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Japanische Modekette : Uniqlo wagt den Sprung nach Deutschland

Will westlichen Marken das Wasser reichen: Uniqlo Bild: REUTERS

Nach Erfolgen in England und Frankreich will die japanische Modekette Uniqlo nun auch nach Deutschland expandieren. Im Frühjahr 2014 soll es losgehen.

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          Aufregung in der Einkaufsstraße. Denn Anfang des kommenden Jahres drängt nun auch der japanische Modehändler Uniqlo auf den deutschen Markt. Das dürfte den Wettbewerb in der 60 Milliarden Euro großen Branche verschärfen, Konkurrenten aller Preisklassen weiter unter Druck bringen und Marken wie Zara, H&M, Abercrombie & Fitch oder auch der Billigkette Primark zusetzen. Bieten die Japaner doch qualitativ hochwertige Kleidung zu „wettbewerbsfähigen Preisen“ an, wie selbst Konkurrenten einräumen.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach Amerika, China, Frankreich und Großbritannien wagt Uniqlo nun auch den Schritt nach Deutschland. Im Frühjahr kommenden Jahres soll es losgehen. Dafür wird in Berlin gerade ein zweieinhalbtausend Quadratmeter großer Laden hergerichtet. „Unser Flagship-Store“, sagt Berndt Hauptkorn, Europachef von Uniqlo. Die Stadt an der Spree habe Kultur und viele Touristen, sei trend- und modebewusst. Der Laden könnte der Auftakt für die Eröffnung weiterer Geschäfte in anderen Großstädten Deutschlands sein. Das lässt die Konkurrenz aufhorchen.

          Die Japaner haben in den vergangenen zehn Jahren unter ihrem Gründer, Großaktionär und Vorstandsvorsitzenden Tadashi Yanai eine nahezu beispiellose Expansion vorangetrieben. Während viele fernöstliche Traditionsmarken gegen den schleichenden Niedergang kämpfen, hat Uniqlo in Metropolen wie London, Paris oder New York für Wirbel und teilweise für eine Neuordnung des Modehandels gesorgt. Binnen kürzester Zeit erarbeitete sich der Textilhändler aus Hiroshima dort eine vielköpfige Stammkundschaft und wirtschaftet heute mit Gewinnspannen, die denen des internationalen Marktführers Inditex nahe kommen.

          Klassische Gewebe und neue Technologie

          So ist Uniqlo längst zur zugkräftigsten Hausmarke des Mutterkonzerns Fast Retailing Company Ltd. avanciert. In seinem vor vier Jahren erschienenen Buch schrieb Gründer Tadashi Yanai: „Wenn es auch etwas träumerisch oder lustig klingen mag, es wird eine Zeit kommen, in der wir Gap das Wasser reichen können.“ Heute kann er es. Während das amerikanische Modehaus in den vergangenen Jahren nur langsam wuchs und derzeit im Jahr 12 Milliarden Euro erlöst, legte Uniqlo deutlich stärker zu.

          Der Konzern erlöste im vergangenen Geschäftsjahr umgerechnet knapp 10 Milliarden Euro, hatte eine operative Marge von 14 Prozent und einen Nettogewinn von 824 Millionen Euro. Verdoppelten die Wettbewerber Inditex und H&M binnen fünf Jahren ihren Umsatz, verdreifachte Fast Retailing seinen Erlös.

          Grund für diesen Wachstumsschub war die Eröffnung neuer Läden. Vor allem China, Amerika und das westliche Europa standen auf der Agenda. Nun ist auch Deutschland dran. Wie einst die amerikanische Gap und die deutsche C&A geht auch Uniqlo auf einen familiengeführten Textilladen zurück. Als Herrenausstatter der Yanais in der westjapanischen Stadt Ube Anfang der sechziger Jahre gegründet, war Tadashi nach seinem Studium an der Tokioter Eliteuniversität Waseda 1972 in die väterliche Firma eingetreten. Er eröffnete 1984 in der Millionenmetropole Hiroshima das erste größere Geschäft, setzte erst auf Teenager- und dann auf Familienmode, auf preiswerte Importware aus Korea und China. Er verband klassische Gewebe mit neuester japanischer Technologie, wie etwa den künstlichen Spezialfäden, die sowohl wärmen wie auch kühlen können. Mit dieser Bekleidung stattete er unter anderem mehrere Olympiamannschaften seines Heimatlandes aus. So machte er den Namen seines Unternehmens gezielt zur Marke.

          Darüber hinaus arbeitete Yanai in den vergangenen Jahren unter anderem mit der deutschen Star-Designerin Jil Sander zusammen, um Erfahrungen im hochwertigen Modebereich zu sammeln. Vor zwei Jahren beendete Uniqlo die Kooperation mit der Hamburger Unternehmerin, nahm den langjährigen Berater Hauptkorn unter Vertrag und forcierte dann die geschäftlichen Bemühungen für einen Markteintritt in Deutschland.

          Hauptkorn hatte in den neunziger Jahren die Firma Ahead Marketing Kommunikation gegründet, arbeitete dann neun Jahre lang für Boston Consulting, wechselte 2007 zur Luxusmarke Labelux der deutschen Milliardärsfamilie Reimann, führte dort unter anderem die schweizerische Hausmarke Bally und ging im Sommer 2012 zu Uniqlo. Als Europachef soll er nun das Kunststück fertigbringen, auf dem von Euro-Krise und wirtschaftlicher Stagnation gekennzeichneten alten Kontinent den Erfolgslauf der Japaner fortzusetzen. „Deutschland ist einer der wichtigsten europäischen Märkte“, sagt Hauptkorn. Einige Konkurrenten verbrannten sich auf dem kleinteilig organisierten Markt bereits die Finger. „Daher haben wir unseren Markteintritt gut überlegt und durchgeplant. Die Japaner legen viel Wert auf Qualität. Das fängt beim Material an und hört beim Verkauf auf. Ich kenne diese Versessenheit aufs Detail eigentlich nur vom Luxussegment, und da sind die Preise andere als bei Uniqlo. Ich bin mir sicher, wir werden im preisbewussten Deutschland gut ankommen.“ Das dürfte die Branche hierzulande ein weiteres Mal aufmischen.

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