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Nachhaltige Mode : Das geht uns an die Haut

Bewusstes Design: Der Trenchcoat von Fonnesbech lässt sich leicht zu einer Weste zurechtknöpfen - oder zu einer Bolero-Jacke. Bild: Hersteller

Bio-Essen ist längst ein Statussymbol. Hat nachhaltige Mode auf Dauer ähnliche Chancen?

          7 Min.

          In der Hessnatur-Filiale an der Frankfurter Kaiserstraße hängt zwischen biologisch korrekt gefärbten Moonwash-Jeans und nachhaltigen Sneakers eine Serie Baumwollkleider. Die blaugrauen Teile haben diesen typisch matten Öko-Schleier, der einem nur noch selten begegnet, in Zeiten der korrekt gefärbten Moonwash-Jeans, der nachhaltigen Sneakers, da Bio-Mode optisch kaum noch von herkömmlich produzierten Stücken zu unterscheiden ist. Aber während dieser Schleier eben doch auf den Kleidern liegt, an einer Stange auf halber Strecke in dem schlauchförmigen Laden, und man gerade eine Stunde lang mit Tanja Hellmuth, Kreativ-Direktorin von Hessnatur, über die Zukunft der sozialen und ökologisch verantwortlichen Mode gesprochen hat, da drängt sich die Frage auf: Könnte dieser typische Öko-Schleier nicht das nächste große Ding werden?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Vegetal gefärbt“, lacht Tanja Hellmuth und ist schon wieder bei Farben, die man nicht mit einem nachhaltigen Anbieter wie Hessnatur verbindet, sondern die auch in einem H&M hängen könnten. Die Kreativ-Direktorin spricht von leuchtendem Blau, von Tönen, die man je nach Tagesform aussucht, „manchmal hat man Lust auf etwas Kräftiges, manchmal auf diese gedeckten Farben“. Wenn viele Menschen Lust auf dasselbe haben, dann entsteht daraus ein Trend. Die Mode lebt von Erkennungszeichen; Logos, bestimmte Objekte, selbst Stoffe und Schnitte werden so zu einer Art Statussymbol, um sich von der einen Seite abzugrenzen und zur anderen dazuzugehören. Zurzeit haben noch nicht sonderlich viele Menschen Interesse an vegetal gefärbten Baumwollkleidern mit Öko-Schleier. Oder überhaupt an Bio-Mode, obwohl die optisch kaum von herkömmlich produzierter Ware zu unterscheiden ist.

          Ganz anders sieht es beim Essen aus. Die losen Pilze, an denen noch Erde klebt, sind im Vergleich zu den abgepackten natürlich die besseren. Die schrumpeligen Apfelchips schmecken jetzt so schön heimelig nach Herbst. Selbst das konfektionierte Müsli oder der Kartoffelbrei wird mit dem Versprechen des lächelnden Bauern auf der Tüte verkauft. Und im Bio-Markt mitten in der Stadt gleicht das Kauferlebnis mit seinem gedimmten Licht und den Bretterregalen jenem in einem Hofladen. Um 49 Prozent stieg die Zahl der Bio-Märkte laut dem Fachmagazin „Bio Handel“ im vergangenen Jahr. Bei vielen der Neueröffnungen dürfte es sich allerdings nicht um unabhängige Geschäfte handeln, sondern um Filialen großer Bio-Supermarktketten.

          ,Ist Bio wirklich bio?’

          Klar, das Gütesiegel Bio verkommt so bis zu einem gewissen Grad zur Marketingmaßnahme, es ist fraglich, wie viel Bio am Ende im Bio-Essen steckt. Und viele Menschen schätzen Bio des guten Gefühls wegen, nicht wegen ihrer hohen ethischen Maßstäbe. „Hunderte Bücher gibt es dazu“, lacht Lisa Jaspers. Sie ist Entwicklungsökonomin und unterhält den Online-Shop Folkdays. Jaspers entwirft Mode, die Menschen in Entwicklungsländern dann unter Berücksichtigung ihres Handwerks fertigen. „Diese Bücher laufen unter Titeln wie: ,Ist Bio wirklich bio?’

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