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Die Neue – Jung, ehrgeizig

und will nach oben

Von PETER-PHILIPP SCHMITT, LOTTERMANN & FUENTES (Fotos)
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04.06.2021 · Jasna Fritzi Bauer hat vor Kurzem als neue „Tatort“-Kommissarin debütiert. Für uns ist die Darstellerin der Polizistin Liv Moormann in Los Angeles noch einmal in andere Rollen geschlüpft.

Ist doch nett, wenn man irgendwo neu anfängt und von einer erfahrenen Kollegin willkommen geheißen wird – so wie das neue „Tatort“-Team aus Bremen von Anna Schudt. Die Schauspielerin ist seit fast zehn Jahren im Dortmunder „Tatort“ die Kriminalhauptkommissarin Martina Bönisch. Für die drei Neuzugänge aus Bremen kommt Schudts Besuch überraschend. Für sie jedoch scheint das eine Selbstverständlichkeit zu sein: „Beim ,Tatort‘ sind wir nämlich eine große, liebevolle Familie.“ Mit einer Ausnahme – natürlich: den Idioten aus Münster mit ihren 14,5 Millionen Zuschauern. 14,5 Millionen! Und wofür? Eine schlechte Story und ein paar müde Gags, sagt Anna Schudt. Also nicht, dass sie den Kollegen den Erfolg nicht gönne. Aber das sei „wirklich unverdient und peinlich“. 

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So geht es weiter: Beim „Tatort“ mitzuspielen habe durchaus sein Gutes – regelmäßige Arbeit, gute Bezahlung, Millionen Fans im ganzen Land. Die Schattenseiten: Jahr für Jahr das selbe langweilige Kostüm, die selben langweiligen Kollegen, die selben langweiligen Sätze. „Was haben Sie zur Tatzeit gemacht?“ – „Kannten Sie das Opfer?“ Wenigstens habe man als „Tatort“-Kommissarin noch genug Zeit, auch gute Sachen zu machen, sagt Anna Schudt – und zieht ihren Emmy aus der Tasche. Den habe sie ganz zufällig dabei und natürlich nicht für den „Tatort“ bekommen, sondern für ihre Rolle als Gaby Köster im Fernsehfilm „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“. Das scheinen viele Fans aber nicht zu wissen: Gestern erst sei sie wieder von einer Frau vor dem Super- markt als Martina Bönisch angesprochen worden. „Wisst ihr, was ich da gemacht habe? Da habe ich meinen Autoschlüssel genommen und hab’ dieser Scheißkuh ihren armseligen kleinen Wagen zerkratzt.“ 

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„How to Tatort“ nennt sich die sechsteilige Serie von Radio Bremen, die im vergangenen Jahr entstand und auf parodistische Weise den „Tatort“ und all die Klischees aufs Korn nimmt, die der Zuschauer mit der erfolgreichsten Kriminalfilmreihe des deutschen Fernsehens verbindet. Da geht es um Neid und Missgunst unter Kollegen, um eine mögliche Frauenquote, den Migrationshintergrund der Schauspieler, die quasi zufällige Neubesetzung von Ermittlerrollen. Und „How to Tatort“ dreht sich natürlich auch darum, wie realitätsnah die gezeigte Polizeiarbeit ist. Schieß- und Fahrtraining inklusive. 

Mit seiner herrlich komischen „Mockumentary“ wollte der zuständige Sender aus Bremen sein neues Ermittlerteam vorstellen und zugleich die Fans des Bremer „Tatorts“ bei Laune halten. Denn das altbewährte Team um die fiktiven Kommissare Inga Lürsen und Nils Stedefreund (Sabine Postel und Oliver Mommsen) hatte schon vor vier Jahren seinen Rückzug bekanntgegeben. Im Dezember 2019 wurden bereits ihre Nachfolger präsentiert. Nun endlich – in zwei Wochen, am Pfingstmontag – ermittelt das Trio erstmals in einem „Tatort“. Er trägt den mehrdeutigen Titel „Neugeboren“. Es geht um einen Säugling, der aus einer Klinik entführt wird. 

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„Für uns war’s gut, dass wir zunächst ,How to Tatort‘ gedreht haben“, sagt Jasna Fritzi Bauer. „Da haben wir gemerkt, dass wir drei gut miteinander können.“ Die Zweiunddreißigjährige ist die Jüngste im Team. Ihre Figur, die Polizistin Liv Moormann, „kommt aus Bremerhaven, ist jung, ehrgeizig und will nach oben“, wie es in ihrer Rollenbeschreibung heißt. Liv Moormann, die zur Mordkommission wechseln will, führt wie eine Erzählerin aus dem Off in den neuen „Tatort“ ein. 

Zum Team gehören auch die Ermittlerin Linda Selb („fachlich exakt und menschlich speziell“) vom Bundeskriminalamt, gespielt von Luise Wolfram, und der Däne Mads Andersen (Dar Salim): „tough, charismatisch, schreckt vor nichts zurück“. Linda Selb war schon an der Seite des Ermittlerteams Lürsen und Stedefreund in einigen alten Bremer „Tatort“-Folgen zu sehen. Der 1977 in Bagdad geborene Dar Salim, bekannt etwa als Blutreiter Qotho in „Game of Thrones“, hat ebenfalls schon Erfahrung mit dem Bremer „Tatort“: 2014 spielte er in „Brüder“ den kriminellen Clan-Chef Hassan Nidal. Jasna Fritzi Bauer ist die eigentlich Neue im Bremer Team, denn auch Dar Salim spielt als Mads Andersen einen erfahrenen Polizisten mit interessanter Vergangenheit – beim dänischen Geheimdienst, der ihn nach Bremen schickte. 

