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Konsumkritik in Mailand : Mode ohne Hype

Model Gigi Hadid trägt eine Kreation aus der Moschino-Kollektion für Frühjahr/Sommer 2020. Bild: AP

Mailand sucht nach „persönlichem Stil“ und „echten Kleidern“, die sich nicht auf Hypes begründen. Das ist immerhin besser als Wegwerfmode. Ein Trend bemüht sich ganz unbeeindruckt davon ebenfalls um Zeitlosigkeit.

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          Da ist diese untypische kurze Pause in der Gesprächsrunde nach der Prada-Schau. Wie immer ist Miuccia Prada umringt von Journalisten, die ihr einfache Stichwörter zur Kollektion zurufen. Normalerweise erklärt sie geduldig den gedanklichen Prozess. So auch in den vergangenen drei Minuten. Es ging um den Menschen, der wichtiger sei als die Mode, darum, dass es zu viel Wegwerfmode gebe, dass sie deshalb dieses Mal nicht zunächst an Mode gedacht habe, sondern an persönlichen Stil. An Spontanität. Exzentrik. Dann: Pause.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Konsumkritik und Pause. Es sind nur drei, vier Sekunden, und Miuccia Prada füllt sie mit ihrem sibyllinischen Lächeln, aber sie sind entscheidend für diese Modewoche in Mailand. Wenn schon die Italiener ihr eigenes Kulturgut hinterfragen. Und sei es nur mit ein paar Sekunden Stille, die vielleicht mehr darüber aussagen, wohin es demnächst mit der Mode geht, als die Schauen der mehr als 50 Designer, die hier ihre Kollektionen für das kommende Frühjahr gezeigt haben.

          Selbstverständlich geben sich viele Häuser zeitgemäß und erwähnen ihre Nachhaltigkeitsbemühungen. So stellt die Jacken-Marke Herno nun Modelle aus PET-Flaschen her, Marni fertigt Kleider aus Upcycling-Stoffen. Solche Initiativen werden zumindest nicht mehr Schaden anrichten als die herkömmliche Produktion. Zumal sie sensibilisieren und Innovationen verbreiten. Dennoch sind es, wenn überhaupt, nur kleine Lösungen für ein großes Konsumproblem, das Miuccia Prada benennt: „Es gibt zu viel Mode.“

          Für Prada lief Gigi Hadid ebenfalls.
          Für Prada lief Gigi Hadid ebenfalls. : Bild: AP

          Das Comeback der strengen Hosenanzügen

          Das war nicht immer so, und die Prada-Schau erinnert mit ihren simplen Kleidern und strengen Hosenanzügen auch an die Zeit, damals in den Neunzigern, als diese Designerin simple Kleider und strenge Hosenanzüge entwarf. Eine Uniform, weil sie auf das wichtigste reduziert war und gerade so Raum zum Ausleben von persönlichem Stil ließ. Seitdem ist nicht nur im Hause Prada viel passiert. Nach dem modischen Minimalismus der Neunziger setzten sich die Häuser schnell ambitionierte Ziele, in immer mehr Märkten mitzumischen und dabei immer mehr Mode zu produzieren. Kaum zu durchschauen, was heute auf kluge Strategien der Marken zurückzuführen ist und was wirklich Ausdruck einer Sehnsucht nach neuer Mode ist.

          Und selbst wenn – das Beispiel Vetements zeigt, wie schnell eine neue Idee durch sein kann: Vor etwas mehr als drei Jahren machte Designer Demna Gvasalia mit seinem Kollektiv und einem Paar umgeschneiderter Levi’s-Jeans zum Preis von 1000 Euro von sich reden. Nicht etwa, weil man ihn dafür für irre erklärte. Die Kunden rissen ihm die Jeans aus den Händen. Schnell wurde Gvasalia Chefdesigner des Pariser Traditionshauses Balenciaga. Das ist er noch immer. Vetements, sein eigenes Trendlabel, aber hat er vergangene Woche verlassen. Auch die meisten Menschen, die sich ein paar Saisons nach dem von ihm geprägten rotzigen Stil richteten, sind nun schon weitergezogen.

          Eine Kreation aus der Kollektion von Jil Sanders für Frühjahr/Sommer 2020.
          Eine Kreation aus der Kollektion von Jil Sanders für Frühjahr/Sommer 2020. : Bild: AFP

          Es gibt zwei neue Phänomene, beide sind in Mailand gut zu beobachten, und beide sind ein Gegenentwurf zu der von Logos und Maximalismus bestimmten jüngsten Mode. Lucie und Luke Meier haben es so tatsächlich geschafft, Jil Sander nach Jahren der Bedeutungslosigkeit wieder eine Zukunft zu verschaffen. Und Daniel Lee zeigt bei Bottega Veneta seit vergangener Saison, dass er an den diskreten Luxus, den Tomas Maier 17 Jahre lang gepflegt hat, anknüpfen kann. Vornehmlich mit Accessoires, die nur eine Spur lauter sind, für die es aber schon jetzt Wartelisten gibt. Zur Mode sagt er Backstage nach seiner Schau: „Ich mag echte Kleider.“

          Leder – Fluch und Segen zugleich

          Die Designer können es nicht oft genug betonen: Es geht um Mode, die erfolgreich sein soll, weil sie ihre Zeit überdauert, statt dass sie auf Hypes begründet ist. Dolce & Gabbana, die nach Rassismus-Vorwürfen im vergangenen Jahr ihre Schau in Schanghai absagen mussten und sich davon in Asien bis heute nicht erholt haben, zeigen sich jetzt demütig. Mit dem Gegenteil eines Social-Media-Spektakels, mit 124 Models, einem unverfänglichen Dschungel-Thema und ausgezeichnet geschnittenen Kleidern, für die das Haus mal in erster Linie stand.

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