https://www.faz.net/-hrx-8wu70

Jeff Koons für Louis Vuitton : Sind diese Taschen Kunst oder Kitsch?

„Ich glaube, dass diese Taschen Kunst sind“, sagt Jeff Koons über seine Taschenkollektion für Louis Vuitton. Bild: EPA

Jeff Koons will seine Kunst den Menschen auf der Straße näher bringen. Das versucht er jetzt mit Designertaschen für Louis Vuitton. Wie das wohl ankommt?

          Ich glaube, dass diese Taschen Kunst sind“, mit diesen großen Worten preist Jeff Koons im Werbevideo von Louis Vuitton seine Taschenkollektion für das Designerlabel an. Am Mittwoch stellte er die Kollektion nun in Paris vor. 40 Produkte, von der Weekender-Tasche bis zur Geldbörse, inspiriert von großen Werken klassischer Malerei. Die hat er auf das Leder der Taschen drucken lassen. Falls jemand vergessen hat, wer die Mona Lisa oder die Weizenfelder mit Zypressen gemalt hat, steht in fetten Goldlettern über dem jeweiligen Bild der Name des Malers. Da Vinci, Fragonard, Rubens oder Van Gogh prangen da also wie ein Statement auf buntem Grund. Verteilt über die restliche Tasche strahlen die üblichen Louis Vuitton-Beschläge – auch goldfarben – sowie die Logos des Designerlabels und des Künstlers in den unteren Ecken. Das klingt etwas überladen? Ist es auch. Aber ist es Kunst?

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Koons ist dafür bekannt, Kitsch zu Kunst zu erklären. Man erinnere sich an die lebensgroße Porzellanfigur von Michael Jackson mit seinem Affen Bubbles oder den übergroßen glänzenden Ballonhund. Letzterer kam bei einer Auktion in der Ausführung „Balloon Dog (orange)“ im Jahr 2013 für 58,4 Millionen Dollar unter den Hammer und zählt damit zu den teuersten Werken, die je versteigert wurden. Dieses Talent, aus Kitsch Kunst zu machen, wendet Koons nun also auf Taschen an. 

          Kitsch oder Kunst? Die Weekender-Tasche mit Mona Lisa Bilderstrecke

          Vorlage für die Kollektion war Koons’ „Gazing Balls“-Serie, für die er 2015 Gemälde alter Meister auf großer Leinwand reproduzierte und davor eine blaue Kugel aufstellte. Die sollte damals „die Größe des Universums und die Intimität des Augenblicks genau jetzt und hier“ symbolisieren, so der Künstler bei der Vorstellung des Projekts vor zwei Jahren. Für die Taschenkollektion hat er den Gedanken recycelt, anstelle der blauen Kugeln tritt hier die fette goldene Schrift mit dem Maler-Namen. Und weil Koons sich gut verkaufen kann, spricht er im Werbevideo von der Verbindung zur Vergangenheit und dem Gefühl, dass er mit seinen Taschen vermitteln will. „Ich hoffe, wenn jemand mit dieser Tasche auf der Straße unterwegs ist, zelebriert er damit die Menschheit“, sagt er mit leuchtenden Augen.

          Ähnlich begeistert erlebte ihn die New York Times bei einem Besuch kurz vor der Taschenpräsentation. „Diese ganze Erfahrung hat mich dazu gebracht, mehr Dinge produzieren zu wollen, die für die Menschen zugänglich sind“, so Koons. Die Spannbreite des Wortes zugänglich ist hier aber wohl vom Standpunkt des Betrachters abhängig. Stolze 3000 Euro kostet beispielsweise der Weekender mit Mona-Lisa-Konterfei. Das ist für ein Jeff-Koons-Kunstwerk natürlich ein Klacks, für die meisten dann aber doch genauso unerschwinglich wie der Kauf der echten Mona Lisa. Auf diese Diskrepanz angesprochen sagte Koons: „Immerhin können die Leute an den Schaufenstern bei Louis Vuitton vorbeilaufen und sich dort daran erfreuen.“ 

          Vielleicht finden die Taschen aber auch viel schneller ihren Weg zu den Menschen auf der Straße. Auf Facebook und Instagram spotteten einige Nutzer bereits, dass Koons seinen Faible für Trash dieses Mal zu weit getrieben habe und die Taschen schon jetzt kaum von den billigen Kopien zu unterscheiden seien, die sicherlich bald in Fußgängerzonen und an Stränden ausliegen werden.

          Weitere Themen

          Kunst im Dorf

          Muzeum Susch : Kunst im Dorf

          Durch das Schweizer Bergdorf Susch fuhr man bisher nur durch. Das soll sich jetzt ändern – und zwar durch ein neues Kunstmuseum neben der Kirche des kleinen Ortes.

          „Berlin ist nicht Paris“ Video-Seite öffnen

          Videokommentar zur Modewoche : „Berlin ist nicht Paris“

          Große deutsche Marken haben sich leider zurückgehalten. Dennoch müsse niemand enttäuscht sein, denn im Sommer wird die Fashionweek wieder ein größeres Aushängeschild, bewertet F.A.Z.-Redakteur Alfons Kaiser.

          Außer Tresen nichts gewesen

          Berliner Fashion Week : Außer Tresen nichts gewesen

          Man muss die Berliner Fashion Week natürlich nicht kritisieren, man kann aber: Die Modewoche ist nicht in bester Verfassung. Ein paar Lichtblicke gibt es aber trotzdem.

          Topmeldungen

          Streit über Seehofer-Vorstoß : „Jede dritte Abschiebung ist gescheitert“

          Im Koalitionsstreit über den Vorschlag, Abschiebehäftlinge in normalen Gefängnissen unterzubringen, stellen sich Unionspolitiker hinter den Innenminister. Ausreisepflichtige Ausländer seien oft nicht auffindbar, sagte Innenpolitiker Schuster der F.A.Z. Doch die SPD hat Bedenken.

          Brexit-Debakel : Jetzt wird der Brexit lästig

          Nach der Chaos-Woche in London steht die britische Regierung jetzt endgültig im Regen. Doch politisch sind viele Akteure Lichtjahre voneinander entfernt. Wie lange noch?

          Tech-Konferenz DLD : Die Vermessung des Webs

          Mit der Seite im Bild fing alles an. Vor nur knapp 30 Jahren gab es nur einen Server und eine Website. Heute verbindet das Internet die halbe Welt. Wir machen die Entwicklung des Netzes erlebbar.
          Kommt der Aufschnitt bald nicht mehr von echten Tieren, sondern aus dem Labor?

          Tech-Konferenz DLD : 190 Dollar für 100 Gramm Wurst

          Wie kann die wachsende Weltbevölkerung in Zukunft ernährt werden? Eine vielversprechende Idee ist Fleischersatz aus dem Labor. Doch noch ist das ziemlich teuer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.