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Kilian Kerner im Interview : „In der Kollektion spielt Corona keine Rolle“

  • -Aktualisiert am

Designer Kilian Kerner feiert sein 20. Show-Jubiläum auf der Berliner Fashion Week. Bild: Robin Kater

Kilian Kerner feiert sein 20. Jubiläum auf der Berliner Fashion Week. Im Interview spricht der Designer über Realitätsflucht als Inspiration, warum Klopapier auf den Laufsteg gehört und wie durch Corona Freundschaften zerbrochen sind.

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          Herr Kerner, auf der Berliner Fashion Week findet Ihre 20. Show statt. Was können wir uns unter Ihrer Jubiläumskollektion „Traumwelten“ vorstellen?

          Es werden Double-Layer Effekte zu sehen sein mit vielen transparenten Stoffen, unter denen man immer noch etwas entdecken kann. Vieles wird sehr fließend sein, aber man wird starke Brüche erleben, vor allem, was das Styling angeht. Neben Latex-Socken wird sehr viel Schwarz dabei sein, mit Prints und Webungen, die an den Nachthimmel erinnern. Die Kollektion spiegelt die Traumwelt wieder, die ich mir in den letzten Monaten geschaffen habe, um aus dem Alltag und der Realität zu flüchten. Sie ist friedlich, ruhig und aufgeräumt – und vor allem spielt Corona keine Rolle.

          Wie kamen Sie auf diese Idee?

          Als die Corona-Krise anfing, ist bei mir alles zusammengebrochen. Innerhalb von zehn Tagen wurden alle Kooperationen oder Designaufträge gecancelt. Ich habe die Situation von Anfang an total ernst genommen, bin strikt zu Hause geblieben und habe niemanden mehr getroffen. Am Anfang haben ich und eine Freundin sogar noch gedacht, dass wir im Mai schon wieder nach Paris zu den French Open fahren könnten. Da dachte ich noch, das würde schnell vorbei gehen. Aber als man gemerkt hat, dass dem nicht so ist, lag ich irgendwann auf der Couch und wusste nicht mehr, was ich jetzt machen sollte. Da kam mir die Idee, mir eine eigene Traumwelt zu erschaffen und das als Thema für meine neue Kollektion zu nehmen.

          Hat die Show ein Highlight?

          Wir machen uns auf dem Catwalk über die Hamsterkäufer lustig. Durch eine Kooperation mit Hakle wird es eine limitierte Edition Klopapier mit Hamstern darauf geben. Die Models tragen große Plastiktaschen, gefüllt mit Klopapier und kleinen Stoffhamstern. Auf einmal ist Klopapier nämlich ein Luxusgut, was ich wirklich extrem seltsam finde – und deswegen nehmen wir es mit auf den Laufsteg. Außerdem werden mit Tausenden Glitzersteinen beklebte Wasserflaschen von Staatl. Fachingen, wie Crossbody Bags getragen.

          Die Models tragen große Plastiktaschen, gefüllt mit Klopapier und kleinen Stoffhamstern, um sich über die Hamsterkäufe lustig zu machen.
          Die Models tragen große Plastiktaschen, gefüllt mit Klopapier und kleinen Stoffhamstern, um sich über die Hamsterkäufe lustig zu machen. : Bild: ZB

          Es lief auf einmal alles anders. Welche Hürden mussten Sie überwinden?

          Wie überall fanden Meetings auf einmal online statt. Alles funktionierte nur noch über E-Mail und  Telefon und ich habe mich mit niemandem getroffen. Komischerweise – oder auch Gott sei Dank – hatte ich, was Stoffbestellungen anging, keine Probleme. Diesbezüglich hatte ich große Angst, weil ich das von vielen gehört hatte. Das Reduzieren der Kontakte war natürlich schwierig, gerade wenn es um Fittings geht. Aber es hat super funktioniert. Die Kollektion selbst war keine Herausforderung, sondern eher das Menschliche, wie es einem persönlich in der Zeit selbst ging.

          Wie läuft eine Anprobe zu Pandemiezeiten ab, ohne dass sich Models im Treppenhaus auf die Füße treten?

          Die Models kommen im Stundenrhythmus und werden, anders als sonst, wahnsinnig lange an den Tagen dort sitzen und warten müssen – aber wir wollen natürlich für jeden das Risiko so gering wie möglich halten. Wir haben eine Location für das Fitting gebucht, in der man durch mehrere Räume geht, sodass die Models sich nicht über den Weg laufen. Wir werden alle ständig getestet und auch das Team verlässt das Hotel, in dem alle untergebracht sind, nur wenn es wirklich sein muss.

          Und das Casting? Wie lief das ab?

          Es gab kein Casting. Ein Casting ist gerade undenkbar. Wir arbeiten mit Models, die wir kennen und mit denen wir auch schon zusammengearbeitet haben. Wenige sind über Videos dazu gebucht worden.

          Viele Designer sind angesichts der vergangenen Monate auf Loungewear umgestiegen. Wie sieht das bei Ihnen aus?

          Nein, so etwas wird man bei mir nicht sehen. In der Kollektion spiegelt sich einfach nur wider, dass ich versucht habe, Realitätsflucht zu betreiben, um schöne Momente zu erleben. Ich habe nicht Tausende Jogginghosen entworfen, ganz im Gegenteil. Bei den Frauen wird man fast ausschließlich Kleider finden – also im Prinzip der genaue Gegenentwurf zu dem, was man momentan zu Hause trägt. Auch natürlich in der Hoffnung, dass es bald vorbei sein wird.

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