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Karimoku New Standard : Schlicht aus Fernost

Das Sofa Elephant von Christian Haas fügt sich in den minimalistisch aber multifunktionalen Stil ein. Bild: Hersteller

Mit Karimoku New Standard zielt Japans größter Holzmöbelhersteller auf den europäischen Markt – mit einem Kreativdirektor aus der Schweiz und Designern auch aus Deutschland.

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          David Glaetli ist erst im April zurück nach Zürich gezogen. Auch weil seine Kinder bald in die Schule kommen, stellten er und seine japanische Frau sich die Frage: Wo wollen wir künftig leben? „Japan“, sagt Glaetli, „fühlt sich schon ein wenig wie das Ende der Welt an.“ In dem Inselstaat fehlte ihm das Multikulturelle seiner Heimat, die Möglichkeit, mal eben über die Grenze in ein anderes Land zu fahren. Zudem hat Japan stark überalterte Gesellschaft, die Bevölkerungszahl ist seit Jahren rückläufig. Fast 13 Jahre hat Glaetli in Japan gelebt, bevor er in die Schweiz zurückkehrte. In diesem Monat will er ein neues Studio in Zürich eröffnen. Ein Teil des Büros und eine Assistentin sind aber noch in Tokio.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Schweizer, Jahrgang 1977, bleibt seinem Hauptarbeitgeber treu: als Kreativdirektor von Karimoku New Standard. Nach dem Produktdesign-Studium in Mailand und in Lausanne hatte Glaetli 2008 angefangen, für den Designer Teruhiro Yanagihara in Osaka zu arbeiten. Noch im selben Jahr wandte sich Japans größter Holzmöbelhersteller Karimoku an das Studio mit der Bitte, Produkte zu erarbeiten. „Karimoku wollte ein moderneres, eher skandinavisches Design“, sagt Glaetli. „Doch wir schlugen dem Unternehmen vor, lieber gleich eine neue Marke zu gründen. Nur ein paar neue Möbel wären in dem Sortiment untergegangen.“ Karimoku, 1940 in der japanischen Präfektur Aichi gegründet, stimmte zu. Wenig später schon konnten neun Entwürfe präsentiert werden. Da es keine wirtschaftlichen Zwänge gab, die Marke viele Freiheiten. „Wir konnten experimentieren“, sagt Glaetli.

          Minimalistisch und Multifunktional

          Das hieß vor allem: Karimoku New Standard gab jungen, unbekannten und auch unerfahrenen Designern eine Chance. Dem Schweizer Studio BIGGAME zum Beispiel, das Augustin Scott de Martinville, Elric Petit and Grégoire Jeanmonod 2004 in Lausanne gegründet hatten. Und dem Designerduo Scholten & Baijings aus Amsterdam, das fast 20 Jahre bestand. Seit 2019 gehen Stefan Scholten und Carole Baijings getrennte Wege. Auch der Deutsche Christian Haas mit seinem Studio im portugiesischen Porto stieß zu der japanischen Marke wie auch zuletzt Geckeler Michels aus Berlin.

          Zurück in Zürich: Nach fast 13 Jahren in Japan ist David Glaetli in seine Heimat Schweiz
zurückgekehrt. Er bleibt aber Kreativdirektor von Karimoku New Standard. Bilderstrecke
          Karimoku New Standard : Japans größter Holzmöbelhersteller in Europa

          Für KNS, wie sich das japanische Label kurz nennt, haben David Geckeler und Frank Michels den Stuhl Panorama entworfen. Er ist typisch für die Marke: minimalistisch in der Anmutung, multifunktional einsetzbar, mit Bezügen zu Japan. Und er ist natürlich aus Holz. Die stapelbare Stuhlfamilie besteht aus japanischer Eiche. Sitz und Rückenlehne sind leicht gebogen und sollen an Blätter aus Papier erinnern, die sich im Wind biegen wie auf einem der Farbholzschnitte des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai.

          Im fernen Osten beliebt

          Von Geckeler und Michels, die sich in den späten Nullerjahren beim Designstudium in Potsdam kennengelernt hatten, stammt auch der Eichentisch Spectrum mit gleich zwei Platten, dazwischen ist Platz für Stauraum. Scholten & Baijings wiederum haben die Colour-Wood-Serie entworfen, bei der dünne Eichenholzleisten so miteinander verbunden werden, dass sie zum Beispiel eine Sitzschale für einen Stuhl ergeben, die wie gefaltet aussieht. Da in Japan Holz schon vor Corona ein rares Gut war, verwendet KNS dafür junge Bäume, Aufschlag, der im Wald gefällt werden muss und sonst meist zu Papier verarbeitet wird.

          Der Bestseller von KNS ist das Sofa Elephant von Christian Haas: Dicke Polster ruhen auf einem Gestell aus Kastanienholz. Karimoku habe mit seiner jungen Marke auch nach neuen Märkten gesucht, gerade weil die Bevölkerung in Japan stark schrumpfe, sagt Glaetli. Darum habe man vor allem europäische Designer beauftragt. Anfangs war KNS in Europa auch sehr erfolgreich. Inzwischen aber erfreuen sich die minimalistischen Entwürfe größerer Beliebtheit im Fernen Osten – in Japan, China und Korea, aber auch in Australien.

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