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Stefan Kehl : Da liegt was in der Aer

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Hier wird jeder Flakon von Hand abgefüllt: Stefan Kehl, die eine Hälfte des Aer-Duos, bei der Arbeit Bild: Hersteller Aer

Ursprünglich war er Haarstylist und Visagist, jetzt ist er Parfümeur: Stefan Kehl bildet die eine Hälfte des Parfum-Hauses „Aer Scents“ und hat noch nie gerne nach Regeln gespielt.

          Die Parfumherstellung ist ein Handwerk, das fast schon wie ein religiöser Kult inszeniert wird. Irgendwo in Grasse und Paris sitzen die Parfum-Götter, die etwas machen, von dem niemand jemals erfahren wird, und am Ende kommt ein Duft heraus, um den sich ein Mythos rankt.

          So zumindest erzählt es Stefan Kehl. Es ist eine dieser wundervollen und zugleich frustrierenden Disziplinen, in denen dir trotz Ausbildung niemand zeigt, wie es wirklich funktioniert. Sein Partner Ted Young-Ing, der als Kreativ-Direktor jahrelang an visuellen Konzepten für Parfums großer Häuser wie Gucci oder Yves Saint Laurent gearbeitet hat, pflichtet ihm bei: Es bleibt ein Geheimnis.

          Trotzdem haben sie vor gerade mal einem Jahr ihr eigenes Parfumhaus Aer Scents mit vier Düften lanciert. Im wachsenden Segment der Nischenlabels gehören sie zu den vielversprechenden Neulingen. Von Anfang an wurden sie in renommierten Geschäften wie 10 Corso Como in Mailand oder The Store in Berlin geführt.

          Und das vielleicht genau deshalb: weil Stefan Kehl, der die Düfte komponiert, kein klassischer Parfümeur ist, sondern Autodidakt, der zuvor Haarstylist und Visagist war. Wir spielen nicht nach den Regeln, sagt er. Das macht uns nicht unbedingt besser, aber auf jeden Fall anders. Statt der klassischen Kompositionspyramide um Basisnote, Herznote und Kopfnote konzentrieren sich die Parfums von Aer Scents um eine starke Herznote und sind in dieser Reduktion aufs Wesentliche minimalistische Düfte.

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          Trotz des Bruchs mit der Kompositionskonvention greifen die Jung-Parfümeure in der Herstellung auf das traditionelle Parfum-Handwerk zurück: Statt der mittlerweile gängigen industriell gefertigten chemischen Bestandteile benutzen sie rein pflanzliche Inhaltsstoffe.

          Individualisierung geht auch in die Nase

          Das schafft Variation, denn natürliche Parfums entziehen sich einer ganz vorherbestimmbaren Note, weil sie viel stärker mit dem Träger reagieren, also einen individuellen Duft schaffen. Und weil die Bestandteile nach wie vor biologisch angebaut werden, variieren auch Ernte und Verarbeitung je nach den klimatischen Bedingungen manchmal so, dass Stefan Kehl die Rezepturen immer wieder an die Qualität der Öle und Essenzen anpassen muss. Im Berliner Studio wird noch immer jeder einzelne Flakon von Hand abgefüllt; 700 waren es im ersten Jahr.

          Das Berliner Studio von Kehl und Young-Ing ist ein Ort, an dem Duft-Enthusiasten zusammentreffen, etwa für Parfum-Workshops in Zusammenarbeit mit dem Smell Lab Berlin oder dem Scent Club. Auch auf der Website beantworten sie die wichtigsten Fragen: Sollte man Parfum auf die Pulsadern sprühen und aneinanderreiben? Die Antwort: Nein, das zerstört den Duft. Oder: Wie lange hält sich ein Parfum? Ein Natürliches wie Aer verändert sich mit der Zeit aufgrund der Inhaltsstoffe, sollte aber nach dem Öffnen mindestens 30 Monate halten. Kann man Parfums mischen? Ja! Dazu animieren schließlich auch größere Häuser wie Maison Margiela und Byredo. Individualisierung geht auch in die Nase.

          Eine starke Herznote: Viel mehr braucht es nicht für einen Duft von Aer.

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