und die große goldene Brosche in Gestalt einer Friedenstaube mit den Worten, dieses Ensemble sei ein Liebesbrief eines Amerikaners in Paris, der sein Land sehr vermisse. Er schloss präsidial mit den Worten: „God Bless Lady Gaga, God Bless America.” Damit hatte er im Grunde alles gesagt.

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