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Luxus-Geschäfte : Kaufhäuser in der Krise? Nicht in New York

Jetzt auch Downtown: Das neue Geschäft von Barneys in Chelsea will die Anwohner und die vielen Touristen anziehen. Bild: Tobias Everke

In Deutschland haben Kaufhäuser es derzeit schwer. In New York hingegen sind viele neue Groß-Geschäfte geplant. Das Beispiel Barneys Downtown zeigt, wie es gehen könnte.

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          Die Wendeltreppe verbindet den Keller mit den vier Geschossen – und die Vergangenheit mit der Gegenwart. In weiten Bewegungen kreist die Treppe nach oben und zieht alle Blicke auf sich. Barneys Downtown, gelegen an untypischer Stelle für einen Einkaufstempel in Manhattan, nämlich nicht in Midtown, sondern in Chelsea, an der siebten Avenue zwischen der 16. und 17. Straße, hat seine Mitte gefunden: einen skulptural gestalteten Shopping-Strudel.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Man könnte es für ein architektonisches Detail halten, das zudem noch von den so schönen wie teuren Waren auf den einzelnen Stockwerken ablenkt – von Kosmetik, Düften und einem Barber-Shop im „foundation level“ (vulgo Keller), Lederwaren und Schmuck im Erdgeschoss, Damenschuhen und Damenmode im ersten Stock, Herrenschuhen und Herrenmode sowie einem Freds-Restaurant für den „power lunch“ im zweiten Stock und Räumen fürs intime „personal shopping“ ganz oben.

          Aber das wirbelnde Treppenhaus soll natürlich die Stockwerke durch einen Rundum-Blick auch optisch zugänglich machen, also all die 800-Dollar-und-mehr-Schuhe von Louboutin, die 1500-Dollar-und-mehr-Mäntel von Dries van Noten und das für New Yorker Verhältnisse fast schon verlockende Angebot von Freds: Käse-Sandwich für 26 Dollar, Penne all'Arrabbiata für 24 Dollar.

          Bei Barneys kriselte es selbst in 2010

          Vor allem aber führt die runde Treppe in die Vergangenheit hinab. Denn sie zitiert die sechsstöckige Wendeltreppe, die einst von der französischen Inneneinrichterin Andrée Putman für den ersten Barneys-Laden entworfen wurde, der just in diesem Häuserblock stand. Erst seit 1993 liegt das Barneys-Hauptgeschäft an der Madison Avenue zwischen der 60. und 61. Straße. Das Ursprungs-Geschäft in Downtown wurde 1997 geschlossen und nun, im Februar 2016, an gleicher Stelle wieder eröffnet, aber nicht in der ursprünglichen Größe, sondern kleiner.

          Alles ist verbunden: Die Wendeltreppe bietet freie Sicht auf die Produkte in den einzelnen Stockwerken.
          Alles ist verbunden: Die Wendeltreppe bietet freie Sicht auf die Produkte in den einzelnen Stockwerken. : Bild: Tobias Everke

          „Wir kommen von hier unten, wir kennen uns hier gut aus“, sagt Mark Lee, der CEO von Barneys, der 2010 zum kriselnden Warenhauskonzern kam. „Die ersten Wochen in dem neuen Geschäft sind super gelaufen. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass es so weitergeht.“ Lee, früher Chef von Gucci, verstärkte in den 27 Barneys-Geschäften zwischen San Francisco und Washington (davon elf Outlets) die profitablen Lederwaren, zog eine Luxusstrategie durch und brachte den Konzern zurück in die Gewinnzone. Es wäre also kein Wunder, wenn nun auch hier unten gute Geschäfte gemacht würden – in der einstigen Künstlergegend, die durch immer mehr Galerien, teure Wohnungen und gute Hotels gentrifiziert wird und mit der begrünten High Line viele Besucher anzieht.

          Deutsche Kaufhäuser haben sich nicht modernisiert

          Aber der Boom erfasst inzwischen die gesamte Insel Manhattan. Ebenfalls Downtown soll noch in diesem Jahr ein Kaufhaus von Saks Fifth Avenue eröffnen, und zwar an symbolischer Adresse: „Brookfield Place“ ist eine nette Umschreibung des World Financial Center, das bei den Terrorangriffen am 11. September 2011 teils zerstört wurde, weil es neben den Zwillingstürmen stand. Mit dem neuen „Freedom Tower“ erlebt das Viertel rund um den ehemaligen „Ground Zero“ einen Aufschwung – zumal auch die amerikanische Ausgabe der „Vogue“ in den höchsten Turm der Stadt gezogen ist, was die Ansiedlung von Gucci, Burberry und weiteren Luxusmarken erleichtert haben wird: Irgendetwas müssen die Moderedakteurinnen in ihrer Lunchpause ja zu tun haben.

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