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Nachruf auf Kansai Yamamoto : Er machte Ziggy zu Stardust

Designer Kansai Yamamoto (r.) mit einem Model bei einer Schau in Tokio 1982 Bild: AP

Seine Mode überwand Epochen, Kulturen und Geschlechter, für David Bowie entwarf er Bühnenoutfits: Der japanische Modeschöpfer Kansai Yamamoto ist mit 76 Jahren gestorben.

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          Wenn die achtziger Jahre die Zeit der belgischen Designer waren (Dries Van Noten, Walter Van Beirendonck, Ann Demeulemeester) und die Neunziger die Zeit der Briten (Alexander McQueen, John Galliano, Stella McCartney), so waren die Siebziger von den Japanern bestimmt. Nach dem Tod von Coco Chanel (1971), Cristóbal Balenciaga (1972) und Elsa Schiaparelli (1973) war es höchste Zeit für neue Einflüsse. Als Wegbereiter kam Kenzo, der 1970 seine erste Schau veranstaltete. Dann folgten Issey Miyake, Rei Kawakubo, Yohji Yamamoto und sein Namensvetter Kansai Yamamoto: Die einflussreichsten japanischen Designer stammen alle aus einer Generation.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Kansai Yamamoto, der am 8.Februar 1944 in Yokohama geboren wurde, war der jüngste von ihnen. Als er 1975 in Paris debütierte und 1977 dort eine Boutique eröffnete, war er schon bekannt. Denn der Modemacher, der in Japan Englisch studiert hatte, bevor er sich der Mode verschrieb, hatte einen großen Fan: David Bowie. Der Sänger hatte eine Kollektion Yamamotos 1971 auf der London Fashion Week entdeckt und sich die exzentrischen Entwürfe angepasst: Auf der „Ziggy Stardust Tour“ (1972 bis 1973) trug er zahlreiche Yamamoto-Kostüme, unter anderem einen asymmetrischen knallbunten Bodysuit und ein weites weißes Cape mit den logographischen Kanji-Buchstaben. „Er wusste“, sagte Yamamoto über die Zusammenarbeit, „dass er dem Publikum eine starke Reaktion entlocken konnte, wenn er meine Kleider auf der Bühne trug.“

          Die Entwürfe für Bowie spiegelten den Stil des Designers wider: Mit kaleidoskopischen Farben, großen Zeichen, schrägen Schnitten und extraterrestrischen Formen passte er gut in die freiheitlichen siebziger Jahre. Und Yamamoto legte die uniformen Rollen ab, die man japanischen Modemachern bis dahin auferlegt hatte. Zugleich nutzte er Einflüsse seiner Kultur, etwa aus dem Kabuki-Theater. Seine Mode, die Epochen, Kulturen und Geschlechter überwand, war also nicht nur abstrakt avantgardistisch, sondern im japanischen Kontext geradezu rebellisch. Die Manga-Referenzen traten auch in der Louis-VuittonCruise-Kollektion 2018 hervor, mit der sich Chefdesigner Nicolas Ghesquière auf Yamamoto bezog – als wunderbare Hommage an einen Modekünstler.

          Seine Tochter, die Schauspielerin Mirai Yamamoto, teilte am Montag auf Instagram mit, dass Yamamoto schon am 21.Juli mit 76 Jahren an Leukämie gestorben sei. Nicht nur Bowie-Jünger, auch Designer trauern. So schrieb Marc Jacobs, Yamamoto, den er schon als Student kennenlernte, habe ihm „die Flügel gegeben, die ich zum Fliegen brauchte“.

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