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Juwelier Wempe : Ring frei für die schwäbische Provinz

Aus der Cosmora-Serie: Die schwäbischen Goldschmiede haben auch Rio de Janeiro verewigt. Bild: Rainer Wohlfahrt

Vom Wachsmodell über die Gussform zum Schmuckstück: Aus einer Idee lässt der Juwelier Wempe in der schwäbischen Provinz Wirklichkeit werden. Einige Schmuckstücke sind handwerklich so kompliziert, dass sie eigentlich gar nicht herzustellen sind.

          8 Min.

          Zaubern Sie, hatte die Chefin gesagt und die kleine Manufaktur in Aufruhr versetzt. Später werden die Goldschmiede von der Krönung ihrer Karrieren sprechen. Sie waren dabei: zwölf Städte, dreizehn Ringe, glänzend und schwer, hochkarätige Meisterwerke. Rubine, Opale, Smaragde und Safire, Diamanten und Tansanite. Juwelen mit klangvollen Namen: Berlin, New York, Tokio, Peking, Schanghai, Kapstadt, Rio de Janeiro oder Tokio. Die Metropolen waren die Vorlagen der Schmuckstücke. Vor vier Jahren machten sie die ersten Wachsmuster dafür. Heute glitzern sie in Gold und tausend Farben.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damals hat Catherine Plouchard mit einer Mappe unter dem Arm in der Tür gestanden. Eine Frau mit Visionen, Kreativdirektorin der Hamburger Juwelierfirma Wempe. In der deutschen Provinz fand sie, was sie suchte. Schwäbisch Gmünd, Fischergasse, das Haus von L.C. Köhler. An einer der Werkstatt-Wände hängt eingerahmt die silberne Siegermedaille der Pariser Weltausstellung aus dem Jahr 1900. In den Archiven liegen verblichene Entwürfe längst vergangener Zeiten. Paginierte Skizzen, bunt auf hauchdünnen Schellack gemalt. „So was wie wir“, sagt Werkstattleiter Anton Bichler, „macht heute gar keiner mehr.“

          Mit den Modellen aus Spezialwachs wird ein Ringbaum aufgebaut. Bilderstrecke

          Vor Jahren haben die Wempes hier angeklopft. Sie waren auf Expansionskurs, hatten im sächsischen Ort Glashütte die alte Sternwarte wieder aufgebaut und eine neue Uhrenmanufaktur errichtet. Sie eröffneten Läden in aller Welt und wollten sich nun in Schwäbisch Gmünd bei L.C. Köhler einkaufen. Man kannte sich, man schätzte sich, ein Engagement mit beschränkter Haftung. Die Schwaben sind Profis, die Hanseaten auch, erst recht unter Kim-Eva Wempe, die der Familienfirma ihren Stempel aufdrückt.

          Köhler-Chef Alfred Baumhauer dachte weit nach vorne. Neue Ringe, neue Kunden, alte Schule. Narbige Holztische und Computerdrucker der dritten Dimension, Mundlötkolben und neue Software. Sie machen hier, was der Kunde will: Einzelstücke und Kleinserien, Raritäten, Unikate und goldgeschmiedete Kunstwerke zum Preis eines echten Picassos. Ihre Stücke tragen Namen wie Helioro, Voyage oder Eclipse. Einige der Teile sind handwerklich so kompliziert, dass sie eigentlich nicht herzustellen sind.

          Hundert Schritte von der Skizze bis zum letzten Schliff

          Dietmar Steinbrecher schneidet bei L.C. Köhler die Modelle. Er macht Muster nach Maß und steht am Anfang einer langen Kette in der Produktion. Von der ersten Skizze bis zum letzten Schliff liegen Hunderte Schritte. Seit 30 Jahren sitzt er hier am Tisch. Leicht gebeugt und vor den Augen eine Lupe. Neben sich die Feilen, Bohrer und Fräser. Mit ihnen gibt er den Visionen ihre erste Gestalt. Der Schöpfer der Urmodelle. Die Cosmora-Serie, sagt er, ist ein großer Wurf. Sie wird nicht verkauft und ist kaum zu bezahlen. Heute funkelt sie im vierten Stock. Steile Treppen, schwere Türen, ein Showroom mit Vitrinen, grellem Licht und Millionenwerten.

          Unten in der Gießerei heizt Thomas Kuntschik ein. Ohne Kohlen, mit viel Strom. Die Glut muss stimmen, die Temperatur passen. Der Ofen ist wie ein Computer, mit Chips und Sensoren, Software und einem Speicher für Daten. Eine himmelblaue Kiste, tonnenschwer und kühlschrankgroß. Sie hat links einen kleinen Bildschirm und rechts eine große Halterung, den Einfüllstutzen für Küvetten. Kuntschik redet von einem Hochleistungsinduktionsgenerator, vom Vakuum und dem perfekten Guss. Ein langes hohes Pfeifen tanzt durch den Raum, der Ofen fährt hoch.

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