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Jette Joop : Mehr als nur die Tochter

„Mein persönliches Wendejahr“

Im Frühjahr 1997 bekam sie ihr erstes Kind, im Herbst machte sie ihre eigene Firma auf. Erst verkaufte sie Ringe, Anhänger und Ohrstecker, dann machte sie sich an die Großprojekte. „Das war so etwas wie mein ganz persönliches Wendejahr. Und wenn ich so auf die letzten zwanzig Jahre zurückblicke, muss ich sagen, es war cool, hot und supergeil.“ Sie lacht und lässt noch einen Espresso auf den Tisch stellen. Als sie startete, sagt sie, „war ich schon noch etwas naiv“. Doch aus ihrer Naivität zog sie Lehren. Wenn ein Projekt heute nicht klappt, wenn ihr die Kosten aus dem Ruder oder die Verkäufe nur schleppend zu laufen drohen, tritt sie auf die Bremse - und zwar hart.

Jette Joop gilt in der Branche heute mehr als designende Geschäftsfrau als eine geschäftstüchtige Designerin. Sie hat landauf, landab beste Beziehungen, zum altem und zum neuen Geld. „Jette“ ist eine eingetragene Marke und hat ein eigenes Logo. Mit dem Namen lässt sich über Partner und Lizenzen, über verschiedene Produkte, Erzeugnisse und Vertriebskanäle jedes Jahr ein hoher zweistelliger Millionenbetrag im Außenumsatz erzielen. „Als ich anfing, wusste ich so gut wie nichts von so etwas.“

Sie hatte bei Bradley an der Designschule im sonnigen Kalifornien gelernt, ihren Ideen erst freien Lauf zu lassen, sie dann wieder einzufangen und schließlich in große Formen zu gießen. Doch von Umsatz, Abschreibung, Cash-flow und Lizenzverträgen hatte sie, wie sie sagt, „nicht den Hauch einer Ahnung“. Alles, was sie damals aber wollte, war, ins Geschäft zu kommen. Und das tat sie dann auch.

Firmenjubiläum: 2017 feierte Jette Joop das 20-jährige Bestehen ihrer Marke.

Heute hat ihre Firma zwölf Mitarbeiter, langjährige Partner und Berater, einen engen Kreis von Vertrauten. Sie lenkt ihre Geschäfte mit klaren Ansagen und flotten Sprüchen und über eine Holding. Unter deren Dach steht eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Mit der steuert sie ihre einzelnen Projekte. Über alle Ebenen hält sie die Fäden fest in Händen. Wenn es sein muss, kann sie die auch straff anziehen. Sehr straff. „Das musste ich erst lernen. Aber wenn man einmal sieht, wie viele Möglichkeiten davongaloppieren können und wie schnell man von ganz oben nach ganz unten durchgereicht werden kann, dann lernt man das ganz schnell“, sagt die 49-Jährige.

Von Anfang an habe sie auf Design und den Verkauf von Lizenzen gesetzt. Fremdes Beteiligungskapital in der Firma war für sie nie ein Thema. Warum? „Nun, weil man durch eine Kapitalerhöhung schnell aus der eigenen Firma herausgedrängt werden kann.“ Also war sie doch ganz gut aufs Geschäftsleben vorbereitet? „Nicht wirklich. Das brachte mir gleich nach der Gründung und den ersten sich anbahnenden großen Geschäften meine erste Unternehmensberaterin bei. Klasse Frau. Ihre Lehren habe ich bis heute beherzigt.“ Learning by doing. „Im Geschäft ist es ein wenig wie im Industrie-Design. Man muss lernen, groß zu denken und diese Größe auch zu handeln.“

An der Wand ihres Büros hat sie einen ganz großen Traum hängen. Eine eingerahmte Skizze. Gezeichnet mit rotem Fettstift. Die Karosse eines Rennwagens. Von vorn, von hinten und von der Seite. „Xeno“ hat sie das Stück getauft - „der Fremde“. Ihre Arbeit aus der Design-Schule in Pasadena von vor 25 Jahren. Einen ihrer vielen nächtlichen Entwürfe. Den Augen ihres Professors hielt dieser Stand. „Vielleicht“, meint sie, „wird ja da auch noch einmal was daraus. Ich habe zwar kein Benzin im Blut, aber Autos fahren ohnehin bald ja nur noch mit Strom.“

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