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Die junge Schweizerin Jasna Fritzi Bauer, die dank ihrer Mutter auch einen chilenischen Pass hat, kommt eigentlich vom Theater. Was sie am „Tatort“ reizt? Dass man sie überhaupt für die Rolle einer gestandenen Kommissarin besetzt habe. Die gebürtige Wiesbadenerin hat zwar schon schauspielerische Erfahrung, auch vor der Kamera, sie wirkt aber viel jünger, als sie in Wahrheit ist. 2017 etwa spielte die damals Siebenundzwanzigjährige im Filmdrama „Axolotl Overkill“ die 16 Jahre alte Mifti. Die Rolle nahm man ihr nicht nur ab, sie wurde dafür auch für eine Reihe von Preisen, darunter den der Deutschen Filmkritik, nominiert. „Im ,Tatort‘ darf ich Kommissarin sein, und ich darf mein Alter spielen. Das ist für mich beides ganz wichtig“, sagt Bauer. Und es sei schön, Luise Wolfram ausgerechnet beim „Tatort“ wieder zu treffen. „Wir kennen uns vom Studium an der Ernst Busch in Berlin.“ Die zwei Jahre ältere Luise Wolfram, die in Apolda in Thüringen geboren wurde, war an der Hochschule für Schauspielkunst allerdings zwei Jahrgänge über ihr. 

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Jasna Fritzi Bauer gehört mit hochgelobten Filmen und Serien wie „About a Girl“, „Axolotl Overkill“, „Abgeschnitten“ und „Jerks“ zu den jungen Shootingstars in Deutschland. „Ohne Talent“, sagt sie, „kommt man nicht weit. Ohne Glück aber auch nicht.“ Und sie hatte Glück, wie sie erzählt. „Eigentlich wollte ich nie Filme machen. Aber einmal kam ich im Studium zu spät zum Unterricht an der Ernst Busch, und da stand eine Casterin und fragte mich, ob ich hier studiere. Sie stellte mir die Regisseurin Pia Marais vor, mit der ich 2009 meinen ersten Film drehte, ,Im Alter von Ellen‘. Dadurch lernte ich meine Agentin Inka Stelljes kennen, wieder ein großer Glücksfall. Und die sagte zu mir, ich solle unbedingt ans Wiener Burgtheater gehen, was ich tat. Und schon kam mein zweiter Film ,Ein Tick anders‘.“ Darin spielt Bauer die 17 Jahre alte Eva, die unter dem Tourette-Syndrom leidet. Dafür bekam sie den „New Faces Award“ der Zeitschrift „Bunte“ als beste Nachwuchsdarstellerin. 

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Inzwischen hat sich die Schweizerin, die abwechselnd in Berlin und Frankfurt lebt, als Filmschauspielerin etabliert. Auch darum machte Radio Bremen sie zur neuen Ermittlerin. Am Konzept des „Tatorts“, den Jasna Fritzi Bauer „solide“ nennt – „spannend, aber keine übermäßige Action“ –, wurde lange gefeilt. „Dar und Luise wurden zusammen gecastet. Ich wurde dazu gewürfelt.“ Ein Jahr habe es gedauert, bis die Entscheidung fiel, auch weil es ja von größerer Tragweite für den Sender sei. „Im besten Fall bleiben wir als Team mehrere Jahre zusammen.“ Ihr Vertrag sieht zunächst fünf „Tatort“-Folgen vor. 

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Ihre Figur hat sie mit Christian Jeltsch entwickelt, der das Drehbuch für den ersten und den zweiten „Tatort“ des Bremer Trios geschrieben hat. Die Charaktere sollen sich auch weiter entwickeln dürfen, heißt es von Seiten des Senders. Darüber unter anderem hatte sich Sabine Postel beschwert: dass sie als Kommissarin in Bremen einsam und verlassen durchs Leben gehen musste und privat nie einen Mann dauerhaft an ihre Seite gestellt bekam. 

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Jasna Fritzi Bauer weiß aus Erfahrung, dass man nicht so einfach Wünsche äußern kann. Zudem würden die Drehbücher nicht immer vom selben Autor geschrieben, so dass sich Geschichten nicht fortlaufend erzählen ließen. Sie arbeite aber gerne an Drehbüchern mit. „Doch meist kommt erst beim Dreh raus, was funktioniert und was nicht.“ Ein Manko für sie ist, dass es allgemein noch immer weniger Rollen für Frauen gibt. „Das liegt an den Drehbüchern. Da müsste angesetzt werden.“ Umso schöner findet sie es, dass das Bremer „Tatort“-Team nun aus gleich zwei Frauen und nur einem Mann besteht. 

Drei für Bremen: Das neue „Tatort“-Team könnte unterschiedlicher kaum sein. Neben der „menschlich speziellen“ Kriminaltechnikerin vom Bundeskriminal- amt, Linda Selb, gespielt von Luise Wolfram (links), ermitteln der „toughe“ Däne Mads Andersen (Dar Salim) und die „gern unterschätzte“ Polizistin Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer).
Drei für Bremen: Das neue „Tatort“-Team könnte unterschiedlicher kaum sein. Neben der „menschlich speziellen“ Kriminaltechnikerin vom Bundeskriminal- amt, Linda Selb, gespielt von Luise Wolfram (links), ermitteln der „toughe“ Däne Mads Andersen (Dar Salim) und die „gern unterschätzte“ Polizistin Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer). Foto: dpa

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Quelle: „Die Neue“ Tatortkommissarin

Veröffentlicht: 04.06.2021 17:02 Uhr